Weniger Fahrgäste und gewaltiger Investitionsbedarf bei DVG

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Was wir bereits wissen
Nach Jahren des Wachstums hat die Duisburger Verkehrsgesellschaft im Vorjahr erstmals weniger Personen befördert — trotz der langen A59-Sperrung.

Duisburg.. Die Zahl der Fahrgäste bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft ist erstmals wieder rückläufig. Nach jahrelangem Anstieg sind im Vorjahr weniger Menschen in Bus und Bahn unterwegs gewesen: So ist die Zahl der beförderten Personen um 340.000 auf 63,29 Millionen gesunken. Das geht aus der Jahresbilanz hervor, mit der sich der Rat in der kommenden Woche beschäftigen wird.

Eine Million Euro Einnahmen durch erwischte Schwarzfahrer

Die Entwicklung verwundert, da vor allem im Vorjahr der Nahverkehr als Alternative zum Auto an Bedeutung gewonnen hatte: Durch die monatelange Sperrung der A59 nutzten viele Pendler die parallel laufenden Straßenbahn-Linien, die DVG hatte die Taktfrequenz massiv verdichtet und alleine 1150 der sogenannten Umsteiger-Tickets verkauft. Insgesamt hat die DVG auch mehr Abo-Tickets, dafür aber weniger Einzel- und Wochenkarten verkauft.

Fahrplanwechsel Die DVG-Zahlen entwickeln sich damit gegen den bundesweiten Trend: Die kommunalen Verkehrsunternehmen in Deutschland verzeichnen einen leichten Anstieg der Fahrgäste um rund 0,6 Prozent. Zwar gibt es im VRR-Raum einen Rückgang von 0,2 Prozent, die DVG ist mit 0,5 Prozent aber deutlich schlechter unterwegs.

Ticket-Einnahmen lagen bei 50,1 Millionen Euro

Dennoch steigen die Einnahmen aus dem Ticket-Verkauf auf 50,1 Mio Euro - vor allem, weil die Preise zum 1. Januar 2014 erhöht wurden. Und auch verstärkte Kontrollen bringen Einnahmen: Auf eine Million Euro summieren sich die Bußgelder der erwischten Schwarzfahrer, das sind stolze 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Was aber nichts daran ändert, dass bei der DVG-Bilanz wie üblich in der Bilanz unter dem Strich insgesamt ein Minus von rund 40 Mio Euro steht. Der Nahverkehr lässt sich eben bei weitem nicht kostendeckend betreiben, trotz aller Sparbemühungen und Restrukturierungen. Immerhin: 2002 lag der Verlust mit 53 Millionen Euro noch weitaus höher.

Für Investitionen in Duisburg fehlen hunderte Millionen

Der Nahverkehr in Duisburg ist nicht nur wegen sinkender Fahrgastzahlen ein Sorgenkind: Woher die dreistelligen Millionensummen kommen sollen, die dringend in die Infrastruktur investiert werden müssen, ist immer noch völlig unklar. Zwar hatte die Stadtspitze im Februar eine Jubelmeldung verschickt, dass die Finanzierung der Zugsicherung nach jahrelangem Tauziehen endlich gesichert ist. 25,6 von 36 Millionen Euro übernimmt der VRR, erklärte OB Sören Link, der damit die „drohende Unterbrechung der U 79 an der Stadtgrenze zu Düsseldorf“ bereits „abgewendet“ sah.

Begehrlichkeiten geweckt

Doch längst fragen sich andere Städte, warum der VRR hier etwas fördert, was eigentlich gar nicht förderfähig ist. Und warum der VRR auch gleich noch 80 Prozent der Kosten übernimmt, in Düsseldorf aber 0 Prozent und in anderen Städten allenfalls ein Bruchteil.

Der VRR war über die Pressemeldung aus dem Duisburger Rathaus schon im Februar wenig begeistert: Auf Nachfrage hieß es: Ergebnisse wolle man erst kommunizieren, wenn „alles endgültig abgestimmt“ sei. „Daran möchte sich unser Haus auch gerne halten“, sagte eine VRR-Sprecherin. Zwar habe man sich über „grundsätzliche Punkte“ verständigt, jedoch seien noch „einige Aspekte“ abzuarbeiten und „verpflichtende Erklärungen seitens Stadt und DVG“ zu erfüllen.

Reparaturen kosten DVG Millionen

Nach Informationen unserer Redaktion hat sich daran bislang wenig geändert: Stadt und DVG müssen vor allem nachweisen, wie sie den Bahn-Betrieb für die Zukunft sichern. Und das erfordert Investitionen in dreistelliger Millionen-Höhe. So müssen neue Fahrzeuge her. Geschätzte Kosten: 150 Millionen Euro. Die Beschaffung von 47 Straßenbahnen nach mehr als 30 Jahren sei „unvermeidbar“, heißt es im Ausblick der DVG-Bilanz.

Nahverkehr Vom Zustand der Bahnen können Fahrgäste ein Lied singen. Weil viele Fahrzeuge in der Werkstatt stehen, mussten auf den Linien 901 und 903 Busse eingesetzt werden. Aktuell läuft die Reparatur noch an 16 Bahnen. Das geht gewaltig ins Geld, insgesamt ist die Rede von 20 Millionen Euro. Die Mittel dafür stammen unter anderem aus den Mehreinnahmen durch die Grundsteuer-Erhöhung.

Doch selbst wenn die alten Bahnen wieder flott sind, setzt die neue Zugsicherung zwingend neue Bahnen voraus. Bisher hat die Stadtspitze das Thema auf die lange Bank geschoben. Statt sich frühzeitig um den Kauf einer neuen Flotte zu bemühen, werden neue Fahrzeuge inzwischen nicht mehr gefördert. Es ist eine zusammenhängende Entscheidungskette, die wenig Aufschub erlaubt: Laut DVG müssen die Beschlüsse noch dieses Jahr fallen.

In der Vergeblichkeitsfalle

Hinzu kommt: Aufgrund neuer Brandschutzbestimmungen stehen Sanierungen der Tunnelanlagen an. Geschätzte Kosten: weitere 150 Millionen Euro. Mit der U-Bahn stecken Stadt und DVG ohnehin in einer Vergeblichkeitsfalle: Zu den Investitionen gibt es keine Alternative. Denn diese hat die DVG bereits durchgerechnet: Die Tunnel-Strecken wieder über die Erde zu verlegen würde noch weitaus mehr Geld kosten.