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Stadtteilreport (43)

Wehofen - "Schönstes Dorf des Ruhrgebiets"

10.07.2011 | 12:00 Uhr
Wehofen - "Schönstes Dorf des Ruhrgebiets"
Heinz Roggenbauer (links) führt WAZ-Redakteur Willi Mohrs durch „sein“ Wehofen - beim 43. Spaziergang durch Duisburg für einen Stadtteilreport. Foto: Udo Milbret

Duisburg. Sogar die evangelische Kirche sieht aus wie ein Zechenhaus – wenn das kleine spitze Türmchen nicht auf dem Dach wäre. Wehofen, das laut Eigenwerbung und mit einigem Recht „schönste Dorf des Ruhrgebiets“, ist eine Bergbausiedlung in fast reiner Form.

„Wehofen war immer ein Örtchen für sich“, bringt mir Heinz Roggenbauer seinen Stadtteil näher: „Eine schöne grüne Lunge, würde ich sagen.“ Grün und Rot prägen die Optik: Bäume, Gärten, die Ziegelsteine der Häuser, die Namen der Straßen, wahlweise Unter den Linden, Kastanien, Ulmen.

30 Jahre führte Roggenbauer einen Lebensmittelladen an der Dr.-Hans-Böckler-Straße, und nach wie vor kennt er die meisten Bewohner der Siedlung. Einheitlich zweigeschossig säumen die Häuser die Straßen, mal mit Jäger-, mal mit Lattenzaun am Vorgarten, immer von großzügigem Grün verwöhnt im Inneren der akkurat quadratischen Gebäude-Karrees, die überall von prächtigen Bäumen beschattet werden.

„Morgen Ilse“, grüßt Roggenbauer in den ersten Stock Unter den Kastanien, „Morgen Werner“, heißt es an der Ecke Marktstraße: „Hier kennt jeder jeden.“ An der Marktstraße finden sich ein paar Läden, SB-Markt, Bäcker, Blumen, viel mehr ist nicht im Angebot.

Aber einen Hingucker der besonderen Art bietet We­hofen: die katholische Kirche St. Juliana mit ihrem geschwungenen Dach und dem hochaufragenden Turm ein sehenswertes Beispiel für kühne Kirchen-Architektur.

Modern ist auch die Ausstattung der nahen Grundschule mit neuem Lehrschwimmbecken und Solaranlage auf dem Dach. Ein paar wenige Nachkriegsbauten passieren wir, Ausgleich für Bombenschäden, dann die Akazien-Siedlung mit Eigenheimen aus den 60er Jahren – wie die ganz weißen, ganz neuen Eigenheime am Kirchwiesenweg rare Ausnahmen im ansonsten geschlossenen Erscheinungsbild des Stadtteils.

„Drei Trinkhallen“, erfahre ich auf die Frage nach Gastronomie, über uns kreisen die gepflegten Vögel eines Taubenvaters. Jüngeren Datums ist die Altentagesstätte der Awo Am Dyck. Und sehr gut angenommen.

Wehofen in 60 Sekunden
Zahlen und Fakten

Wehofen gehört zum Stadtbezirk Walsum und hat laut städtischer Statistik 7233 Einwohner. Davon sind 3701 weiblichen und 3532 männlichen Geschlechts.

Für die Belegschaft der Zeche Wehofen ließ die zu Thyssen gehörende „Gewerkschaft Rhein I“ ab 1912 die Siedlung Wehofen erbauen. 1918 standen für die Belegschaft 877 Wohnungen zur Verfügung. Zehn Jahre später wurde die Kohlenförderung eingestellt. Die Schachtanlage Friedrich Thyssen 2/5 übernahm die Siedlung, die heute unter Denkmalschutz steht. Vor der Industrialisierung bestand Wehofen, im 11. Jahrhundert erstmals erwähnt, nur aus wenigen Bauernhöfen.

Wir kommen zur August-Thyssen-Straße, einer eindrucksvollen Allee, und zu einem kaum verständlichen Phänomen: Leerstände, „Zu verkaufen“-Schilder, Häuser im grünen Umfeld, an denen aber offenbar viel zu lange viel zu wenig getan wurde. Ganze Häuserzeilen ohne Bewohner, und das nicht erst seit gestern. Roggenbauer: „Das vergammelt dann.“

Eine Straßenecke weiter, In den Bremmen, wird demonstriert, dass es auch anders geht: kernsanierte Häuser, selbstverständlich bewohnt. „Die Grundstücke sind wirklich schön“, schwärmt Roggenbauer von Wohnlage und Bewohnern: „Man ist freundlich und nett zueinander.“

Der Autoverkehr hält sich in Grenzen, nur drei Zufahrten führen in die Siedlung. Für Leben sorgt ein ausgeprägtes Vereinsleben unter dem Dach des Kultur- und Freizeitzentrums von Karneval bis Schach. Und es gibt sogar zwei Bayernvereine, die tief im Westen ihre Tradition aufrecht halten.

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Das ist Duisburg

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Am Rande der Siedlung zeigt mir Roggenbauer einen letzten Rest der Schachtanlage „Rhein I“. Die „Alte Schmiede“, dekoriert mit einer alten Kohlenlore, dient jetzt als Ort für kulturelle Veranstaltungen, dahinter geht’s ins Grüne. Weiteres Zechen-Überbleibsel ist die alte Mauer an der Schachtstraße, die fortgesetzt wird in Form der gepflegten Hecke des Kleingartenvereins. Wehofen, erklärt mir Roggenbauer, ist ideal fürs Radeln, ob zum Rhein oder nach Sterkrade. Stillgelegte Bahntrassen wurden entsprechend umgenutzt.

Letzte Station der Stadtteilerkundung ist die Straße Im Winkel mit feinen, gediegenen eingeschossigen Häusern im Grünen, aufwendigen Windfängen, dazwischen ein herausragender Prachtbau mit Spitzbogen-verzierter Fassade. Die Architektur-Sprache ist deutlich: „Wer hier das Wohnen hat, hat das Sagen.“

Willi Mohrs



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