Weniger Adoption, mehr Pflegefamilie
22.07.2010 | 16:28 Uhr 2010-07-22T16:28:00+0200
Die Zahl der Adoptionen ist in Duisburg seit Jahren rückläufig. Wurden 2001 noch 36 Kinder adoptiert, waren es 2009 nur noch 18 Jungen und Mädchen. Davon bekamen zehn ein neues Stiefelternteil. Woran liegt dieser Rückgang?
Die NRZ sprach darüber mit Jugendamtsleiter Thomas Krützberg. „Die Verhütung ist auf einem guten Weg“, nennt Thomas Krützberg den ersten Grund für den Adoptionsrückgang. Die meisten jungen Menschen kennen die Methoden, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Deshalb werden auch weniger Kinder zur Adoption freigegeben. Die meisten Adoptionswilligen wollen „ein ganz gesundes, hübsches Kind, das möglichst nur einen Tag alt sein soll“. Doch diese Neugeborenen gibt es kaum. Stattdessen gibt es „Dreieinhalbjährige, die schon einiges erlebt haben“. Solche Kinder seien für künftige Eltern natürlich schwieriger zu erziehen.
Aber auch die Bereitschaft von Eltern, ihr Kind zur Adoption frei zu geben, ist rapide gesunken, so der Jugendamtsleiter. Stattdessen werde immer häufiger das Instrument Pflegschaft angewandt, bei dem die leiblichen Eltern ihre Rechte und Pflichten nicht gänzlich abtreten.
Die Hollywood-Mode, Kinder aus Dritte-Welt-Ländern zu adoptieren, ist in Duisburg vollkommen out. „Wir hatten vor 20 Jahren mal eine Welle, Kinder aus Vietnam zu adoptieren, vor zehn Jahren war es dann eine Zeit lang Südamerika“, erzählt Krützberg. Aber das sei lange vorbei. „Viele Länder wollen, dass die Waisenkinder im eigenen Land aufwachsen.“ Deshalb werde die Auslandsadoption oft verboten, oder aber zumindest mit immensen Hürden versehen. „Zumal diese Kinder irgendwann wissen wollen, weshalb sie anders aussehen als ihre Freunde. Das kann für die Familien schwierig werden“, weiß Krützberg aus Erfahrung.
Eine weitere Erfahrung hat er ebenfalls gemacht: „Adoptionskinder wollen immer wissen, wo ihre echten Wurzeln sind, wo sie herkommen. Das hat nichts mit der Beziehung zu den Adoptionseltern zu tun, sondern ist ganz natürlich.“
Oft hochdramatisch
Hier wartet auf das Jugendamt ein immer größer werdender Teil der Arbeit. Thomas Krützberg: „Denn diese Begegnungen zwischen Kind und leiblichem Elternteil sind oft hochdramatisch.“

12:29
Der Wunsch ein Kind zu adoptieren ist nach wie vor auch in Deutschland ungebrochen, doch allein schon der zu betreibende bürokratische Aufwand welcher mit enorm hohen kosten verbunden schreckt viele Interessenten ab. Und wer aus dem Ausland ein Kind adoptieren möchte muss dann schon fast ein Millionär sein und zum anderem versperren sich immer mehr Länder Kinder für eine Auslandsadoption frei zugeben.