Wenn Eltern ihr Kind nicht mehr in die Praxis bringen
14.12.2007 | 21:00 Uhr 2007-12-14T21:00:41+0100PRÄVENTION. Der Hamborner Kinderarzt Dr. Ralf Kownatzki rief die Informationsdatei "Riskid" ins Leben: Ärzte informieren sich über Misshandlungen.
Seit fünf Monaten führt der Hamborner Kinderarzt Dr. Ralf Kownatzki mit 22 Kollegen der Kinderheilkunde die Internetdatei "Riskid". Das ist nicht lange. Doch das elektronische Verzeichnis führte bereits zu einem Erfolg. "Riskid" ist eine geschlossene Informationsdatei über Risikokinder, auf die Kinderärzte bei Untersuchungen aufmerksam werden. Dr. Kownatzki: "In meiner Praxis ist uns vor kurzem ein Kind mit blauen Flecken am Körper und Striemen aufgefallen. Zuvor war der Kinderarzt gewechselt worden, meist ein Hinweis. Da haben wir die Polizei eingeschaltet. Das Kind wurde in eine Klinik gebracht."
Kindesmisshandlung ist wahrlich kein Einzelfall, ob in Duisburg oder anderswo. Vor zwei Jahren wurden in Duisburg zwei Kindern von den Eltern umgebracht. Das war für den Hamborner Kinderarzt der Auslöser, sich einzusetzen. "Was können wir tun, um rechtzeitig auf vernachlässigte und misshandelte Kinder aufmerksam zu werden?", stand für den Mediziner am Ausgangspunkt. Kollegen beteiligten sich, man sprach mit Kripo, Gerichtsmedizin und Staatsanwaltschaft.
Mittel gegen den Wechsel des Arztes
Herauskam die elektronische Datei "Riskid", auf deutsch Risiko-Kinder. Hier werden Auffälligkeiten - Spuren körperlicher Züchtigung, Mangelversorgung und Vernachlässigung - eingetragen. Dann können sich andere Kinderärzte über solch bekannte Fälle informieren.
Denn: "Wenn Eltern, die ihre Kinder misshandeln, den Eindruck haben, dass der Arzt aufmerksam geworden ist, dann wechseln sie die Praxis." So geht dann der Kontakt des einzelnen Arztes verloren - die Daten und Hinweise auf das Kind aber bleiben erhalten, und der nächste Kinderaztt kann sich so informieren.
Was Dr. Kownatzki ebenso am Herzen liegt, ist eine Vorsorge-Pflicht der Eltern. "Wir haben dies über unseren Berufsverband in die Landespolitik getragen und dort ist es umgesetzt worden," freut sich der Hamborner Arzt. Noch lieber wäre ihm und seinen Kollegen, wenn es mehr als nur zehn Vorsorge-Untersuchungen gäbe. Und: "Wir müssten uns mit dem Jugendamt vernetzen dürfen."
RISKID in Duisburg beteiligen sich bisher 23 Kinderärzte aus Praxen und Kliniken an der Informationsdatei "Riskid" über Risikokinder. 122 Einträge gibt es bislang. Die Informationen sind nur den Ärzten zugänglich.

0mitdiskutieren