Alles blickt gepannt auf Sonntag
31.01.2010 | 17:14 Uhr 2010-01-31T17:14:00+0100
Rheinhausen. Heute hielt Pfarrer Andreas Satzvey seinen letzten Gottesdienst in Bergheim. Das lockte weit mehr Gemeindemitglieder als sonst in die Kirche. Nächste Woche wird's noch voller: Dann wird über den möglichen Abriss des Gemeindezentrums "Auf dem Wege" diskutiert.
„Wir sind Christen”, sagt einer lächelnd aus dem Männerkreis. „Wir sind die Friedenkirchengemeinde”, sagt ein anderer, der Tischnachbar und lächelt vielsagend. Nicht mehr und nicht weniger. Die beiden älteren Herren meinen die jahrelangen Konflikte, die die 6000-Seelengemeinde mit den Pfarrbezirken Bergheim (Auf dem Wege) sowie Trompet und Oestrum (Lutherstraße) an den Rand der Spaltung gebracht haben.
Feine Ironie mischte sich mit einem Hauch von Melancholie, als Pfarrer Andreas Satzvey gestern letztmals im Gemeindehaus Auf dem Wege predigte. Fast alles war wie immer. Bis auf die Besucherzahl: Wo sich sonst rund 40 Gläubige in den Stuhlreihen verlieren, war gestern nahezu jeder der rund 180 Plätze besetzt.
Einhellig bedauerten die Damen der evangelischen Frauenhilfe den plötzlichen Fortgang des 42-jährigen Pfarrers nach sechs Jahren. „Es ist schade, dass uns Pfarrer Satzvey verlässt, er hat hier doch Einiges auf den Weg gebracht. Wir waren sehr überrascht, das ging alles so schnell”, sagt eine ältere Dame.
Pfarrer Andreas Satzvey zeigt sich äußerlich gelassen, aber: „Man ist schon ein wenig wehmütig, wenn man seine Gemeinde nach so langer Zeit verlässt. Gleichzeitig muss ich jetzt aber nach vorne schauen.” Bereits heute beginnt sein Dienst als Schulpfarrer.
Auch die älteren Herren am Nachbartisch schauen nach vorne: „Jetzt muss Klarheit geschaffen werden: Soll unser Gemeindehaus hier abgerissen werden oder nicht? Soll unser Gemeindeleben mit all seinen Angeboten am Standort Lutherstraße in Trompet konzentriert werden oder gibt es Alternativen?” Zum Pfarrer wollen die Herrschaften nichts sagen. Nur soviel: „Es ist schon traurig, wie alles gekommen ist, hier bei uns in der Gemeinde.”
Matthias Fritzsche, Vorsitzender der Bevollmächtigten-Ausschusses, der seit Auflösung des Presbyteriums das Gemeindeleben organisiert, tendiert zum Abriss und zur Verlegung nach Trompet: „Wir haben 14 Varianten geprüft und durchgerechnet. Dieser Vorschlag macht am meisten Sinn.” Zudem befinde sich das Gemeindezentrum an der Lutherstraße geographisch genau in der Mitte der Gemeinde befinde. „Bis dahin sind es fast von jedem Punkt der Gemeinde etwa 2,5 Kilometer”, sagt Fritzsche.
Nächsten Sonntag fällt vielleicht schon eine Vorentscheidung. Dann gibt's die große Gemeindeversammlung. Und die Kirche wird wohl rappelvoll sein.
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