Atelier in eine Galerie verwandelt

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Erstaunlich aufgeräumt ist es in seinem Atelier – hell strahlt die Morgensonne durch die großen Fenster und Licht flutet den Raum. Überall hängen Porträts an den Wänden, keine Farbreste sind auf dem Arbeitstisch zu entdecken. „Das Gute ist, dass das Atelier auch gleichzeitig meine Galerie ist“, sagt der Rheinhauser Künstler Johann Hendrix. So bleibt es wohl langfristig aufgeräumt, denn „schließlich befand sich hier mal ein „Schönheitssalon““, schmunzelt er.

Vielleicht erscheinen die großen Gesichter deshalb so schön „geschminkt“, die auf den ersten Blick aus der zweidimensionalen Leinwand in den großen Raum hineintreten wollen. „Manche Betrachter entdecken in meinen Bildern immer wieder kubistische Formen, doch dem ist nicht so“, erzählt der 58-Jährige. Ja, tatsächlich erkennt man andere geometrische Strukturen auf der eigentlich konvexen Stirn eines Porträtierten, doch Johann Hendrix meint: „Meine Bilder sollen aber flach bleiben – wie der Ball“, und lacht dabei. Dennoch erzielen sie beim Betrachter diesen 3D-Effekt, auch ohne Brille.

Er wäre auch gern Sänger geworden

Sänger wäre er gerne geworden: Johann Hendrix war lange mit seiner Frau in einem Hochemmericher Kirchenchor aktiv. Manche Bilder erinnern somit an große musikalische Werke, vielleicht an Passionen von Johann Sebastian Bach. „Die Farbfläche neben dem Gesicht entspricht dem musikalischen Teil und das Porträt kommt dem Rezitativ, also dem Textteil, nahe“, erklärt Johann Hendrix, der lange Schüler war bei dem bekannten Oestrumer Künstler Volkram Anton Scharf und bis zu dessen Tod 1987 mit ihm in Kontakt stand. Gezielt setzt Hendrix komplementäre Farben nebeneinander, die dann diese „musikalische Einheit“ im Bild ergeben. So sind es zwar keine vollständigen, dreitönigen Akkorde, aber ausgegorene, harmonische Zweiklänge, ja „Farbklänge“, die in Hendrix Gemälden mitschwingen. „Vieles ist einfach aus Lust an der Farbe entstanden“, sagt der Künstler, der an der Kunstakademie Düsseldorf in den 80er-Jahren studierte: „Die Farbe gibt die Tonart des Bildes an.“

„Ich wollte eigentlich immer etwas Kreatives machen“, befindet der ehemalige Schüler des Krupp-Gymnasiums, der schon dort mit dem Zeichnen anfing. Studien in Italien bewegten ihn zur Landschaftsmalerei, bis er später zu den Porträts fand. Irgendwann beeindruckten ihn gerade Charaktere aus der Bibel. Besonders Madonnen haben es ihm angetan, oft hat er seine Frau dafür Modell sitzen lassen. Überhaupt nimmt er sehr häufig Personen aus seinem Umfeld, die dann in diesen höheren, religiös-liturgischen Zusammenhang künstlerisch hinein versetzt werden. So sind auch Auftragsarbeiten für die Kirche entstanden, in Essen-Altenessen in St. Hedwig hängt ein großes Madonnenporträt von ihm, in Essen-Bredeney in St. Markus kann man eine große Pastorale, eine Anbetung der Hirten vor dem Christuskind, sehen.

Überhaupt ist er eher überregional vernetzt, im Essener Bischofshaus existiert seit 2013 eine große Installation mit dem Titel „Sala d’attesa“ und eine Auftragsarbeit für die Kurie des Katholischen Militärbischofs in Berlin mit dem Titel „Noli me tangere“ hat er gemalt. Dennoch ist er gerne in der Heimat: „Mein Opa und Vater waren beide lange bei Krupp beschäftigt, das prägt einen doch.“