Ausflug in die Natur

Naturschutzexpertin Daniela Scharf führte im Rahmen der VHS-Veranstaltungsreihe „Biotope in Duisburg“ auf die Rockelsberghalde.
Naturschutzexpertin Daniela Scharf führte im Rahmen der VHS-Veranstaltungsreihe „Biotope in Duisburg“ auf die Rockelsberghalde.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Im Laufe der Jahrzehnte entwickelten sich zahlreiche besondere Pflanzenarten

Duisburg-Rheinhausen..  Als man in den Hochzeiten der Industrie im Ruhrgebiet begann, die Produktionsabfälle zu riesigen Halden aufzuhäufen, dachte man vermutlich noch gar nicht daran, diese künstlichen Hügeln einmal zu renaturieren. Rund um die Rockelsberghalde in Hochemmerich haben sich in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Pflanzenarten angesiedelt.

Diplom-Biologin Daniela Scharf führt im Auftrag der Volkshochschule an diesem Samstagnachmittag eine Gruppe von etwa 40 Naturinteressierten durch die Vielfalt der Flora der 70 Meter hohen Rockelsberghalde. Schon nach einhundert Metern bleibt Scharf zum ersten Mal stehen und zeigt der Gruppe einen Holunder. „Dessen Saft kann man auspressen und zum Backen und für Getränke verwenden, jedoch sollte man die Früchte nicht roh essen, sonst wird einem übel“, sagt die erfahrene Naturexpertin. Zum Probieren lädt sie ihre Gruppe hingegen einige Meter weiter vor einem Weißen Maulbeerbaum ein, dessen Früchte auch im reifen Zustand kaum ihre Farbe wechseln. Schmecken tun sie allerdings nicht besonders.

Führungen durch die Natur gibt Scharf seit 15 Jahren regelmäßig, die Tour auf die Rockelsberghalde sei jedoch ihre erste. Wie immer ist sie die Strecke bereits im Vorfeld abgewandert, um zu erfahren, welchen Pflanzen ihre Gruppe dort begegnen wird So weiß sie einiges über die in Flussnähe wachsenden Kroatbeeren, die zur Gewinnung von falschem Akazienhonig genutzten Früchte der Robinie und den duftenden Sommerflieder zu erzählen.

Scharf lenkt den Fokus auf Pflanzen und Besonderheiten, die dem Laien wohl verborgen blieben würden. Mitten auf dem Weg hebt sie einen Stein auf, den die meisten Leute nur als Schotter wahrnehmen würden. „In Wahrheit ist das Schlacke, aus Metallresten entstanden“, sagt sie.

So führt die Tour immer weiter auf die Rockelsberghalde hinauf, der Ausblick reicht zunehmend weiter in die Ferne. Monika Pfeifer-Ceylan schwärmt für die Natur entlang des Wegs. Sie ist begeisterte Haldenwanderin und hat auch schon einige Halden in der Umgebung bestiegen. „Das Tolle an Halden ist die Natur, das Negative ist, dass es um sie herum immer laut ist, weil sie immer an Straßen angelegt sind“, sagt sie und ergänzt: „Die Natur auf den Halden ist einzigartig.“

Deswegen seien viele Halden bereits touristisch erschlossen, die Rockelsberghalde habe diesen Prozess jedoch noch nicht durchlaufen. Der Ausblick vom Gipfel des Hügels entschädigt allerdings für den Marsch durch die pralle Sonne. Gerd Kerbach kommt aus Rheinhausen und erklärt seinen Mitstreitern, was es von hier oben zu sehen gibt. „Da hinten, zwischen den beiden Strommasten, sieht man sehr deutlich den Düsseldorfer Fernsehturm, wenn wir etwas mehr nach rechts schauen, kann man das Krefelder Bayer-Werk erkennen“, erklärt er.

Mit Blick auf den Duisburger Hafen im Vordergrund identifiziert er zahlreiche Türme in der Ferne als den Oberhausener Gasometer und das Kraftwerk Scholven, das schon zu Gelsenkirchen zählt. „Bei gutem Wetter hat man einen Ausblick von bis zu 50 Kilometern.“ Die Halden im Ruhrgebiet sind nicht nur für Naturfans, sondern auch für Anhänger fantastischer Ausblicke ein absolutes Muss.