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Beschwerdestelle ist pampig und nicht zuständig

27.01.2010 | 18:20 Uhr
Beschwerdestelle ist pampig und nicht zuständig

Rumeln-Kaldenhausen. Mieter, die Mängel an der Wohnung melden wollen, dringen oft erst gar nicht bis zur Beschwerdestelle ihres Vermieters durch. Das ist nicht zum Vorteil der Immobilie.

Gerade ältere Menschen haben so ihre liebe Not mit Servicenummern, wenn mal Not an der Frau, am Mann ist. Das mussten auch Rosemarie Plew und Christel Klingenburg aus Rumeln-Kaldenhausen feststellen. Sie wollten ihrem Vermieter, der Deutschen Annington in Bochum, einen Wasserschaden in der Erdgeschosswohnung von Frau Plew melden - doch das komplexe System „schlug zurück”.

Keller steht unter Wasser

Am Wochenende trat erstmals Wasser aus dem Abflußrohr der Toilette in Rosemarie Plews Wohnung, im Erdgeschoss des Vierfamilienhauses an der Brombereger Straße. Zuerst war es nur ein kleines Rinnsaal, bis Montag morgen wurde daraus ein veritabler Strom, der ungestört in den Keller lief.

Schon am Samstag wählte Rosemarie Plew 018-121212, die Service-Hotline der Annington an, drückte mehrere Knöpfe auf der Tastatur ihres Telefons: Erst die 2 für die Reparaturannahme. „Da sagte mir eine freundliche Dame: ,Tut mir leid, wir sind nicht zuständig für Duisburg'”. Dann die 3: „,Ich verbinde Sie weiter'. Dann hatte ich wieder die Dame von Nummer 2. Die reagierte unwirsch: „Sie haben doch gerade schon mal angerufen ! Ich habe Ihnen doch gesagt...”

Christel Klingenburg: „In unserer Verzweiflung haben wir dann die Nummer 3 gedrückt, für Kauf oder Miete. Die Dame wurde richtig pampig: ,Ich kann Ihnen das auch nicht sagen...'. Ich dachte mir, das darf doch nicht wahr sein! Dann habe ich noch einmal die 2 angewählt.” Dort meldete sich ein Handwerksunternehmen für Heizungstechnik im Auftrag der Deutschen Annington. Doch die Damen hatten sich leider zu früh gefreut: „Die sagten uns: ,Für Duisburg sind wir nicht zuständig, nur für den Raum Köln und Düsseldorf.'” Nach einem Anruf dieser Zeitung in der Pressestelle des Immobilienunternehmens stellte sich heraus: Es lag an der alten Krefelder Vorwahl von Rumeln-Kaldenhausen. Bei 02151 erklärt sich niemand für zuständig. Pressesprecherin Katja Weisker, eine Duisburgerin, die sich in der Stadt auskennt, wurde dennoch schnell aktiv, schaltete ein Handwerksunternehmen aus Duisburg ein. Die Sanitärhandwerker sollen heute bei Rosemarie Plew anrücken und das feuchte Malheur richten. Inzwischen ist sicher viel Wasser den Rhein hinunter gelaufen - genauer gesagt: aus der Toilette in den Keller.

Hausmeister wohnt 48 Kilometer entfernt

Nachbar Günter Remtmeister von der Gleiwitzer Straße 18 hatte am Freitag sein ganz eigenes Erlebnis mit den Tücken der Technik: Der 68-jährige Rentner, der mit seiner Familie seit 44 Jahren in dem älteren Haus wohnt, hat schon viel auf eigene Kosten reparieren lassen. Am Freitag klemmte die Verriegelung der Balkontür, eisige Luft zog durch die Wohnung.

Auch Günter Remtmeister rief die Hotline der Deutschen Annington in Bochum an, viermal, und auch er musste sich die gleichen Sprüche wie seine Nachbarin anhören. „Irgendwann hatte ich genug. Da habe ich eine Duisburger Schreinermeisterfirma mit der Reparatur beauftragt.” Auf eigene Kosten, wie schon so oft, denn Annington zahlt nur, wenn der Mieter einen offiziellen Kundenauftrag erteilt. Natürlich nur über die Service-Hotline - bloß bei der wird älteren Mitmenschen wie Annemarie Plew oder Günter Remtmeister eben nur geholfen, wenn sie die schwierige Nutzerführung flink beherrschen.

Ach ja, noch was zum Thema Mieter-, Kunden-, Bürgernähe: Früher mal gab es in der Rumelner Annington-Siedlung mit ihren rund 190 Wohneinheiten zwischen Bromberger- und Gleiwitzer Straße einen ansprechbaren Hausmeister, gleich um die Ecke, sogar mit eigenem Büro. Das ist lange her. Heute sitzt der Hausmeister in Bochum. Sein Büro liegt etwa 48 Kilometer von Rumeln entfernt.

Martin Krampitz

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