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Der Enthusiast

08.12.2011 | 18:26 Uhr
Der Enthusiast
Der Ex Junkie und Extremsportler Andreas Niedrig hat am 08.12.2011 in der Hauptschule In den Haesen in Duisburg Homberg ein wenig aus seinem Leben erzählt und Fragen von den Schülern beantwortet. Foto: Kerstin Bögeholz / WAZ FotoPool

Zwischen dem Satz: „Wenn hier jemand etwas besonderes ist, dann seid ihr das. Lasst euch nix anderes erzählen“, und einer Mini-Autogrammstunde lagen gestern rund 90 Minuten. Andreas Niedrig, ehemaliger Junkie und Weltklasse-Triathlet, war zu Gast in der Homberger Hauptschule In den Haesen

Im Gepäck hatte er neben seinem 10 000 Euro teuren Rennrad auch seine Geschichte. Eine Geschichte, die ihn von ganz unten nach ganz oben geführt hatte.

Ketzerisch gesagt, kennen sie sich in Homberg gut aus mit dem Begriff „ganz unten“. Spott von Gleichaltrigen bekämen die Mädchen und Jungen häufig zu hören, sie würden ja schließlich „nur“ zur Hauptschule gehen. Dazu kommen der angrenzende Problemstadtteil Hochheide und das nicht immer zum Besten stehende familiäre Umfeld der Kinder. „Wir wollten ihnen jemanden zeigen, der es geschafft hat“, sagt Leyla Hos.

Dem Einsatz der Lehrerin verdankt es die Schule, dass Andreas Niedrig (44) den Weg von seinem Wohnort Erkenschwick in die Haesen gefunden hat. „Ich habe im Internet etwas über ihn gelesen und dann einfach angeschrieben.“ Nun bekommt der heute als Motivationstrainer arbeitende Extremsportler jede Menge Anfragen. Die von Leyla Hos hat ihn sehr beeindruckt, sagt er. „Sie ist sehr engagiert, steht voll hinter ihren Schülern.“ Der Termin für einen Besuch war schnell gefunden, Niedrig kam kostenlos, nicht einmal eine Pauschale für Fahrt und Co. wollte er haben.

Auf der kleinen Schulbühne stand er dann vor seinem Fahrrad und erzählte seine Geschichte. Man merkt ihm an, dass er sie gerne erzählt, und sie sicher schon Hunderte Male erzählt hat. Dabei ist der Mann so enthusiastisch, als würde er zum ersten Mal über sein Versagen in der Hauptschule, seine Heroinsucht, den ersten Lauf mit seinem Vater und den Ironman auf Hawaii erzählen. Der gänzlich uneitle Tenor: „Ich habe an mich geglaubt und es geschafft. Ihr könnt es auch.“

Zur Einstimmung auf das Treffen mit dem Sportler hatten sich die Schüler den Film angesehen, der vor ein paar Jahren über ihn in den Kinos gelaufen ist: Lauf um dein Leben – vom Junkie zum Ironman.“ Ob seine Freunde wie im Film denn tatsächlich gestorben seien, wollte einer der Jugendlichen wissen. Es sei ein Kinofilm gewesen, da würde vieles größer gemacht, als es in Wirklichkeit war, aber: „Von den Menschen, mit denen ich in Therapie war, lebt keiner mehr, sie sind alle rückfällig geworden.“

Der Auftritt Niedrigs diente der Schule zur Suchtprävention. Mit Drogen in Kontakt zu kommen, die Gefahr sei in Hochheide, wo viele Schüler wohnen, wohl größer als etwa auf dem Land. Und dann jemandem zuhören zu dürfen, der so manchen Stoff schon genommen hat und daran fast gestorben ist, schärft das Bewusstsein der Kinder.

Autogramme undHandy-Fotos

Nach der Fragestunde, einen Vortrag wie etwa vor Managern, mochte der 44-Jährige nicht halten, kamen einige der Kinder zur Bühne, holten sich ein Autogramm oder ließen den Athleten für ein Handyfoto posieren. Der Tag mit dem Enthusiasten sei ein großer Erfolg gewesen, sagt Leyla Hos gerührt. Einige hätten ihn beim Einpacken seines Fahrrades geholfen und ihn mit Fragen gelöchert. „Mir hätte es sogar gereicht, wenn wir nur einen einzigen Schüler mit der Aktion erreicht hätten.“ Am Ende waren es jede Menge...

Daniel Cnotka

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