Bei Unfällen sind selten die Laster alleinige Verursacher

In der 90-Grad-Kurve der Osloer Straße kippte vergangene Woche ein leerer Tanklastzug um.
In der 90-Grad-Kurve der Osloer Straße kippte vergangene Woche ein leerer Tanklastzug um.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Unfälle mit Lkw werden häufig von anderen Verkehrsteilnehmern ausgelöst. 2014 gab es in Rheinhausen-Mitte gab es 22 Crashs mit Lastkraftwagen

Duisburg-Rheinhausen.. Ein Unfall auf Logport 1 und ein Zwischenfall nahe Logport 3 am selben Tag lenken erneut die Aufmerksamkeit auf den wachsenden Lkw-Verkehr in Rheinhausen. Montag Mittags kippte ein leerer Tanklastzug in einer scharfen 90-Grad-Kurve der Osloer Straße auf Logport 1 um, unmittelbar am Rande des Geländes des geplanten Gefahrstofflagers der Firma Talke. Dann, am frühen Abend, liefen auf der Dahlingstraße in Hohenbudberg nahe Logport 3 rund 50 Liter Holzlasur von Paletten aus dem Laster einer dänischen Transportfirma in die Kanalisation, In beiden Fällen waren - wie berichtet - Polizei und Feuerwehr stundenlang im Einsatz.

Die viel befahrene Osloer Straße, die die Osttangente nahe dem Rhein in Hochemmerich mit dem Logport-Gelände verbindet, ist neben der Gaterweg-Brücke in Friemersheim eine der beiden „Haupteinflugschneisen“ von Logport 1: Diese Straße benutzen vor allem Lkw, die vom rechtsrheinischen Duisburg über die „Brücke der Solidarität“ oder von der Landesstraße L 237 /Moerser Straße kommen. Die Strecke entlang des Pkw-Terminals und des vom Chemielogistiker Talke gepachteten Brachgeländes ist zwar kein Unfallschwerpunkt wie die Pelles-Kurve in Asterlagen, so Ramon van der Maat, Sprecher der Duisburger Polizei. Doch immerhin ereigneten sich hier nach seinen Angaben in den beiden letzten Jahren an verschiedenen Punkten der Straße 18 Lkw-Unfälle: „2013 und 2014 gab es auf der gesamten Strecke der Osloer Straße jeweils neun Unfälle.“ Nicht immer ging es dabei vergleichsweise glimpflich ab, wie bei dem Unfall mit einem leeren Tanklastzug vor acht Tagen, bei dem niemand verletzt, aber der Tank komplett verbeult wurde und rund 50 Liter Diesel ausliefen. So gab es am Donnerstag einen schweren Unfall in Kasslerfeld, Ein Lkw überrollte beim Abbiegen in die Straße „Am Schlütershof“ die Beine einer Radfahrerin. Die 58-Jährige musste ins Krankenhaus eingeliefert werden.

In der 90-Grad-Kurve der Osloer Straße kippte 2013 schon einmal ein Laster um, nur in der anderen Fahrtrichtung. Ein mit Schüttgut beladener Sattelzug kam vom Verteiler an der Europaallee, wollte Richtung Osttangente fahren. Als die Fahrerin mit dem Lkw die 90-Grad-Kurve durchquerte, verlor sie die Kontrolle über den 40-Tonner. Der Laster fiel auf die linke Seite und blieb liegen, dabei kippte die Ladung auf die Straße. Die damals 45-jährige Oberhausenerin wurde im Führerhaus eingeklemmt und schwer verletzt. Sie musste schwer verletzt von der Feuerwehr geborgen und ins Krankenhaus gebracht werden.

Laut der Statistik der Duisburger Polizei gab es 2014 in Rheinhausen-Mitte 22 Verkehrsunfälle mit zwei Schwer- und zwölf Leichtverletzten, an denen Lkw beteiligt waren. Im gleichen Zeitraum gab es 420 Unfälle ohne Lkw-Beteiligung mit 43 Schwer- und 231 Leichtverletzten.

Umsichtig fahren

Überhöhte Geschwindigkeit oder Unachtsamkeit - nicht immer lassen sich die Ursachen eines Lkw-Unfalls eindeutig klären. Die häufigsten Unfallgründe sind laut einer Studie der EU-Kommission, dass in rund Dreiviertel der Fälle nicht der Lkw-Fahrer, sondern andere Verkehrsteilnehmer (Pkw- oder Radfahrer) Unfälle mit Lkw (mit)verursacht haben. Die Konsequenz: Besonders aufmerksam, besonders vor- und umsichtig fahren, wenn sich Lkw im Straßenverkehr nähern.

Das gilt natürlich umgekehrt auch für die Lenker von Lkw, egal ob sie auf Autobahnen, Bundes-, Land- oder Stadtstraßen unterwegs sind. Dazu hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Bergisch-Gladbach hunderte Unfälle untersucht, die Lkw-Fahrer auf Autobahnen (mit)verursachten. Dabei wurden für die Studie „Unterschätzte Risikofaktoren- Übermüdung und Ablenkung als Ursache für schwere Lkw-Unfälle“ bundesweit 555 beteiligte Lkw-Fahrer befragt, wie sich Belastungen und Stress durch ihre Arbeit auf ihr Verkehrsverhalten auswirkt. Das Ergebnis: Lange Arbeits- und Fahrtzeiten, Zeitdruck, unzureichende Erholung, mangelnde Schlafqualität und Quantität, Arbeit gegen den Tagesrhythmus wie Schicht - oder Nachtarbeit, monotone Fahrbedingungen oder Nebentätigkeiten beim Fahren führen häufig zu Müdigkeit und verringerter Aufmerksamkeit bei den Lkw-Lenkern.

Die häufigsten Ursachen für Unfälle, für die Lkw-Fahrer Hauptverursacher sind: Zu hohe Geschwindigkeit (42 Prozent), Übermüdung (16 Prozent), mangelnder Abstand (16 Prozent), Alkohol (vier Prozent Überholen (drei Prozent, technische Mängel (sieben Prozent), andere Fehler des Fahrzeugführers (44 Prozent). Nur 23 Prozent der befragten Fahrer waren nach eigenen Angaben zum Unfallzeitpunkt aufmerksam, acht Prozent sagten, sie seien abgelenkt, fünf Prozent in Gedanken , drei Prozent schläfrig gewesen. Neun Prozent sagten, sie seien eingeschlafen. 50 Prozent machten zu dieser Frage keine Angaben.