Was die Zeche Westende und der Duisburger Hafen gemein haben

Das Torgebäude der früheren Zeche Westende an der Mühlenfelder Straße.
Das Torgebäude der früheren Zeche Westende an der Mühlenfelder Straße.
Foto: Ute Gabriel / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Mitte der 50er-Jahre wurde durch geplante Bergsenkungen der Duisburger Hafen "tiefergelegt". Dafür sorgten die Bergleute der Zeche Westende.

Duisburg.. Senkrechte Betonmauern an den Straßenseiten, unten Kopfsteinpflaster, oben mächtige Gasleitungen und angejahrte Stahlbrücken, ein Gasometer im Rücken und im Blick ein Gebäude, von Plakatresten verschandelt: Es gibt lieblichere Ecken in der Stadt, aber wohl kaum eine, die von so viel Ingenieurskunst und Wagemut kündet.

Nüchterne Industriearchitektur aus Backstein und Stahl, wer unerschrocken oder neugierig ist, kann durch eine Toreinfahrt die rückwärtigen Gebäudeteile erkunden, aber nichts Spektakuläres ist erhalten geblieben von der Zeche Westende, zu der der erhaltene Torbau an der Mühlenfelder Straße gehörte. Aber an dieser Stelle wurde einst Geschichte geschrieben. Von einem „bergtechnisch schwierigen und volkswirtschaftlich außerordentlichen Vorhaben“ berichtet der Hamborner Heinrich Bode, selbst früher im Bergbau tätig und unter anderem durch das Studium alter Werkzeitschriften zum Fachmann für die Zechengeschichte im Raum Meiderich, Ruhrort, Laar und Beeck geworden.

Duisburger Hafen drohte, vom Rhein abgeschnitten zu werden

Es ging nämlich in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts um nichts Geringeres als um die Zukunft des Duisburger Hafens, der damals kurz vor seinem 250. Geburtstag stand, aber vom Rhein abgeschnitten zu werden drohte. Der Strom hatte sich immer tiefer in sein Bett gefressen, den Hafenbecken und Kanälen drohte die nötige Tiefe für die Schiffe zu verlieren.

Nun traf es sich, dass man unter dem Hafen bis dahin nur sehr zurückhaltend Kohle abgebaut hatte, von der in der Tiefe aber jede Menge lag. So vereinbarten Hafen und Bergbau 1951, das Hafengelände um bis zu zwei Meter abzusenken durch raffiniert geplanten und durchgeführten Kohleabbau in Teufen von 100 bis 600 Meter.

Kumpel der Zeche Westende hatten im Juli 1968 ihre letzte Schicht

Was sagt der Fachmann dazu? „Mehrere Flöze wurden in unregelmäßiger Reihenfolge abgebaut“, berichtet Bode: „Durch diese Abbaumethode konnten Pressungen und Zerrungen neutralisiert und größere Schäden an den Hafenbauwerken vermieden werden.“

So weit, so gut, aber nachhaltig geholfen hat das unterirdische Meisterstück dem Hafen, nicht der Zeche Westende. Die Kumpel der Schachtanlage fuhren im Juli 1968 zur letzten Schicht an, nach einer Gesamtförderung von 48.881.595 Tonnen seit 1909. Begonnen hatte die Geschichte der Zeche schon viel früher und sie war in ihrer Anfangszeit Mitte des 19. Jahrhunderts erstaunlich europäisch, weil Investoren aus Belgien, England und Frankreich Geld an die Ruhr brachten. So wurde erst 1880 die Verwaltung des Bergwerks nach Meiderich verlegt. Vorher war sie in Paris. Auch nicht schlecht.