Werft-Chefin fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt

Constantin Boşcodeală wird seinen Lohn, für den er monatelang auf der Neuen Triton Schiffswerft in Meiderich geschuftet hat, vielleicht niemals bekommen. Inzwischen ist er in Berlin und arbeitet auf einer Baustelle, um seine Familie in Rumänien ernähren zu können. Sein einstiger Chef und Triton-Subunternehmer Gica Berdila hat Deutschland verlassen, ohne die Gehälter zu zahlen.

Nachdem die WAZ über die Ausbeutung rumänischer Werftarbeiter durch das Subunternehmen Razvan B.B. Construct auf der Triton-Werft berichtet hatte, wurde Inhaberin Petronella Jacobs im Internet massiv angefeindet. Außerdem habe sie der Artikel einen Auftrag über 160 000 Euro gekostet. Dabei könne sie belegen, dass sie Berdila vertragsgemäß bezahlt hat. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, sind immerhin die Ermittlungen wegen Abrechnungsbetrug eingestellt; Berdila hatte Jacobs angezeigt.

Sie kann nicht glauben, dass man ihr einen Strick daraus dreht, dass Berdila seine Arbeiter nicht bezahlt hat und dass drei von ihnen noch immer eine Montagewohnung in Meiderich besetzen. Doch die Gewerkschaft macht die Unternehmerin für die Ausbeutung der Rumänen mitverantwortlich. „Als Generalunternehmerin muss die Triton-Werft sicherstellen, dass ihr Subunternehmer den Mindestlohn bezahlt“, sagt Alexandru Zidaru (DGB).

Den Mindestlohn fordert derzeit die IG Metall Duisburg von beiden beteiligten Unternehmen für die rumänischen Werftarbeiter. Ein letztes Verständigungsgespräch zwischen Triton und IG Metall ist jetzt gescheitert; die Gewerkschaft prüft nun weitere juristische Schritte.

„Ich bezweifel, dass die Rechtsauffassung der IG Metall korrekt ist“, sagt Jacobs und wehrt sich dagegen, kriminalisiert zu werden. „Ich generiere hier Arbeit und kann nachweisen, dass ich meine Mitarbeiter über dem Mindestlohn bezahle.“ Mit Subunternehmern handele sie stets feste Beträge aus, wie in der Branche üblich, meist für insgesamt rund 70 Prozent der Auftragssumme. „Ich bestelle eine Arbeit“, das sei wie bei einem Handwerker, der beauftragt wird, eine Waschmaschine zu reparieren. Da könne sie nicht den Lohn jedes einzelnen Arbeiters auf der Werft kontrollieren. Petronella Jacobs: „Hier wird von einem Unternehmer abverlangt, was er gar nicht leisten kann.“