400 Mitarbeiter verlassen Huntsman in Duisburg freiwillig

Das Huntsman-Werk in Homberg.
Das Huntsman-Werk in Homberg.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Abfindungsregelung sorgt für personellen Aderlass beim Chemiekonzern Huntsman. Unternehmen verzichtet auf betriebsbedingte Kündigungen und einen Sozialplan.

Duisburg/Krefeld.. Ein knappes halbes Jahr lang war die städtische Wiese an der Duisburger Straße in Homberg gesäumt von Kreuzen. Die Mitarbeiter des Chemieunternehmens Huntsman (ehemals Sachtleben) beerdigten symbolisch ihre Firma, nachdem der neue Eigentümer angekündigt hatte, 500 der insgesamt 1600 Stellen in Homberg und Krefeld-Uerdingen zu streichen (wir berichteten mehrfach). Inzwischen sind die Kreuze abgebaut worden, die Wiese wächst wieder, Gras ist aber beileibe noch nicht über die Sache gewachsen.

„Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben und auch keinen Sozialplan“, sagt Betriebsratschef Klaus Pilger. Beides sei nicht nötig, so der 54-Jährige. Und erklärt: „Es gab ein Freiwilligen-Programm, das inzwischen quasi ausgelaufen ist. Am Standort Homberg haben 235 Mitarbeiter davon Gebrauch gemacht, in Uerdingen 174.“ Diese Zahl reiche dem Unternehmen aus, um auf Kündigungen und das Auflegen eines Sozialplans zu verzichten.

Abfindungen sollen sich an Pharmaindustrie orientieren

„Ich singe und klatsche jetzt nicht vor Freude, ich hoffe, dass es für diejenigen, die ein Abfindungsangebot angenommen haben, gut ausgeht“, sagt Pilger. Hinter diesen Zahlen steckten Familienschicksale und man habe zudem sehr gute Mitarbeiter verloren. „Wichtig war uns immer, dass wir niemanden zur Agentur für Arbeit schicken müssen.“ Ebenso von Bedeutung: Die Übernahme der aktuellen Auszubildenden habe Huntsman dem Betriebsrat bereits vor einigen Wochen zugesagt. Darüber, wie teuer das Freiwilligen-Programm für den US-Konzern war, wurde nichts bekannt, nur soviel: Die Abfindungen sollen sich an der Pharmaindustrie orientieren und seien höher als etwa in der Chemieindustrie.

Wie geht es jetzt weiter an der Dr.-Rudolf-Sachtleben-Straße? „Durch die Abgänge ist die Mannschaft reduziert, klar. Es ist viel Arbeit, es ist nicht einfach, aber, es muss gehen.“ Das Controlling sei in die einzelnen Betriebe verlagert worden, die Finanzabteilung sei aus Duisburg verschwunden, würde jetzt ebenso zentral gemanagt wie der Kundenservice.

Neue Abteilung für Homberg

Ein Lichtblick: Huntsman installiert am Standort Homberg eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung für die Sparte Farbpigmente. Bisher seien hier Forschung, Entwicklung und Produktion von Weißpigmenten ansässig. Ebenso wolle der Konzern Millionen in die Automatisierung einiger Abläufe investieren. Pilger rechnet aber erst in rund zwei Jahren mit dem Start eines solches Investitionsprogramms.

Die Kreuze am Werksgelände wurden übrigens nicht einfach so entsorgt. „Jeder Mitarbeiter konnte sein Kreuz wieder abholen. Dann haben wir wie auf einem Fußballplatz die Löcher zugemacht, inzwischen hat die Stadt die Wiese auch bereits gemäht“, sagt Pilger.

Keine Kündigungen, keine Kreuze, die Gespräche liefen aber weiter und auf eines könne sich Klaus Pilger absolut verlassen: „Die Belegschaft steht ganz fest zusammen.“ Will heißen, sollte es weitere Einschnitte für die Mitarbeiter geben, ist die Bereitschaft groß, erneut auf die Straße zu gehen.

Die hunderte Kreuze hatten die Mitarbeiter damals innerhalb von nur einer Nacht aufgestellt...