Das Schweigen der Geigen
20.04.2009 | 16:51 Uhr 2009-04-20T16:51:00+0200
Das Folk-Festival am „Tempel” fällt dieses Jahr aus: Umsatzeinbußen zwingen zu Neuorientierung. Aber 2010 soll es weitergehen.
Schock für Folk-Fans: Das traditionelle Festival am Wochenende nach Pfingsten auf der Tempelwiese fällt 2009 aus. Nach 16 Jahren beispielhaften Einsatzes von rund 200 Gemeindegliedern haben die 15 Leute im engeren Festival-Ausschuss mehrheitlich beschlossen, das Festival nicht durchzuführen. Zu riskant ist die Finanzierung des über die Jahre zum Groß-Event gewachsenen Festivals, zu viel Getränke-Umsatz - denn nur der finanzierte das überregional anerkannte Programm des Umsonst-und-draußen-Spektakels - war durch die zunehmende Zahl von Selbstver- sorgern weggebrochen.
Erstes Mal ein Minus
Sprecher Volker Hanke: „Wir sind alle traurig darüber, haben uns die Entscheidung auch nicht leicht gemacht. Aber wir brauchten eine Gedankenpause.” 2010 soll es wieder ein Folk-Festival in Bergheim geben, aber mit erneuerten Strukturen, die noch zu diskutieren sind: „Vielleicht”, so Hanke, ist alles ein bisschen zu groß geworden.” Ein „Gesundschrumpfen” hin zu „kleineren” Bands, quasi zurück zu den Wurzeln, könne eine Lösung sein.
Als Ursache für den zu Ostern beschlossenen Aussetzer gibt Hanke mehrere Gründe an: „Das Festival finanzierte sich immer zu 100 Prozent aus dem Verkauf von Getränken und Speisen.” Diese Einnahmen hätten in den letzten Jahren abgenommen, weil viele Besucher sich selbst Getränke mitgebracht hatten. „Vergangenes Jahr war es mal wieder brechend voll - und trotzdem haben wir zum ersten Mal ein kleines Minus gemacht.”
Keiner will Profi-Security
Der aus der Selbstversorgung folgende verstärkte Alkoholkonsum unter Jugendlichen berge auch Risiken, die man in den Griff bekommen müsse. „Bei uns gab noch keine Exzesse, aber die wollen wir für die Zukunft unbedingt ausschließen. Eine professionelle Security auf dem Festivalgelände ist eigentlich das Letzte, was wir wollen. Aber die Frage ist, ob daran langfristrig ein Weg vorbei führt. Denn eins ist klar: Ohne den guten Willen der Nachbarn können wir das Festival vergessen. Und der wird natürlich aufs Schwerste belastet, wenn ihnen betrunkene Jugendliche in den Vorgarten pinkeln.”
Keine Rolle spielen laut Hanke die Querelen um das zurückgetretene Presbyterium der Friedenskirchengemeinde (wir berichteten). „Klar, die Gemeinde ist der Träger des ,Tempel'. Und beim alten Presbyterium konnten wir sicher sein, dass es zu hundert Prozent hinter der Veranstaltung steht - auch wenn es mal Probleme gegeben hätte. Beim aktuellen, vom Kirchenkreis eingesetzten Übergangsgremium weiß man das nicht. Aber ohne die anderen Gründe hätten wir sicherlich auch mit diesen Leuten das Festival gestemmt.”
Ein bereits geschlossener Vertrag mit der englischen Band „Ezio” für 2009 muss ausgesetzt werden. „Wir sind in Verhandlungen.” Im schlimmsten Fall droht eine Konventionalstrafe: „Aber wir haben kein Geld.” Vielleicht können die Bergheimer der Band einen anderen Auftritt organisieren.
