Wenig ist geblieben vom jüdischen Leben

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Die Ausstellung „Noch viele Jahre lang habe ich nachts von Duisburg geträumt“ zeigt auch, wie gründlich das jüdische Leben und seine Spuren in Duisburg ab 1933 getilgt worden sind. Denn es gibt nur wenige Exponate zu sehen, darunter als „Highlight“ ein brauner Wollstoff, so Kuratorin Anne Ley-Schalles. Sie hatte bereits im Stadtmuseum am Johannes-Corputius-Platz im Innenhafen die Ausstellung zur Stadtgeschichte betreut, jetzt sei man froh gewesen, sie als „ideale Kandidatin“ aus der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf abwerben zu können, so Museumschefin Dr. Susanne Sommer.

Wenig ist übrig von diesem fast zerfallenen Tuch, wenig weiß man auch darüber. Es wurde als Knäuel aus dem Boden der zerstörten Synagoge am Junkernweg gerettet und viele Jahre in der Gedenkkapelle der Salvatorkirche ausgestellt. Die Gemeinde Alt-Duisburg hat es dem Zentrum für Gedenk- und Erinnerungskultur geschenkt. „Es handelt sich möglicherweise um die Ummantelung der Thora-Rolle, aber das muss weiter erforscht werden“, sagt Anne Ley-Schalles.

Ein großes Stadtpanorama aus historischen Fotos rahmt die Ausstellung ein, die im Jahr 1918 beginnt. Damit wird bewusst auch eine Zeit abgebildet, als jüdisches Leben selbstverständlich war in der Industrie-, Zuwanderer- und Arbeiterstadt Duisburg. Zum Stadtbild gehörten jüdische Kaufhäuser, Geschäfte und Handwerksbetriebe, die 1875 errichtete große Synagoge, zur Stadtgesellschaft gehörten jüdische Anwälte, Ärzte und Lehrer. Fotos zeigen Sportler wie den Leichtathleten Erich Burg aus dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten bei einem Wettkampf 1935, einen Radausflug der zionistisch-sozialistischen Arbeiterorganisation Poale Zion um 1930 oder fröhliche Gesichter im Synagogenchor 1938.

Dabei hatte mit der „Machtergreifung“ 1933 „die sofortige Abgrenzung begonnen“, so Anne Ley-Schalles. Ein beschämendes Foto vom 22. März 1933 zeigt den „Judenumzug“: Ein SS-Mann hält eine Schere, mit der er dem gedemütigten Rabbiner der ostjüdischen Gemeinde Marcus J. Bereisch den Bart abschneiden wird.

Die Ausstellung zeigt die stetige massive Entrechtung der jüdischen Bevölkerung, erinnert an das Novemberpogrom von 1938, an die „Arisierung“ jüdischer Geschäfte. Vorgestellt werden Familien wie die Sonnenbergs, die an der Dellstraße 14 wohnten, deportiert und in Auschwitz ermordet wurden. Sie stellt Menschen vor, die auswandern oder flüchten konnten. Einer von ihnen war Walter Kaufmann, Schüler am Steinbart-Gymnasium, der von seinen Eltern als 15-Jähriger mit einem der Kindertransporte nach England in Sicherheit geschickt wurde. Er wurde Schriftsteller und wird im Begleitprogramm der Ausstellung sprechen.

Schließlich schaut die Ausstellung über das Kriegsende hinaus bis zur heutigen jüdischen Gemeinde.