Auf einer Farm wilde Ziegen gefangen

Die Familie Röscher freut sich, dass Enja wieder Zuhause ist.
Die Familie Röscher freut sich, dass Enja wieder Zuhause ist.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Enja Röscher lebte und arbeitete ein Jahr lang auf dem roten Kontinent

Duisburg-Homberg..  Knapp 18 000 Kilometer weit weg, aber zehn Stunden voraus. Die Entfernung und zeitliche Verschiebung ergibt sich gemessen am Startpunkt Duisburg und dem Zielpunkt Canberra, der Hauptstadt von Australien. Quasi bis ans Ende der Welt zog es die junge Hombergerin Enja Rabea Röscher. Ein Jahr lang hielt sich die 21-Jährige auf dem Südkontinent auf, suchte sich immer neue Arbeitsstellen und lernte so Land und Leute hautnah kennen. Unlängst ist sie nach Hause zu ihrer Familie zurück gekehrt - voller unvergesslicher Erlebnisse.

Die Idee, sich nach dem Abitur auf den Weg bis ans Ende der Welt zu machen, reifte bei der jungen Frau bereits während der Schulzeit. Am Hildegardis-Gymnasium in Duisburg-Mitte an der Realschulstraße gab es ein Projekt, in dessen Rahmen 18 junge Mädchen und zwei Lehrer drei Wochen nach Ghana in Südafrika reisten. „Ich war fasziniert. Ich habe heute noch immer Kontakt mit Menschen und schreibe mit ihnen über Facebook“, erinnert sich Enja Röscher. Damals reifte in ihr der Wunsch, mehr reisen zu wollen. Noch als Gymnasiastin informierte sie sich über die USA und Australien, erfuhr während ihrer Recherchen, dass ein junger Mensch einen solchen Aufenthalt mit Unterstützung von entsprechenden Organisationen planen kann. Enja Roescher machte zunächst ihr Abitur im Jahr 2013 an dem reinen Mädchen-Gymnasium und blieb noch ein paar Monate zu Hause. In der Zwischenzeit organisierte sie ihren Aufenthalt auf dem roten Kontinent. Enja Roescher beantragte und erhielt ein Working Holiday Visum und machte sich schließlich alleine auf die Reise.

Erste Arbeit auf einer Farm

Sidney war das erste Ziel. „Eine wirklich große Stadt“, schwärmte Enja Roescher. Sie gönnte sich dort erst einmal zwei Wochen Urlaub, genoss unter anderem den Aufenthalt an verschiedenen Stränden. Eine erste Arbeit fand die junge Frau auf einer Farm. Dort lernte sie wilde Ziegen und Flusskrebse zu fangen. „Zu der Farm gehörte ein riesiges Gelände, auf denen die Ziegen frei herumliefen. Manche von ihnen wurden an Zoos verkauft, manche an Fleischproduzenten“, erzählt sie aus jener Zeit. Auf dieser Farm lernte Enja Roescher übrigens auch Motorradfahren. Ein anderer Job für die junge Frau war, auf der Straße Menschen als Paten für arme Kinder zu gewinnen. Die Hombergerin schlug sich während des gesamten Jahres quasi mit Gelegenheitsjobs durch. Sie erinnert sich: „Ich habe sogar Geld zurück legen können.“ Enja Roescher lebte sparsam in Australien, übernachtete eine Weile in einer Art Jugendherberge, wo jeden Abend lustige Menschen waren und sie super nette Freunde kennenlernte. Die Hombergerin erkundete Downunder, wie Australien auch genannt wird, vom Norden bis Süden, entlang der Ostküste. Melbourne und Brisbane waren einige markante Punkte, aber auch kleinere Städte und zwischendurch immer wieder ins Outback. Darüber hinaus erlebte sie schöne und aufregende Abenteuer, wie die Begegnungen mit Schlangen und Waranen, Tauchen mit Haien am Great Barrier Riff und Schnorcheln mit Papageienfischen.

Inzwischen ist Enja Roescher wieder zu Hause bei ihren Eltern in Homberg und spricht noch voller Begeisterung von diesem einjährigen Aufenthalt, der eine positive Wirkung auf ihre persönliche Entwicklung gehabt habe: „Ich habe mich total verändert. Ich hatte nie viel Geld und keinen Luxus. Und habe gelernt, dass man trotzdem mit einem Lächeln jeden Morgen aufstehen kann.“ Sie sei auch selbstständiger geworden: „Man kann nicht mal eben Mama und Papa anrufen, wenn etwas ist.“ Heimweh nach Hause hatte sie kaum, gleichwohl sie ihren Hund Charlie, eine Schäferhund-/Labrador-Mischung, und ihre Freunde vermisst habe.

Die junge Hombergerin strebt nun ein Studium an, orientiert sich momentan hinsichtlich der Fachrichtung. Am liebsten würde sie ja in Australien eine Hochschule besuchen, wenn da nicht die hohen Kosten von 20 000 Euro pro Jahr wären.