Das Fenster zum Hof

Ich weiß gar nicht mehr ganz genau, wann ich das letzte Mal im Kino war. Sei es drum, ich brauche gar kein Kino. Wenn ich nämlich Spannung pur erleben will, schaue ich einfach aus dem Fenster im Gang neben meinem Büro. Wenn ich gerade einmal nicht am Computer sitze, um Texte wie diesen hier zu schreiben, sehe ich durch das Fenster zum Hof und beobachte die Leute auf dem Parkplatz. Der Klassiker: „Jemand kommt zurück zu seinem Wagen, nimmt das Knöllchen weg und kommt verärgert zu mir ans Fenster gelaufen. „Ist da etwa Halteverbot?“, fragt er dann ganz unschuldig. „Ja“, sage ich, „vor dem Stromkasten der Stadtwerke ist Halteverbot.“ Er: „Da kann man nix machen?“ Ich: „Doch, zahlen Sie das Knöllchen, die Stadt hat Recht, kann außerdem jeden Euro gut gebrauchen.“ Seit geraumer Zeit entfallen diese Gespräche jetzt, das Fenster-Rollo ist kaputt, ich kann nicht mehr rausschauen, und die Leute davon abhalten, sich bei der Stadt über ihre vermeintlich falschen Knollen zu beschweren. Um diese Leute müssen Sie sich jetzt bei der Stadt eine Weile selbst kümmern. Ich hoffe, dass das Rollo schnell repariert wird, dann greife ich wieder ein, versprochen...