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Sozialbau

Duisburger Nachbarschaft will keine kinderreichen Familien

09.03.2016 | 06:00 Uhr
Duisburger Nachbarschaft will keine kinderreichen Familien
Auf diesem rot markierten Grundstück an der Prinzenstraße in Homberg will die städtische Immobilientochter Gebag eine neue Siedlung mit bis zu 30 Häusern für kinderreiche Familien mit und ohne Zuwanderungsgeschichte bauen.Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg.   Gebag will Siedlung für kinderreiche Familien auf Brachgelände in Homberg bauen. Anrainer befürchten sozialen Brennpunkt in der Nachbarschaft.

Der soziale Wohnungsbau erlebt nach langem Dornröschenschlaf eine Renaissance. Denn es gibt wieder Bedarf: Flüchtlinge und sozial schlechter gestellte Menschen müssen mit angemessenem Wohnraum versorgt werden. Außerdem sind Stadtplaner längst dazu übergegangen, neue Wohnsiedlungen nicht mehr auf der grünen Wiese zu errichten und damit noch mehr Flächen zu versiegeln, sondern im Bestand zu bauen - sie nennen es Lückenbebauung oder Verdichtung.

Beide Aspekte berücksichtigt die Wohnungsgesellschaft Gebag mit einer geplanten Siedlung an der Prinzenstraße in Homberg. Dort will die Stadt-Tochter wie berichtet 2016 bis zu 30 eingeschossige Einfamilienhäuser in Massivbauweise errichten. Die kellerlosen Wohnungen sollen im Schnitt 132 Quadratmeter Platz bieten und über vier Kinderzimmer verfügen. Die Investitionskosten belaufen sich auf gut acht Millionen Euro, finanziert mit zinsgünstigen Darlehen der Wohnungsbauförderung des Landes NRW.

„Uns geht es um die Lebensqualität“

Gegen eine aufgelockerte Bebauung für junge Durchschnittsfamilien auf dem seit etwa zehn Jahren brach liegenden Gelände der früheren Stadtgärtnerei Homberg, 3.300 Quadratmeter groß, hätten die Anwohner nichts einzuwenden. Doch seit Wochen herrscht unter den Nachbarn Alarmstimmung. Denn Gebag-Chef Bernd Wortmeyer hatte Anfang Februar bei einer Bürgerversammlung der SPD-Homberg in Hochheide bekannt gegeben, dass in die neue Siedlung kinderreiche Familien einziehen sollen, die entweder Flüchtlinge sind oder sozial schlechter gestellt und einen Wohnberechtigungsschein vorlegen müssen.

Seitdem sorgen sich die Nachbarn an der Prinzen-, Luisen- und Charlottenstraße, dass gleich nebenan ein neuer sozialer Brennpunkt in Homberg entstehen könnte. Daher verfassen die Anrainer Axel von Aswege und Christiane Podschadly, selbst als Flüchtlingshelfer in Rheinhausen aktiv, seit Wochen Flugblätter und Rundbriefe, verteilen sie unter Nachbarn der umliegenden Straßen. Von Aswege spricht nach eigenen Angaben für insgesamt 30 Nachbarn: „Ich habe mich mit allen unterhalten, Die Stimmung ist schlecht. Alle sind gegen das Bauprojekt der Gebag in dieser Form. Uns geht es vor allem um die Lebensqualität in unserem Viertel.“

„Fläche bis aufs Letzte ausgereizt“

Die bisher geplante Wohnbebauung sei zu dicht geplant. „Diese Reihenhäuser stehen viel zu eng nebeneinander. Die Fläche wird aufs Letzte ausgereizt.“ Auch die Sorge, welche Familien nebenan einziehen sollen, treibt von Aswege und seine Mitstreiter um. „Viele Nachbarn befürchten, dass es zu hier zu Verhältnissen wie im Sanierungsgebiet der Weißen Riesen kommt.“ Auch müsse das Viertel um die Prinzenstraße In den Haesen „für diese Familien eine Infrastruktur vorhalten.“ Dazu zählt von Aswege Kinderspielplätze und Grünflächen, die er aber in der Umgebung vermisst. Von Aswege und Poschadly verweisen auf einen „erheblichen Leerstand“ in Homberg. Sie verweisen auf dutzende leer stehende Wohnungen an der Prinzen-, Luisen- und Margarethenstraße. „Warum bringt man nicht dort kinderreiche Familien unter?“ Im Kern fordern sie mehr Transparenz und Mitsprache.

Der Bauantrag ist gestellt. Gebag-Chef Bernd Wortmeyer: „Wenn die Genehmigung erteilt wird, könnten wir im Sommer 2016 mit dem Hochbau an der Prinzenstraße beginnen, die Wohnungen Ende 2016 bezogen werden. Das einzige Kriterium für den Einzug in die Siedlung ist der Kinderreichtum der Familien. Ich glaube, dass für dieses Projekt des sozialen Wohnungsbaus Bedarf da ist.“ Zur Anwohner-Kritik: „Mieter von Sozialwohnungen sind nicht per se asozial.“

Bezirksbürgermeister Hans-Joachim Paschmann (SPD): „Man muss bei allen Bauprojekten darauf achten, dass sich kein Ghetto bildet.“ Die Gebag müsse sich an den Bebauungsplan halten. „Es wird sicher zu Veränderungen an der Planung kommen.“ Denkbar sei, nur 25 Häuser zu bauen. Mahmut Özdemir, Chef der SPD Homberg: „Man muss einige Dinge überplanen. Vorschläge der Anwohner, einen Spielplatz zu bauen oder die dichte Bebauung zu verringern, sind sinnvoll.“

Martin Krampitz

Kommentare
15.03.2016
10:30
Duisburger Nachbarschaft will keine kinderreichen Familien
von fairstaendnis | #15

So verdreht man Tatsachen. Niemand in der Nachbarschaft hat etwas gegen Familien mit Kindern. Aber alle haben etwas gegen ein neues Ghetto, nachdem...
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http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/west/bauprojekt-in-duisburg-homberg-sorgt-fuer-unruhe-unter-nachbarn-id11634037.html
2016-03-09 06:00
Duisburg, Homberg, Hans-Joachim Paschmann, Gebag, Wohnungsbau
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