Wedau – Mit der Bahn fing alles an

Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
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Duisburg.. „Wedau liegt total im Grünen“, schwärmt Wolfgang Gebhard. Rund um den Markt befindet sich jedoch das Herzstück des Stadtteils: eine ausgedehnte Siedlung. Mit ihrem Baubeginn 1913 fing die Geschichte des Stadtteils an.

Hoch hinaus wollen die Herren mit mir: Erst geht’s per Rad auf eine Anhöhe, 80 Meter über dem Meeresspiegel, dann per Treppe weitere 21 Meter in die Höhe. Wedau von oben soll ich vom stählernen Aussichtsturm sehen, meinen Wolfgang Gebhard und Bernd Piplack vom örtlichen Bürgerverein. Und was ich sehe, ist – überwiegend – grün.

„Wedau liegt total im Grünen“, schwärmt Gebhard, und unser Blick geht über die Seenplatte, einer Reihe früherer Baggerseen, die in den letzten Jahrzehnten wieder Natur geworden sind oder beste Adressen für vielfältige Freizeitnutzungen von Angeln über Baden bis Segeln und Wandern.Related content

Erste Etappe unserer Wedau-Erkundung ist der Wambach-See. Unter Bäumen geht’s am Ufer entlang, und Überraschendes wartet in Wipfeln und Gebüschen: Kobolde foppen den unvorbereiteten Spaziergänger, Fabelwesen von Künstlerhand. Am anderen Ufer sehen wir in die Gärten großzügiger Villen, eine erste Adresse und, so Gebhard, „nur wenigen gegönnt“.

Deutlich schlichter, aber ebenso in Grün eingebettet, präsentiert sich die „Kupferhütten-Siedlung“, die in den 30er Jahren für Mitarbeiter des Hochfelder Traditionsunternehmens entstanden ist und in den 50ern nochmals erweitert wurde. „Jeder musste dem anderen helfen“, schildert Gebhard das genossenschaftliche Prinzip des damaligen Wohnungsbaus. Eine Folge: ein Zusammenhalt unter den Bewohnern, der Jahrzehnte nach der Bauzeit noch Bestand hat. Stets gut besuchte Straßenfeste künden noch heute davon.

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Rund um den Markt befindet sich das Herzstück des Stadtteils, eine ausgedehnte Siedlung in einheitlichem Baustil, der aber niemals langweilig wird. Fassadendetails zeugen von der Fantasie der Architekten, die sich vor ziemlich genau 100 Jahren wohl ihre ersten Gedanken über Wedau gemacht haben dürften. 1913 begann nämlich der Bau der Siedlung, aus der einmal Wedau werden sollte. Der Grund: die Eisenbahn.

Spezial Mit der Bahn begann nämlich alles. Sie brauchte Platz für ausgedehnte Rangieranlagen am Rande des Ballungsraumes Ruhrgebiet, sie brauchte technische Einrichtungen für die Wartung von Strecken und Fahrzeugen, sie brauchte einige tausend Arbeitskräfte und für die wiederum Wohnungen möglichst in der Nähe der Arbeitsstätten. Wedau ist als Eisenbahnerwohnort entstanden, Eisenbahner prägen immer noch den Stadtteil, auch wenn Rangierbahnhof und Ausbesserungswerk längst Geschichte sind, wenn am Ulmenhof schon ein von den Schützen gepflegtes Denkmal an die bewegte Historie erinnert. Und die Häuser, in denen viele geboren und geblieben sind, wurden unter Denkmalschutz gestellt, privatisiert, modernisiert, aber der Charakter blieb erhalten. Piplack: „Es hat Flair.“ Längst hätten junge Leute von außerhalb den Charme der alten Dorf-Struktur entdeckt und auch den der Wedauer Nachbarschaft: „Man grüßt sich hier, auch wenn man sich nicht kennt.“

Ein reines Idyll also, dieses Wedau? Ein paar Wünsche haben Gebhard und Piplack schon: Die Reiterstaffel hätte man gerne wieder, damit die berittenen Streifen den Vandalismus rund um die Seen im Zaume halten. Und ein Sponsor wird gesucht für den großen Saal, der einst Kino und Theater Platz bot.

Im Grünen begann der Rundgang, im Grünen endete er: Kleingärten, soweit das Auge blickt, eine Sportanlage, die an Ausdehnung und Pflegezustand ihresgleichen sucht. Und wer steckt dahinter? Dumme Frage in Wedau – es sind natürlich der Eisenbahner-Kleingartenverein und der Eisenbahner-Sportverein (www.etus-wedau.de).