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Wenn Nervosität zum Problem wird

05.09.2012 | 18:20 Uhr
Wenn Nervosität zum Problem wird
Ganz entspannt: Die Mentaltrainerin Petra Keßler hilft gestressten Musikern.Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg. Das Herz rast, der Körper zittert, die Stimme versagt. Jeder kennt die zermürbende Nervosität vor Prüfungen, Vorstellungsgesprächen oder öffentlichen Auftritten. Auch Menschen mit langjähriger Bühnenerfahrung bekommen ihre Nervosität oftmals alleine nicht in den Griff. Die 39-jährige Petra Keßler aus Duisburg kann ein Lied davon singen. Sie ist selbst Flötistin und Mentaltrainerin. Dieses Jahr feiert ihr Institut für Mentales Training & Musikermentaltraining an der Düsseldorfer Straße sein zehnjähriges Bestehen.

Lampenfieber bei Musikern ist immer noch ein heikles Thema, über das selten gesprochen wird. „Früher hieß es, dass man einfach nicht genug geübt hat“, berichtet die Flötistin aus eigener Erfahrung. Dass das nicht stimmt, bestätigen viele Musiker, die vor der Vorstellung Tabletten schlucken oder schnell noch ein, zwei Gläschen Wein kippen. Eine weitaus bessere Möglichkeit, mit Anspannung umzugehen, ist Mentaltraining, das auf Entspannungsübungen und Visualisierungen basiert.

Vor einigen Jahren kam eine Solo-Bläserin eines deutschen A-Orchesters in Keßlers Institut. Die heute 50-Jährige möchte unerkannt bleiben. Sie blickt zurück auf die Zeit, in der der Spagat zwischen den täglichen Proben und den drei Kindern im Alter von zwei bis zehn Jahren sie nicht mehr zur Ruhe kommen ließ. „Ich konnte den Schalter nicht mehr umlegen. Die Gedanken von zu Hause brachte ich mit ins Orchester“, sagt die Musikerin.

Finger zittern

Während des Solos begannen ihre Finger zu zittern, dazu kam ein Schwindelgefühl. „Die Nervosität hatte plötzlich körperliche Auswirkungen“, berichtet die Bläserin, „vor dem Solo hatte ich Angst wie das Kaninchen vor der Schlange.“ Die Anspannung belastete nicht nur die Musikerin selbst, sondern auch deren Familie. Bereits beim Aufstehen sei die Angst vor dem Konzert am Abend präsent gewesen.

„Dabei ist es so schwer hinnehmbar, dass einem seine Leidenschaft zur Last wird.“ In fünf Coaching-Stunden hat die Bläserin gelernt, ihre Nervosität durch mentale Stabilität in positive Energie umzuleiten.

Je nach Problematik beginnt eine Trainingseinheit mit einer Entspannungsübung. Danach werden die Musiker gebeten, sich in eine Situation hineinzuversetzen, in der sie außergewöhnlich gut gespielt haben und Spaß an ihrem Auftritt hatten. „Es geht darum, die eigenen Ressourcen wieder wahrzunehmen. Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen Realität und Vorstellung“, weiß die Trainerin.

Vor ihren Auftritten ist die 50-jährige Solo-Bläserin noch nervös, sie ärgert sich aber nicht mehr darüber und kann das Spielen wieder genießen. Vor Konzerten kehrt sie nun in sich und bereitet sich mental auf den Auftritt vor. „Eine besonders gute Übung während des Spielens im engen Orchestergraben ist es, sich eine Schutzhülle um sich herum vorzustellen“, beschreibt sie.

Pausen vor ihrem Solo-Einsatz, in denen sie sich früher der Nervosität hilflos ausgeliefert fühlte, nutzt die Musikern nun zum Durchatmen und zur Hingabe in die Musik.

Isabel Schoelen

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