15:32
Ein HOCH auf den Tempel. Ohne euch würde in Bergheim wohl kaum noch was laufen!!! Ihr habt wenigstens Ideen und schafft es Leute zu motivieren, mal was zu machen, sich für andere einzusetzen und mal wieder in Kirchenkreisen zu leben...was in der Gemeinde ja ansonsten eher schwierig geworden ist....schade.
20:44
Ohne in die Prebyteriumskreise Einblick zu haben, stimmt es, dass in den letzten Jahren ein Großteil der Besucher Getränke mitgebracht hat- und vielfach nicht diejenigen, die knapp bei Kasse sind. Hochachtung für das jahrlange Engegament der Tempel-Crew- aber offenbar erkennen viele nicht, welche Arbeit dahinter steht. Andere sollen die Idee haben, andere sollen ihre Freizeit für Organisation opfern und sich am Abend hinterm Bierwagen die Beine in den Bauch stehen. Selbst legt man sich lieber mitgebrachtem Getränk auf die Wiese und lässt kommen...
Seit Jahren wurde beim Festival immer darauf hingewiesen, wie unsozial solch ein Verhalten ist.
Ihr habt es euch selbst eingebrockt! Schade für die ehrlichen, zahlenden Gäste und die Organisationen, für die immer Spenden gesammelt wurden.
16:00
Wenn man sich seine 5 Bier mit nimmt und einen Euro spendet, dazu vielleicht noch zwei Bier und ein Würstchen am Stand kauft, wenn die mitgebrachten Biere auf hat, dann reicht es irgend wann nicht mehr, wenn das zu viele Leute machen.
Dass Menschen mit wenig Geld auch feiern wollen, dass respektiere ich, weswegen ich zugangskontrollen auch nicht so toll fänd.
Wenn es jetzt aber ein Jahr kein Folkfest gibt, dann stimmt dass vielleicht die nachdenklich, die sich vielleicht noch die Getränke am Bierstand leisten könnten, auch wenn es dann vielleicht eins weniger wird.
13:43
..achja und gespendet wenn die Kids mit der Sammelbox rumkamen.
13:42
Boah ey,, da war ich im letzten Jahr zum ersten mal nicht da und die machen gleich minus..
Klar habe ich mir mein Bierchen auch selbst mitgebracht (ist halt günstiger), aber immer auch welches (für den guten Zweck) gekauft und was gegessen.
09:48
Schade ists um solch eine großartige Veranstaltung - man kann nur hoffen, dass die Macher nächstes Jahr wieder an den Start gehen. Und wenn es wirklich nur um ein wenig finanzielle Sicherheit geht - wo um Himmels Willen bleibt da die Stadt, die es bis heute nicht im Ansatz geschafft hat, etwas vergleichbares auf die Beine zu stellen? Das wäre jetzt wohl der passende Moment für den starken Mann im Rathaus, Farbe für Jugend und Kultur zu bekennen!
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23:51
Mag ja sein, dass die Schmarotzer die Getränkeumsätze mindern - die Leute vom Folkfest hatten aber noch nie den Plan, großen Reibach zu machen. Hier wird mal wieder beste Jugendarbeit Opfer bürokratischer Kleinkariertheit. Ein Wunder, dass bei diesem Kirchentheater überhaupt noch was funktioniert. Wahrscheinlich erklären jetzt alle angeblich unbeteiligten ihre Betroffenheit - der Pfarrer ist unschuldig, das Presbyterium natürlich auch und die Kirchenverwaltung kann sich gar nicht erklären, was denn da in Bergheim passiert. Am Ende ist der Tempel handlungsunfähig, dann wird er dicht gemacht. Dem Pfarrer bleiben 50 Gläubige in der Sontagsmesse, und die Wiese mit Spielplatz wird an einen Investor verkauft, der eine Eigenheimsiedlung hochzieht. Das erreicht städtisches Niveau! Und die Kids? Lernen Computerspiele und Flatrateparty, statt Blockflöte und Engagement. Haben schließlich keine Lobby mehr. Liebe Lokalpresse, guckt doch bitte mal genauer hin und fragt nach!