Brutale Kämpfe und ein Eierschneider
15.11.2009 | 18:05 Uhr 2009-11-15T18:05:00+0100
Homberg/Rheinhausen/Moers. Ausstellung, Andacht, Abstimmung: Die Synode des Kirchenkreises Moers hat sich am Wochenende mit einer Vielzahl an Themen beschäftigt. Klar ist: Auch wenn die Einnahmen nicht so stark einbrechen wie erwartet, geht der Sparkurs weiter.
Dass sich die 119 Kirchenvertreter auf ihrer Synode durchaus mit aktuellen, gesellschaftlichen Themen beschäftigen, zeigt ein Antrag, den die Kirchengemeinde Homberg gestellt hat. So ging es am zweiten Tag der Synode in Hochheide um die Kampfsportart „Ultimate Fighting”, eine äußerst brutale Kampfart mit nur wenigen Regeln, bei dem sogar noch auf den am Boden liegenden Gegner eingeschlagen wird. Das sei „rohe Gewalt” und hinterlasse nicht nur körperliche Wunden, sondern habe verheerende Wirkungen auf die psychische Entwicklung und das Wertegefüge von Heranwachsenden, falls diese „Sportart” offiziell anerkannt würde, sagen die Homberger. Alle 28 Gemeinden schlossen sich der Argumentation an und bitten die Landessynode, eine offizielle Stellungnahme zu der Verbreitung in Deutschland abzugeben.
Mehr gebaut als abgebaut
Zweimal im Jahr kommt die Synode des Kirchenkreises Moers zusammen, um gemeinsam die Geschicke des Kirchenkreises zu lenken.
Im Fokus stehen dabei auch immer die Finanzsituation sowie die Pfarrstellen. Bei Letzterem ging es um die Nachfolge des Pfarrer Thomas Gregorius, der seit Februar in der Gemeinde Friemersheim tätig ist. Vorher war er Diakoniepfarrer für den gesamten Kirchenkreis Moers. Diese freie Stelle soll jetzt aufgeteilt werden. Die eine Hälfte bleibt weiter dem Diakoniepfarramt vorbehalten, die andere Hälfte wird für die Notfallseelsorge verwandt.
In seinem Bericht betonte Superintendent Ferdinand Isigkeit seinen Respekt gegenüber den Presbyterien vor Ort, die sich mutig der Herausforderung des Kinderbildungsgesetz gestellt hätten. „Da wird teilweise viel Geld für Umbaumaßnahmen in die Hand genommen, da werden Personalanpassungen vorgenommen.” Insgesamt werde im Kirchenkreis Moers mehr gebaut als abgebaut, freute sich der Superintendent.
Die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Entwicklung der Kirchensteuer dagegen seien noch nicht seriös zu beziffern. Aber es sei zu vermuten, dass die Einkommen zurückgehen und damit die Zahl derer ansteige, die aus der Kirche austreten. Dennoch sollen trotz der zu befürchtenden Mindereinnahmen den Gemeinden 2010 wieder 70 Euro pro Mitglied ausgezahlt werden.
Sparkurs fortsetzen
Das kommende Jahr sollen die Gemeinden nutzen, ihren Konsolidierungskurs fortzusetzen, so der Superintendent. Überschüsse sollen in den Abbau von Schulden oder in Rücklagen fließen. Denn 2011 sei mit einer „Abschmelzung des Pro-Kopf-Betrages” auf 60 bis 63 Euro zu rechnen.
Der erste Tag der Synode in der Stadtkirche Moers stand im Zeichen des Mauerfalls vor 20 Jahren. Jürgen Schmude, von 1985 bis 2003 Präses, eröffnete eine Ausstellung, die sich mit der Partnerschaft der Kirchenkreise Oderbruch und Moers beschäftigt. „Manchmal schikanös” nannte er in seiner Rede die Wartezeiten und Kontrollen an den Grenzen zu Zeiten des Eisernen Vorhangs. Solche Momente habe er viele erlebt. Seit 1960 ist oft zu Partnerschaftstreffen nach Ost-Berlin gereist.
Die Predigt hielt Roland Kühne, Superintendent in Oderbruch. Für ihn ist ein Eierschneider ein „Symbol gelebter Partnerschaft”, erinnerte sich Kühne an die Zeiten, als sich evangelische Christen aus Ost und West nur mit Hindernissen treffen konnten. Meist in Berlin, denn das war leichter zu organisieren. Die Westler brachten Kaffee mit, die Ostler Frühstückseier. Nur einen Eierschneider, den gab es nicht, so Kühne: „Jedenfalls nicht so einen mit Stahlsaiten, für die Ewigkeit gemacht.” Die Moerser brachten gleich zehn davon mit – die Dinger exisiterien noch heute. Kühne hatte ein Beweisstück mitgebracht. (sip/ib/km)
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