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Als die Vögel wütend protestierten

22.05.2012 | 19:44 Uhr
Als die Vögel wütend protestierten
Josef Nauen holt Schwarzwurzeln aus der Erde. Die waren im Kleingarten Zum Heckhofen schon Ende März gut gewachsen. Foto: Lars Fröhlich

Rumeln-Kaldenhausen.   KGV Heckhofen blüht als Oase in Kaldenhausen. Der Verein wurde bereits 1966 gegründet, wuchs von 20 auf inzwischen 39 Gärten an - und die Ernte ist regelmäßig erfreulich.

Aus dem Bauernland an der Giesenfeldstraße, das sich heute bis zur Straße Zum Heckhofen dehnt, wurde Gärtnerland. Weil wegen der dortigen Strommasten kein Bauland entwickelt werden konnte, entschied die damals selbstständige Kommune Rumeln-Kaldenhausen, auf dem Gelände einen Kleingartenverein einzurichten. Die Idee war goldrichtig. Aus den damals 20 Gärten sind mittlerweile 39 geworden.

Josef Nauen ist eigentlich ein „Zugereister“. Er stammt aus Rheinhausen, kam durch seine Eltern in Tuchfühlung mit der Kleingärtnerei - und war dann als erwachsener Mann und Familienvater leicht für diese Freizeitbeschäftigung zu gewinnen: „Wir haben früher viel in unserem Kleingarten angebaut. Das habe ich beibehalten.“ Gemüsesorten und Früchte an eigenen Bäumen und Sträuchern schmecken viel besser, als wenn sie gekauft würden.

„Der große Schlager war bis vor ein paar Jahren bei mir die Sauerkirschenernte. Davon habe ich bis zu 200 Gläser eingekocht. Aber das wurde zu viel.“ Diese Masse an Kirschen wollte ihm keiner aus dem Bekannten- und Freundeskreis abnehmen. Die Anpflanzung von Süßkirschenbäume ist hiesigen Kleingärtnern seit einiger Zeit nicht mehr erlaubt. Die Gärtner mussten sie abholzen, „die Bäume hatten die Molinia-Krankheit.“

Diese Infektion (Monilia laxa und Monilia fructigena) verursacht mitunter erhebliche Ertragsausfälle, auch an Süßkirschbäumen. Die Zweige werden in den Spitzen dürr und in den Früchten faul. Die Blüten verwelken und verbräunen. Bei Süßkirschen sterben die Fruchtspitzen ab. Die befallenen Früchte fallen entweder ab oder bleiben eingeschrumpfte Fruchtmumien.

Vorbeugende Maßnahmen zur Bekämpfung sind das Entfernen der abgestorbenen Triebe und die Beseitigung der faulen Früchte und Fruchtmumien. Eine einseitige Stickstoffdüngung ist zu vermeiden.

Ein weiterer Grund zum Fällen der Süßkirschbäume waren und sind die bis zu acht Meter hohen Stämme. Sie nehmen vielen Nachbarn in den Gärten Sicht und Tageslicht.

Ungebetene Gäste in der Kaldenhausener Gartenoase sind die gefiederten Freunde der Gärtner. Josef Nauen: „Ich habe in den Fruchtsträuchern wie Johannisbeere Schnüre und Taue gespannt, die wie Abwehrnetze wirken. Wenn wir die Vögel nicht daran hindern, dann fressen sie uns alle Beeren weg.“

Sträucher„vernetzt“

Als er das erste Mal die Sträucher „vernetzte“, so Nauen, haben sich die Vogel auf der Erde niedergelassen und wütend mit Gekrächze und Gepiepse gegen das ihrer Meinung nach unverschämte menschliche Verhalten Protest erhoben. Josef Nauen: „Ich kann die Tiere verstehen. Aus ihrer Sicht gehören Natur und Früchte ihnen.“ Darum pflückt er, wie auch die meisten anderen Kleingärtner, bei der Beerenernte immer ein paar Früchte für die fliegenden Nachbarn ab und lässt sie auf dem Boden liegen.

Aber gegen „Schnabelraub“ vor der eigentlichen Reifezeit müsse man sich auch als Vogelfreund schützen, da bieten die Schnüre und Taue eben die notwendige Sicherheit.

Carl Korte



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