Warum Waffenattrappen kein Spielzeug für Jugendliche sind

Rainer Wiegand von der Kriminaltechnischen Untersuchungsstelle der Duisburger Polizei zeigt hier eine echte M 16 (hinten) und das gleiche Modell als Anscheinswaffe.
Rainer Wiegand von der Kriminaltechnischen Untersuchungsstelle der Duisburger Polizei zeigt hier eine echte M 16 (hinten) und das gleiche Modell als Anscheinswaffe.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Gefahrenherd Anscheinswaffen: Die Ähnlichkeit mit echten Pistolen und Gewehren ist so groß, dass sie kaum noch voneinander zu unterscheiden sind.

Duisburg.. Die Polizei stellt in Duisburg Jahr für Jahr 20 bis 30 Anscheinswaffen sicher. Dabei handelt es sich größtenteils um Softair-Waffen. Diese Attrappen sehen den Original-Pistolen und -Gewehren inzwischen derart ähnlich, dass sie blitzschnell mit diesen verwechselt werden können. Sie schießen keine „scharfe“ Munition, sondern Plastikkügelchen oder Erbsen. Wegen der hohen Verwechslungsgefahr erfüllt das Mitführen einer Anscheinswaffe – also das Tragen in der Öffentlichkeit – bereits den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit.

„Wir greifen fast immer Kinder und Jugendliche damit auf“, berichtet Detlef Völkel, Sachgebietsleiter für Waffenrecht in der Polizeiverwaltung. Die Folgen: Geldstrafen in Höhe zwischen 100 und 200 Euro sowie ein Belehrungsgespräch mit den Eltern im Polizeipräsidium. Vor allem letztere Maßnahme erfülle meistens den gewünschten Effekt. Drastischere Maßnahmen werden ergriffen, sollte jemand eine Luftpistole oder eine Farbmarkierungswaffe („Gotcha“- Waffen mit Farbmunition) bei sich tragen. Für das Mitführen sei dafür ein Waffenschein vonnöten. Liege ein solcher nicht vor, so Völkel, handelt es sich um eine Straftat.

Waffen werden im Asservatenraum gelagert

Knapp die Hälfte der in Duisburg aufgegriffenen Anscheinswaffen wurden im Zusammenhang mit Straftaten sichergestellt. In diesem Moment landen sie bei der Kriminaltechnischen Untersuchungsstelle (KTU) der Polizei. Dort arbeitet Rainer Wiegand. Der 57-Jährige – der aus Duisburg stammt, nun aber in Oberhausen lebt – ist seit 1980 bei der Polizei und seit 19 Jahren bei der KTU. Er zeigt im Präsidium auch das beschlagnahmte Arsenal der echten und der Anscheinswaffen. Diese sind im scharf gesicherten Asservatenraum gelagert.

Schüsse

„Dies ist eine echte M 16“, sagt Wiegand, als er das Sturmgewehr der US-amerikanischen Truppen aus einem der Schränke hervorholt. „Und das hier ist das gleiche Modell als Anscheinswaffe.“ Die Ähnlichkeit ist verblüffend. Schon aus zwei Metern Entfernung ist kaum noch ein Unterschied zu erkennen. Erst in der Nahbetrachtung sticht das verarbeitete Plastik der Spielzeugwaffe ins Auge.

Anscheinswaffen ähneln den echten Schusswaffen immer mehr

„Früher waren die Anscheinswaffen vom Gewicht her viel leichter und meistens ausschließlich aus Plastik gefertigt“, erklärt Wiegand. Jetzt seien sie immer originalgetreuer – mit mehr verarbeitetem Metall und teils elektrisch betrieben, um in kürzester Zeit mehr Plastikgeschosse abfeuern zu können. Das gilt zum Beispiel auch für die Softair-Nachbildung der russischen Pistole Tokarev.

Beschlagnahmte Waffen und Munition bleiben in der Asservatenkammer, bis sie als Beweisstück bei Prozessen ausgedient haben. Das dauert einige Monate, manchmal auch Jahre. Jede (echte) Waffe wird zudem im Beschussraum dreimal abgefeuert, das Projektil landet in einem Wasserbecken. Die Munitionsreste werden dann zum Landeskriminalamt (LKA) geschickt und dort weiter untersucht. Jede Waffe lässt nämlich beim Abfeuern einzigartige Spuren auf Hülse und Projektil zurück. „Und so wird für uns klar, ob die Waffe vielleicht zuvor schon bei einer anderen Straftat zum Einsatz gekommen ist“, erklärt Wiegand. „So können wir Tatzusammenhänge herstellen.“