Dem Protest folgt die Klage
10.06.2009 | 18:58 Uhr 2009-06-10T18:58:00+0200
Die Sondersitzung mit Mingas-Vertretern hat den Widerstand der Baerler Initiative gegen das Gas-Kraftwerk nicht geschwächt.
Am Dienstag morgen wurde in Baerl eine Bank überfallen, den kompletten Fuhrpark der Polizei konnte man aber am Abend bewundern. Ein Mannschaftswagen, ein Streifenwagen und Polizeimotorrad begrüßten Besucher der angemeldeten Protestkundgebung vor dem Gemeindezentrum. Die Bürgerinitiative gegen das geplante Grubengas-Kraftwerk am Rand eines Wohngebiets machte bereits vor der Sondersitzung ihren Standpunkt deutlich: Ein Kraftwerk an diesem Standort ist mit ihnen nicht zu machen.
Übertragung nach draußen
Man sei nicht grundsätzlich gegen die Verwertung von Grubengas, wohl aber an dieser Stelle. „Wir haben durch den Bergbau alle Schäden an den Häusern. Wir haben unseren Beitrag geleistet”, sagte ein Baerler. Die Vertreter des Betreibers Mingas und der Bezirksregierung Arnsberg mussten sich den Weg vorbei an rund 300 aufgebrachten Bürgern mit Plakaten undsogar einigen Fernsehteams ins Gemeindezentrum bahnen.
Die Luft in dem überbelegten Saal war so stickig wie die Stimmung. Auch wenn den rund 200 Bürgern während der Sitzung Zwischenrufe oder Beifall untersagt blieben, waren drinnen die emotionalen Äußerungen von draußen zu hören. Denn vor dem Gemeindezentrum mussten sich weitere 100 Leute, die in dem Saal keinen Platz fanden, mit der Übertragung aus dem Lautsprecher begnügen. Public Viewing einer Sitzung des Stadtteilsparlaments, das hätte sich wohl kaum ein Bezirksvertreter träumen lassen.
Dreh- und Angelpunkt: Die Bohrstelle und der Kraftwerk-Standort
Dreh- und Angelpunkt der sachlichen Diskussion, für die sich die Initiative verbürgt hatte, war der Standort für die Bohrung, die mitten im Wohngebiet an der Schulstraße liegen soll. Die Baerler bezweifeln, dass diese Stelle die einzig technisch mögliche ist und halten auch eine Schrägbohrung für praktikabel. Dem widerspricht Mingas-Prokurist Andreas Brandt: „Wenn ich in 650 Meter Tiefe einen zwei bis drei Meter breiten Grubenraum treffen muss, kann ich das nur lotrecht schaffen. Bei anderen Verfahren können die Bohrfirmen nicht garantieren, diesen Raum zu treffen”. Bohrungen durch ein Steinkohlegebirge, das sei als ob man mit einem Bindfaden einen genauen Punkt auf der Tischplatte treffen wollte.
Die Baerler konnte er damit nicht überzeugen. Sie rangen den Mingas-Vertretern immerhin ab, dass nicht nur technische, sondern auch wirtschaftliche Berechnungen dazu geführt haben, dass die Bohrstelle für Mingas die „einzig praktikable” sei. Ebenso zweifelten sie das Lärmgutachten an. „Der Dekra-Gutachter hat uns versichert, das die Grenzwerte durch die Einkapselung in Containern eingehalten werden”, sagte Brandt. Nach Angaben der Inititative spricht ein von ihnen beauftragtes TÜV-Gutachten eine andere Sprache.
"Wir werden intensiv prüfen"
„Wir können Ihnen versichern, dass wir das Projekt nach dem heutigen Stand der Technik intensiv prüfen werden”, sagte Andreas Nörthen von der Bezirksregierung Arnsberg. Der Standort fordere bei der Prüfung eine „besondere Aufmerksamkeit”, weil die Bohrung mitten im – und die Anlage „relativ nahe” am – Wohngebiet liege. Die Grenzwerte werde man kontrollieren. Sollten sie überschritten werden, müssten die Anlagen abgeschaltet und nachgebessert werden, sagte Nörthen.
„Den Glauben verloren”
Zahlen und Fakten zum geplanten Kraftwerk im Binsheimer Feld
Mingas ist ein Tochterunternehmen der Konzerne Evonik und RWE und betreibt an 15 Standorten rund 40 Module, die Grubengas aus Bergwerken in Strom verwandeln.
In Baerl soll Methangas aus den stillgelegten Flözen des Bergwerks Walsum vom Grundstück an der Schulstraße über eine 650m tiefe Bohrung zum Blindschacht 782 angezapft werden. Sechs Monate soll die Bohrung dauern. Das Gas wird später über eine rund 200 Meter lange Unterdruckleitung von einer Verdichterstation in der Verwertungsanlage angesaugt und von vier Motoren zu Strom verbrannt.
