Bäderschließung schlägt Wellen
10.02.2010 | 18:23 Uhr 2010-02-10T18:23:00+0100
Duisburg. Zwei Opfer für Walsum: In Rheinhausen und in Wanheim wächst der Unmut gegen das eigenmächtige Vorgehen der Stadt bei der Schließung von Bädern. Die will zwar "mit Hochdruck" an einer Lösung arbeiten, verkündet aber gleichzeitig, dass die Bäder "auf unbestimmte Zeit" geschlossen bleiben
Bürger, Vereine und Politik lassen bei der überraschenden Schließung der Hallenbäder nicht locker. In Rheinhausen an der Schwarzenberger Straße und in Wanheim wurden die Bäder von jetzt auf gleich dicht gemacht und damit Schwimmer wie Politik vor vollendete Tatsachen gestellt.
„Als Bezirksvertreter habe ich erst aus der Zeitung von der bereits vollzogenen Schließung des Bades erfahren”, ärgert sich Hajo Klein (SPD). Und auch SPD-Ratsherr Jürgen Edel wundert sich. Am Montag hörte er noch im Betriebsausschuss DuisburgSport, man plane ein Rotationsverfahren der Schwimmmeister, damit abwechselnd in jedem Stadtteil ein Bad öffnen könne. „Als ich wieder nach Rheinhausen kam, war das Bad bereits zu”, schüttelt Edel den Kopf. Und Hajo Klein fragt sich: „Muss das Rheinhauser Standesamt geschlossen werden, wenn der Standesbeamte in Walsum in den Urlaub oder sein Kollege in Stadtmitte in Pension geht?”
Die Rheinhauser Bezirksvertretung will die Schließung nicht hinnehmen. Sie hat über die Öffnungszeiten der Bäder zu entscheiden, wurde aber gar nicht informiert. Für die Sitzung nächsten Donnerstag stehen Anträge auf der Tagesordnung, das Bad sofort wieder zu öffnen. Nicht nur in Rheinhausen, sondern auch in Wanheim, wo der Protest ebenso heftig ist und sich Bürger und Politiker gestern zur Demo vor dem Bad trafen.
„Willkürakt der Stadtverwaltung”
„Völlig verdutzt” hätten am Dienstagmorgen zahlreiche Bürger vor verschlossenen Türen gestanden, berichtet Volker Haasper, Fraktionschef der SPD im Duisburger Süden. „Nach Gutsherrenart wird hier ein Problem gelöst mit der Schaffung zweier neuer Probleme.” Es könne nicht angehen, dass die fristlose Entlassung von Personal zu einem strukturellen Kahlschlag bei der Versorgung der Bevölkerung führe. „Oder soll hier das Wanheimer Bad über die Hintertüre endgültig geschlossen werden?”, fragt Haasper.
Gleiches befürchtet auch die 2006 zum Erhalt des Wanheimer Bads gegründete Initiative, die damals 7000 Unterschriften gesammelt hatte. Sie protestiert „aufs Schärfste gegen den Willkürakt der Stadtverwaltung, ohne Vorankündigung das Bad unter fadenscheiniger Begründung zu schließen”. Kein Besucher des Allwetterbades werde Interesse daran haben, dass zwei Hallenbäder - in Rheinhausen und Wanheim - für Walsum auf der Strecke bleiben. „Die Rücksichtslosigkeit beweist einmal mehr, dass Oberbürgermeister und Verwaltung sich im Umgang mit Bürgern nicht mit Ruhm bekleckern”, schimpft Sprecher Willi Hendricks.
Und was sagt die Stadt? Man arbeite „mit Hochdruck” daran, die Personalsituation zu entschärfen und alle Bäder wieder zu öffnen, heißt es aus dem Rathaus. Erst sei Bad in Walsum neun Tage dicht gewesen, jetzt müssten zwei andere Stadtteile leiden. Wie lange das so bleibt? „Auf unbestimmte Zeit”.
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