Den letzten Tagen mehr Leben geben

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„Dem Leben nicht mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben“ - könnte man das Motto des Hospizvereins „Leben bis Zuletzt“ überschreiben. Bei der Gründungsversammlung im Seniorenzentrum „Haus am Sandberg“ in Hochheide herrschte großes Interesse: etwa 50 Bürger und Vertreter aus Politik kamen, um den zehnköpfigen Vorstand des Vereins zu wählen.

Über die Robert-Bosch-Stiftung und die „Glücksspirale“ war es möglich, über die vergangenen vier Jahre ehrenamtliche Hospizhelfer zu qualifizieren. Zuletzt schlossen 16 Helfer die Qualifizierung ab, die aus 80 Stunden Praktika in Seniorenheim und Hospiz, sowie 120 Stunden Theorie besteht. „Für uns ist es wichtig, über den Verein die Koordination der Hospizhelfer zu ermöglichen – und wir wollen somit, mehr Menschen nachhaltig für dieses Tätigkeitsfeld gewinnen“, sagt Ralf Krause, Heimgeschäftsführer vom „Haus am Sandberg“. „Besonders wichtig ist uns auch der multikulturelle Aspekt, da nun mal Unterschiede zwischen Muslimen und Christen im Umgang mit dem Tod bestehen.“

Die ehrenamtlichen Hospizhelfer werden sensibilisiert für die Arbeit mit Sterbenden: dazu zählen Handreichungen am Krankenbett, Behördengänge, der Umgang mit Demenz, Trauerarbeit mit Angehörigen, aber auch Bereiche wie Musiktherapie, Yoga und Ethik werden abgedeckt. „Ziel ist es auch demnächst in der ambulanten Versorgung von Schwerstkranken mitzuwirken“, sagt Ralf Krause, „dabei wollen wir nicht als Konkurrenz zur palliativen Versorgung durch Pflegedienste und Ärzte agieren, sondern als Ergänzung.“

Frisch zur Vorstandsvorsitzenden des Vereins „Leben bis Zuletzt“ wurde Marina Heyermann. Sie arbeitet im Sozialen Dienst im „Haus am Sandberg“ und ist Notfallseelsorgerin auf Bereitschaftsbasis im Kreis Wesel, durchlief dafür eine zweijährige Qualifizierung in Büderich. Auch im Bereich Opferschutz ist sie erfahren: „In der Regel sind wir diejenigen, die die Angehörigen über den Tod informieren, und dann die Trauerarbeit mit ihnen leisten. Das kann manchmal auch zu Extremsituationen führen“, sagt sie. „Andererseits habe ich gelernt vieles bewusster und gelassener zu sehen, seitdem ich diese Arbeit mache. Ein zentrales Thema unserer Arbeit soll sein: ;Wie lerne ich in Ruhe und Frieden zu gehen’.“

An der Verbesserung der Versorgung will Maina Heyermann arbeiten: „Wir versuchen, gerade im Duisburger Westen ein besseres Netzwerk unter den Hospizhelfern aufzubauen, im Norden und Süden läuft es schon ganz gut.“ Der Verein will Fördergelder und Spenden für die Qualifizierungsmaßnahmen organisieren.