240 Kilometer nach Hause geradelt

Auf eine abenteuerliche Fahrrad-Tour begaben sich in den Osterferien drei Betreuer des Jugendzentrums „Die Mühle“ aus Friemersheim mit sieben Jugendlichen im Alter von elf bis 16 Jahren: Die Route führte von Winterberg, da wo die Quelle der Ruhr entspringt, bis zu ihrer Mündung an der Ruhrorter Rheinorange in den Rhein. Mit dem Zug ging es vollgepackt mit den Fahrrädern nach Winterberg. Dort staunten die jungen Fahrer nicht schlecht: Schnee lag noch überall – es war ja April.

„Egal, dann rutschen wir halt nach Hause“, sagte ein Teilnehmer. 240 Kilometer auf dem anfangs abschüssigen Ruhrtalradweg zurück nach Duisburg lagen vor ihnen. Im Schatten einer Schutzhütte schlugen sie fürs Erste ihre Zelte auf – und nach einer kalten Nacht starteten sie noch frierend und unausgeruht in den nächsten Tag. Nach kurzer Katzenwäsche bemerkten die Abenteurer, wie aus dem Rinnsal, der die Ruhr noch im Sauerlandgebirge ist, später ein richtig breiter, reißender Fluss wird.

Schöne Fachwerkdörfer

Die nächste Etappe entlang des Wassers meisterten sie bravourös, doch am Abend ließen sich zwei junge Radler von ihren Eltern abholen, weil ihnen die Nächte im Zelt zu kalt waren. Der verbliebene Rest wurde am nächsten Morgen auf dem Zeltplatz von Schüssen aus dem Gewehr eines Jägers aus dem Schlaf gerissen. „Wir waren da eigentlich weit ab vom Schuss, wirklich in der freien Natur“, sagt Jan Wirtgen, Leiter des Jugendzentrums „Die Mühle“. Da, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht!“ sagen.

Auf dem Weg nach Essen, dem nächsten Etappenziel, bemerkten die verbliebenen acht Radler, der harte Kern, wie sich die Wege füllten – sie tauchten mehr und mehr ins Ruhrgebiet ein, merkten wie die Menschen gestresster wurden auf ihrer Königsetappe, die 96 Kilometer lang war. Aber auch da fuhren sie durch schöne Fachwerkdörfer, vorbei an alten Lederfabriken durch eine noch unerschlossene Natur.

Abends gab es dann Pizza und der „Männertrupp“ gönnte sich erstmals eine Übernachtung auf einem Campingplatz. „Manche wollten schließlich auch mal wieder duschen“, erinnert sich Jan Wirtgen. Dann der Endspurt – nur noch 56 Kilometer. Langsam machte sich die Erschöpfung der Jungs bemerkbar, doch das Ziel so nah vor den Augen mobilisierten die Fahrer ihre letzten Kräfte, vorbei am Baldeneysee fuhren sie dem Frühling entgegen durch die schon blühenden Ruhrauen, dann endlich kamen sie nach Mülheim und sahen den Kaiserberg.

Großer Zusammenhalt

Völlig fertig erreichten die Fahrer die Rheinorange, und damit die Ruhrmündung, klatschten einander ab und fielen sich in die Arme. „Die Jungs sind bei der Tour schon an ihre körperlichen Grenzen gegangen, aber der Zusammenhalt in der Gruppe war sehr groß und alle sind gesund zurück gekommen“, sagt Jan Wirtgen. In den Herbstferien geht es dann mit einer Fahrradgruppe zur Nordsee.