Arg abgekühlte Parteifreundschaft
04.10.2007 | 00:00 Uhr 2007-10-04T00:00:00+0200KRAFTWERK. Rheinhauser SPD mahnt Krefelder Genossen, beim Nein zu bleiben. Ärzte und Apotheker warnen vor stärkerer Gesundheitsbelastung.
Eigentlich sind sie ja Parteifreunde, doch die Freundschaft zwischen den Krefelder und den Rheinhauser Sozialdemokraten ist spürbar abgekühlt.
So appelliert SPD-Chef Reiner Friedrich stellvertretend in einem offenen Brief an die Krefelder SPD, bei der Entscheidung über das Kraftwerk am Montag an die Rheinhauser Bürger zu denken.
"Auf unserer Stadtgrenze sind genügend umweltbelastende Anlagen von Krefelder Seite errichtet worden. Hierzu zählen die Müllverbrennungsanlage und die Kläranlagen, deren ,Düfte' wir häufig genießen dürfen, sowie die Deponie der Firma Bayer. In einem gemeinsam festgelegten Paket von Bebauungsplänen wurden die seinerzeitigen Vereinbarungen zur weiteren Entwicklung auf der Stadtgrenze getroffen, auch im Hinblick auf die Begrenzung der Emissionen. Hierin hat ein solches Kohlekraftwerk keinen Platz. Wir haben Verständnis dafür, dass die Firma Bayer ihren Energiebedarf decken muss. Hierzu bedarf es aber nicht eines Kohlekraftwerkes, denn es gibt auch alternative Lösungen."
Kritik an der Haltung der Krefelder SPD - die beim Unterbezirksparteitag nur noch über eine große oder kleine Lösung entscheiden will - kommt auch von der Krefelder Ärzte- und Apothekerinitiative. Durch ein Kraftwerk würden hohe Mengen an Feinstäuben ausgestoßen.
Feinstaub: Krefelder Hafen bundesweit auf Platz sechs
Dr. Bernd Kaufmann: "In den Messungen der Feinstaubkonzentrationen über das Bundesgebiet verteilt, können wir sehen, dass der Krefelder Hafen leider an 6. Stelle der Anzahl der Überschreitungen der Grenzwerte liegt. Zum einen ist nun durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts gefordert, dass es hier zu einer Reduktion der Belastung kommt. Zum anderen fragen wir uns als Ärzte und Apotheker, wie es dann in die Landschaft der Bemühungen passt, dass ein Kohlekraftwerk mit erheblich hohen Belastungen des Hafens und der ganzen Region geplant wird."
Das heutige Treffen der Bürgerinitiative "Saubere Luft" findet um 19 Uhr in der Traditionsgaststätte "Zum Reichsadler", Atroper Straße 63, Ecke Hochfeldstraße, statt.
Darüber hinaus rufen die Grünen zur Protestkundgebung am kommenden Montag auf, um Umweltminister Sigmar Gabriel vor dem SPD-Unterbezirksparteitag lautstark zu begrüßen. Treffpunkt: 17 Uhr am Restaurant Gietz (Fischeln), Marienstr. 108. (t.b.)
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