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Alle Duisburger Firmen sind potenzielle Spionage-Opfer

25.11.2013 | 22:00 Uhr
Alle Duisburger Firmen sind potenzielle Spionage-Opfer
IT-Sicherheitsexperte Edgar Scholl ist der Meinung, dass viele Unternehmer die NSA-Affäre ausblenden und nicht ernst nehmen würden.Foto: Daniel Elke

Duisburg-Rheinhausen.  Die Duisburger Unternehmen reagieren nicht auf die amerikanische Späh-Affäre, beklagt die IHK. Dagegen bemerkt Sicherheitsexperte Edgar Scholl mehr Anfragen. Viele Chefs sehen Cyberkriminalität aber nicht als Risiko an und kümmern sich weiter um ihr Tagesgeschäft.

Duisburgs Firmen sollten angesichts der amerikanischen Späh-Affäre beunruhigt sein und schleunigst handeln. Das findet Dr. Frank Rieger, Rechtsanwalt der Niederrheinischen IHK. „Gerade unsere hoch spezialisierten mittelständischen Unternehmen schätzen das Bedrohungspotenzial falsch ein.“ Betriebsgeheimnisse seien unbedingt schützenswert, nur würden viele Firmen die Gefahr unterschätzen, die von Spionage ausgehe. Bislang stelle die IHK daher in Duisburg trotz vieler Angebote keinen erhöhten Beratungsbedarf fest.

Einen Anstieg an Anfragen bemerkt hingegen der IT-Sicherheitsexperte Edgar Scholl von der Antauris AG im Businesspark. „Aber unser E-Maileingang läuft nicht über. Viele Unternehmen kümmern sich ums Tagesgeschäft und blenden die NSA-Affäre aus.“ Nur sechs Prozent der deutschen Manager würden Cyberkriminalität überhaupt als Risiko sehen, so Scholl, der sich auf die Studie eines Versicherers bezieht.

Dank Anna Kurnikowa auf Cyberschurken-Jagd
Ehemalige Tennisspielerin inspirierte IT-Sicherheitsexperten
Ehemalige Tennisspielerin inspirierte IT-Sicherheitsexperten

„Angefangen hat für mich alles mit Anna Kurnikowa“, sagt Edgar Scholl und mit einem Klick zeigt sein Laptop ein Bild der russischen Tennisspielerin auf dem Centre Court. Im Jahr 2001 hatte Scholl auf dem Dienstrechner eine E-Mail seines damaligen Chefs bekommen, die Fotos der hübschen Russin verhieß. Eine Sekunde nicht nachgedacht, kurz den Anhang geöffnet und schon hatte er einen Virus freigesetzt. „Das war einer der ersten Würmer.“ Das war für Scholl ein Aha-Erlebnis, heute gilt er als IT-Sicherheitsexperte, und er mehr zu tun denn je. Zwar klickt kaum mehr jemand auf virenverseuchte Kurnikowa-Fotos, aber die Gefahr ist nicht gebannt. Die Angriffsqualität habe sich verbessert, verrät Scholl. E-Mails, deren Anhänge samt Viren geöffnet werden sollen, seien nun in bestem Deutsch verfasst. Zudem kämen nun viele Attacken über soziale Netzwerke. „Es gibt erheblichen Nachholbedarf bei sozialer Medienkompetenz – durch alle Generationen und Hierarchien.“

Die Unterwelt ist einen Schritt voraus

Wie immer ist die Unterwelt den Firmen einen Schritt voraus. So verbreiten Hacker bereits Werbespots im Internet, in denen sie anbieten, die Server der Konkurrenz lahm zu legen. Außerdem gibt’s Unterwelt-Treuhänder und Online-Shops, auf denen Identitäten, E-Mailadressen oder sogar deutsche Patientenakten gehandelt werden wie andernorts Bücher. Das geschehe teils vor der eigenen Haustür, sagt Scholl. So habe unlängst ein deutscher Online-Essenslieferant seinen Pizza-Konkurrenten von Hackern angreifen lassen, weil der Marktanteil zu stark schrumpfte.

Dabei habe es im vergangenen Jahr alleine in Deutschland 64.000 bekannte Fälle gegeben. Die Dunkelziffer sei jedoch groß, da die Betroffenen „ganz viele Fälle von Einbrüchen“ gar nicht mitbekommen würden, ergänzt Swen Baumann, Antauris-Geschäftsführer aus der Hamburger Firmenzentrale. Dennoch würden Unternehmer seit der Spähaffäre verstärkt handeln. Zwar rüsten sie nicht ihre Firewalls nach – die alleine böten ohnehin nicht genügend Schutz vor externen Spionageangriffen –, „aber ihre Daten sollen jetzt auf Servern in Deutschland liegen“.

Bedrohung nicht nur aus den USA

Inzwischen würden sie auch erkennen, dass es wichtig ist, zu wissen, „wer wann von wo wie oft auf Daten zugegriffen hat“. Dies herauszufinden sei selbst bei Einhaltung deutscher rigider Datenschutz-Gesetze durchaus möglich – und nötig. „Jeder, der etwas hat, mit dem Geld zu verdienen ist, ist ein potenzielles Opfer“. Doch die Bedrohung gehe nicht nur von den USA aus, jede Nation und jeder Konkurrent, auch im Inland, komme als Wirtschaftsspion in Frage. Der wichtigste Sicherheitsfaktor sei jedoch der Mensch, sagt Scholl. „Er ist die beste Firewall, die ich haben kann“, zumal selten ein externer Hacker sensible Daten stiehlt, sondern meist ein Innentäter. Das sei bei den Steuer-CDs ebenso der Fall wie bei Edward Snowden, der die Machenschaften der NSA aufgedeckt hat.

Umfragen würden zudem belegen, so Scholl, dass sich 70 Prozent der Computeranwender mehr Schulungen im Bereich Computersicherheit wünschen. Wer jedoch seine IT-Sicherheit verbessern möchte, rät Baumann, der solle sich unbedingt an Profis wenden.

Oliver Kühn

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2013-11-25 22:00
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