Mingas will im Spätherbst mit dem Bau beginnen, ein Jahr später soll die Anlage in Betrieb gehen. Das Gas soll fünf bis zehn Jahre gefördert werden, danach wird das Gelände komplett renaturiert.
Für das Projekt sind drei Genehmigungen erforderlich. Der Hauptbetriebsplan ist genehmigt, der Antrag zum Bundesimissionsschutzgesetz liegt noch bis zum 24. Juni im Homberger Rathaus aus, und den Antrag für die Bohrung will Mingas in rund zwei Wochen einreichen.
„Ich habe inzwischen den Glauben verloren, dass die Bezirksregierung so prüfen wird, wie wir uns das vorstellen”, sagte Thomas Balitzki-Schulze, Sprecher der Initiative. Viele Einwände und aufgedeckte Widersprüche seien von der Bezirksregierung nicht angesprochen worden. „Ich habe den Eindruck, wir müssen deren Job machen. Und ich habe festgestellt, dass ich als Bürger in diesem Verfahren Zeit und Geld investieren muss, damit ich zu meinem Recht komme.”
Die Initiative hatte sich bereits nach der Sondersitzung zusammengesetzt. Für den Rechtsweg plant sie eine mittlere, fünfstellige Summe ein. „Der Wertverlust unseres Eigentums und unserer Lebensqualität ist weitaus höher”, sagt der Sprecher. Noch in dieser Woche soll die Klage gegen den genehmigten Hauptbetriebsplan eingereicht werden.
20:33
Hier geht es doch auch um ein altes schönes Dorf in dem wir unseren Kindern noch die Möglichkeit geben möchten kindlichgerecht aufzuwachsen.Menschen die hier geboren wurden und aufgewachsen sind haben schon viel unternommen um Baerl als ihr zuhause und ihr Dorf zu erhalten.Menschen die Widerstand als Schwachsinn bezeichnen kommen bestimmt nicht aus Baerl. Das Leben hier ist von Gemeinschaft und Nachbarschaft geprägt.Es gibt auch viele Menschen die einfach Sorge um ihr Baerl haben und auch Angst davor das es hier bald so ist wie überall in Duisburg.
08:03
Andreas Minke Geschäftsführer von Mingas-Power hat doch während der Sitzung bestätig, dass rein WIRTSCHAFTLICHE GRÜNDE für den Standort in einem Wohngebiet sprechen. Die möglichen Alternativen sind dem Essener Unternehmen schlicht zu teuer.
00:13
Bevor man sagt der Bericht ist Schwachsinn, sollte man sich mal über INFRASCHALL schlau machen der entstehen kann! So eine Anlage gehört außerhalb von Wohngebieten. Wo ist das Problem ein Gasrohr dorthin zu verlegen?
23:24
Den Begriff Schwachsinn halte ich für unsachlich. Er passt aber auch nicht, wenn man vergleicht, dass eine Anlage auf einem Industriegelände stand und kleiner war als diejenige, die jetzt am Rande eines reinen Wohngebietes und eines Europäischen Vogelschutzgebietes, im Landschaftsschutzgebiet und im Wasserschutzgebiet entstehen soll.
St. Florian hat damit nichts zu tun und so zeigt der erste Kommentar, dass sich der Kommentator sich zu wenig mit dem Thema beschäftigt hat.
22:45
Diesen Bericht als Schwachsinn zu bezeichnen finde ich eine glatte Unverschämtheit. Die direkten Anwohner haben eine solche Anlage, die allerdings kleiner war, besichtigt und konnten sich einen Eindruck über die zu erwartenden Geräuschbelästigungen machen. Problematisch sind im Übrigen auch die niederschwelligen Frequenzen, ein Brummen, das man nicht so einfach beseitigen kann.
Interessant ist in dem Zusammenhang der Bericht bei RTL west, RtL Now von Mi 10.06.09, 18.00 Uhr (im Internet zu sehen) Dort ist die Lautstärke einer Anlage von Mingas deutlich zu hören.
Schlimm find ich , mit welcher Arroganz die Vertreter von Mingas auf Befürchtungen und Fragen der betroffenen Bürger reagieren.
21:04
So ein Schwachsinn. Auf dem Gelände des Bergwerks Walsum standen 6 solcher Container und produzierten jahrelang Strom aus Grubengas. Wenn man 5 Meter daneben stand, war ein leises Brummen zu hören. Das ist doch wieder das Übliche: St. Florians Prinzip !!!!