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Alltag in der Doppelbunkerhälfte – unter der Erde

28.09.2011 | 18:20 Uhr
Weinkeller per excellence: Bei 17 Grad sind die guten Tropfen von Manfred Loepke-Gilles im Tiefbunker am Paschacker in Oestrum optimal gelagert. Foto: Fabian Strauch / WAZ FotoPool

Duisburg-Rheinhausen. Der Tiefbunker am Paschacker in Oestrum dient heute als Keller von Manfred Loepke-Gilles’ Einfamilienhaus. Jedenfalls zur Hälfte.

„Wenn die Steuerfahndung mal kommt, bin ich hier unten“, scherzt Manfred Loepke-Gilles, vielen Rheinhausern als Sänger und Percussionist der Musik-Kabarett-Gruppe „Pfropfen“ bekannt. Und „da unten“ müssten Schäubles Schergen ihn erst mal finden. Denn er ist Tiefbunkerbesitzer. Genau genommen Doppeltiefbunkerhälftenbesitzer. Der alte Schutzraum aus dem Zweiten Weltkrieg liegt heute nämlich sechs Meter unter gleich zwei Oestrumer Grundstücken und ist in der Mitte mit einer massiven Mauer geteilt.

Sechs Meter unter der Erde

Wobei „massiv“ auch wieder relativ ist: Gegen die originären Mauern des etwas anderen Kellers nimmt die eine Lage Backsteine sich geradezu zierlich aus: Eineinhalb Meter Beton trennen die Bunkerinsassen vom umgebenden Erdreich. Das stellte die Bauherren, die Anfang der 80-er Jahre das seit 1986 von Loepke-Gilles und seiner Familie bewohnte Haus am Paschacker errichteten, vor gewisse Probleme.

Wie gesagt: Der alte Schutzbunker ist heute auf zwei Grundstücke aufgeteilt. Und der alte Eingang führt zum Nachbarhaus, in dem heute übrigens ein Kleinverlag residiert. An Loepke-Gilles’ Ende gab es lediglich den Notausgang, einen schmalen Schacht mit Trittsteigen. Das war den Bauherren, der alteingesessenen Rheinhauser Architektenfamilie Stappert, dann doch zu unkomfortabel. Also musste ein Treppen-taugliches Loch in die Außenhülle des Bunkers gesprengt werden. Loepke-Gilles: „Mit dem vereinbarten Festpreis dürfte die Sprengfirma eher keinen Gewinn gemacht haben - die mussten nämlich zweimal ran.“

Weitläufig...

Nun führt also hinter Schlafzimmer und Abstellraum der Hausherren eine Wendeltreppe sechs Meter unter die Erde. „14 Grad, im Sommer wie im Winter - einen besseren Weinkeller kann man sich nicht wünschen.“ Und wenn Normalsterbliche in schwülen Hochsommernächten das Fenster öffnen, den Ventilator quälen oder sonst wie der Hitze trotzen, „dann lege ich mir unten eine Matratze hin. Und ziehe einen Trainingsanzug an. Ohne den friert man nämlich schon wieder.“

Kriegszerstörtes Duisburg

Das war’s aber auch an besonderen Nutzungsmöglichkeiten: „Wir hatten mal an einen Partykeller gedacht.“ Klingt plausibel: Krach kann man so weit unter der Erde bestimmt reichlich machen. „Aber dafür ist es hier unten zu feucht. Da würden Polstermöbel oder Teppiche schnell muffig.“ Acht Liter Wasser holt der elektrische Raumentfeuchter Woche für Woche aus der mit 95 Prozent Luftfeuchtigkeit nahezu gesättigten Bunkerluft.

...und es geht tief nach unten. Fotos: Fabian Strauch / WAZ FotoPool

Im Krieg fanden 60 bis 70 Oestrumer bei Bombenangriffen Schutz in Loepke-Gilles’ heutigem Keller. Das erfuhr er eher zufällig: „Ich hatte gerade im Garten gearbeitet, da lief ein älterer Mann am Zaun entlang, sah mich und fragte: ,War hier nicht mal ein Bunker?’“ Der Passant entpuppte sich als Bewohner des benachbarten Bodelschwingh-Altenheims und alter Oestrumer.

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„Ich habe ihn dann eingeladen, mal mit runter zu kommen. Er hat das gerne angenommen.“ Also stiegen beide zusammen ins Gewölbe, und es gab einiges an alten Geschichten zu hören. „Wenn man sowas hört, fällt einem erstmal auf, wie gut man es hatte. Ich bin Jahrgang ‘50, da ging es gerade wieder aufwärts. Der Mann dagegen - zwei Kriege hat der mitgemacht ...“

Fahrräder lieber in der Garage

Loepke-Gilles kannte zumindest den Kalten Krieg. Daran, den Bunker wieder für seinen ursprünglichen Verwendungszweck aufzurüsten, hat er aber nach eigenem Bekunden auch in den 80-er Jahren, als der noch nicht Geschichte war, nie gedacht. Also nutzt die Familie den Bunker vor allem als Abstellraum, „für alles, was man im Keller halt so abstellt“ - mit einer Ausnahme: „Bevor wir die Fahrräder hier runter und wieder rauf schleppen, halten wir doch lieber eine Ecke in der Garage frei.“

Bunker an Rhein und Ruhr

Matthias Oelkrug



Kommentare
04.10.2011
09:11
Alltag in der Doppelbunkerhälfte – unter der Erde
von Flomon | #1

Nicht schlecht so ein Bunkerkeller. Wäre perfekt für eine Wärmepumpenanlage, oder? Im Winter warm genug für die Heizung und im Sommer kann die Anlage als Klimaanlage laufen.

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