Abbruch oder Sprengung? Wie man ein Hochhaus abreißt

Die Stadt will das Hochhaus Ottostraße 24-30 abreißen. Abbruchexperten erklären, wie das genau vonstatten gehen kann.
Die Stadt will das Hochhaus Ottostraße 24-30 abreißen. Abbruchexperten erklären, wie das genau vonstatten gehen kann.
Foto: Ulla Michels/Funke Foto Services
Wie baut man ein 20-stöckiges Hochhaus wie den „Weißen Riesen“ zurück? Antworten zweier Experten, die schon so manches Gebäude zu Boden brachten.

Duisburg.. Auch wenn die Stadt die Hochhaus-Ruine Ottostraße 24 bis 30 noch gar nicht besitzt, scheint deren Zukunft längst klar: Der „weiße Riese“ oder auch „größter Taubenschlag Deutschlands“ soll abgerissen werden. Vorher steht allerdings der Zuschlag bei einer Zwangsversteigerung, die derzeit vorbereitet wird (wir berichteten). Auf Anfrage der Redaktion machen sich zwei erfahrene Abbruchunternehmer Gedanken darum, wie man den Koloss am besten zu Boden bringt.

Weltweit Hochhäuser abgebrochen

Die Experten: Christian Nowak, seine Firma aus Barsbüttel bei Hamburg hat weltweit Hochhäuser abgebrochen, Referenzobjekt: Ein teilweise ausgebrannter 19 Etagen hoher Bankenturm in Lagos/Nigeria (2006). Holger Schmidt, er hat 2004 als Projektleiter für eine Viersener Firma das 100 Meter hohe Hagener Sparkassen-Haus „langer Oskar“ gesprengt.

Nowak hält eine Sprengung des Gebäudes in dicht besiedelten Gebieten wie Hochheide für sehr problematisch, er würde eher Stockwerk für Stockwerk mit einem sogenannten Longfront abreißen. Das ist ein Bagger mit einem extrem langen Arm, der in bis zu 55 Metern Höhe arbeiten kann. Am Ende des Arms ist die Abbruchzange befestigt, die sich durch Beton und Stahl frisst. Ein solcher 1,8 Millionen Euro teurer Apparat ist das modernste Gerät, welches man für konventionelle Abbrüche aktuell auf dem Markt bekommen kann. Da der „Weiße Riese“ aber 60 Meter hoch ist, müsse man auf den zwei oberen Etagen zunächst quasi händisch vorgehen. Potenzielle Gesamtdauer für den Abriss: Bis zu neun Monate.

Mehrere Methoden sind möglich

Einen Longfront-Abriss bringt auch Schmidt ins Gespräch, er sagt aber, dass eine Sprengung durchaus möglich sei. Das Gebäude in Hagen sei höher gewesen und habe mitten in der City gestanden, eine „Riesen“-Sprengung hält der Projektleiter für unproblematisch. Der Vorteil: „Staub und Lärm gebe es nur am Tag der Sprengung und nicht über Monate. Zudem könne die Stadt schnell ein Zeichen setzen, innerhalb weniger Minuten würde sich ein ehemals verschandeltes Stadtbild positiv verändern.

In Sachen Kosten kursieren derzeit mehrere Zahlen, einige sprechen von 3,5 Millionen Euro pro Hochhaus, andere von 5,5 Millionen. Mit einer groben Schätzung kommt Schmidt auf rund drei Millionen Euro für den Abriss, er beziffert dabei beide genannten Abbruch-Methoden als etwa gleich teuer. Der Preis würde aber sehr schnell steigen, wenn man denn genau wisse, welche Schadstoffe in dem Wohnklotz verbaut wurden. Die Schadstoffsanierung mache einen großen Teil der Kosten aus.

Schadstoffkataster kostet 30 000 Euro

Christian Nowak vermeidet es, Kosten zu nennen. „Dass Asbest und auch PCB verbaut wurde, halte ich für unstrittig. Es ist aber nicht ansatzweise klar, welche Mengen vorhanden sind. Das steht erst nach Erstellung eines Schadstoffkatasters fest.“ Ein solches Kataster würde 30 000 Euro kosten, diese Zahl sei aber die einzige, die man derzeit seriös nennen könne.

Am Amtsgericht Stadtmitte war am Mittwoch keine Aussage zum Verfahrensstand in Sachen Ottostraße 24-30 zu erfahren, im Zwangsversteigerungsportal des Amtsgerichtes taucht der Wohnturm nicht auf . . .