Aus für das Bayer-Kreuz in Krefeld-Uerdingen?

Das Uerdinger Bayer-Kreuz hat einen Durchmesser von 22 Metern.
Das Uerdinger Bayer-Kreuz hat einen Durchmesser von 22 Metern.
Foto: NRZ
Material Science, einzig verbliebenes Bayer-Unternehmen auf dem Chempark-Gelände, soll unter neuem Namen an die Börse. Das könnte das Aus für das weithin sichtbare Bayer-Kreuz bedeuten.

Krefeld-Uerdingen/Duisburg-Rumeln..  Wer über die Autobahn 57 fährt sieht es aus der Ferne, wer von Rumeln kommend die Duisburger Straße entlang fährt, ganz aus der Nähe. Zwar ist das beleuchtete Bayer-Kreuz (weitere Informationen siehe Info-Kasten) nicht einmal halb so groß wie das in Leverkusen, ihm könnte nach 50 Jahren aber das gleiche Schicksal drohen, wie dem Kreuz am Chempark-Hauptsitz. Was bekanntlich aber abgewendet worden war. Aber der Reihe nach.

Zuerst nach Leverkusen: Die Bayer AG hatte das gigantische Kreuz abbauen lassen wollen, zu teuer sei Unterhalt, zudem habe man das Logo über die Jahrzehnte verändert, es leuchte also eine veraltete Version des Kreuzes. Unter anderem massiver Protest in der Leverkusener Bevölkerung führte dazu, dass sich die Bayer-Bosse hatten umstimmen lassen, das Kreuz leuchtet – außer zu Zeiten vermehrten Vogelfluges – weiter. Zwar ist der Fall in der Rumelner Nachbarschaft etwas anders gelagert, die Tage des Kreuzes könnten aber dennoch gezählt sein.

Drei Firmen auf dem Gelände

Hans-Bernd Schmitz, im Unternehmen zuständig für Corporate Policyand Media Relations, also eine Art Sprecher, sagt, dass noch nichts entschieden sei. Auf dem Chempark-Gelände, soviel vorab, sind drei große Firmen tätig: Lanxess, Huntsman und Bayer Material Science, von „Bayer Uerdingen“ könne man also ohnehin bereits seit Jahren kaum noch sprechen. Nun solle Bayer Material Science - die Firma produziert Kunststoffe, etwa für Autoscheinwerfer oder Feuerwehrhelme - an die Börse. Und dass unter neuem Namen, der dann wohl eher nicht mehr Bayer heißt. Schmitz: „Wie genau sich diese strategische Entscheidung auf den Standort Uerdingen und somit auch auf das dort installierte Bayer-Kreuz auswirken wird, ist eines der Themen, die im Zuge des so genannten ,Carve-Out’-Prozesses diskutiert werden.“ Und weiter: „Die Bestrebungen, in Uerdingen der jahrzehntelangen Verbundenheit mit unserem Unternehmen Rechnung zu tragen, können wir sehr gut nachvollziehen. Andererseits sind Bayer-Kreuze als Markenkennzeichen ausschließlich an den Standorten weltweit präsent, an denen Bayer-Mitarbeiter in nennenswertem Umfang beschäftigt und Firmengebäude oder Firmierungen unterhält. Mit einer Selbstständigkeit von Material Science würde der Bayer-Bezug wegfallen – stattdessen würde der Standort Uerdingen mit einer neuen Firmierung und entsprechend neuem Markennamen ausgestattet und entsprechend zu positionieren sein.“

Es seien noch jede Menge Detailfragen zu klären, solle das Kreuz weg, müsse ohnehin geklärt werden, wer darüber zu entscheiden habe, hieß es aus Bayer-Kreisen. Das Kreuz steht auf einem Lanxess-Gebäude auf dem von der Firma Currenta betriebenen Chempark, der sich wiederum auf Krefelder Stadtgebiet befindet. Insgesamt sei es auch schwer abzusehen, ob sich auch in Uerdingen breiter Widerstand gegen den Abbau des Bayer-Kreuzes bilden würde wie einst in Leverkusen.

Gründung im Jahr 1877

Die Geschichte des Uerdinger Werks, als dessen „Geburtsstunde“ der 7. September 1877 gilt, erfährt also weitere Kapitel, womöglich ohne Bayer. 1877 hatte übrigens der Chemiker Edmund ter Meer in Uerdingen die Farbenfabrik Dr.E. ter Meer&Cie gegründet, die Azolfarben herstellte.Heute arbeiten am Standort laut Chempark-Angaben 7.600 Menschen. Zum Vergleich: Im Leverkusener Stammwerk sind rund 30.000 Mitarbeiter tätig.

Bayers Kreuze in Uerdingen und Leverkusen
Seit dem Jahr 1965
steht das Bayer-Kreuz auf dem Gebäude L138 auf dem Chempark-Gelände in Uerdingen. In dem Gebäude arbeiten heute keine Bayer-Mitarbeiter mehr, es gehört dem Spezialchemieanbieter Lanxess, einer Neugründung aus dem Bayer-Konzern. Das Kreuz hat einen Durchmesser von 22 Metern und wiegt 60 Tonnen (41 Tonnen wiegt das Bayer-Kreuz, 20 Tonnen der Standsockel).
Als Leuchtmittel
kommen insgesamt 396 gebogene Spezial-Neonröhren zum Einsatz. Zum Vergleich: Das Leverkusener Bayer-Kreuz stammt aus dem Jahr 1933, hat einen Durchmesser von 51 Metern, zwei 120 Meter hohe Stahlrohrmasten halten das Netzwerk. Die ehemals 1.710 handelsüblichen 40-Watt-Glühbirnen wurden 2009 ausgemustert und durch Leuchtdioden (LED) ersetzt.