Warum Duisburgs Kämmerer nicht wiedergewählt werden will

Duisburgs Stadtkämmerer Dr. Peter Langner.
Duisburgs Stadtkämmerer Dr. Peter Langner.
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Was wir bereits wissen
Warum Peter Langner mit 62 Jahren in den Ruhestand gehen will und was auf seinen Nachfolger zukommt, der jetzt erst noch gefunden werden muss.

Duisburg.. Der Kämmerer ließ sich etwas Zeit mit der Beantwortung der Frage. Eine Woche nach der schriftlichen Anfrage ruft er aus dem Auto an. Es ist einiges los in diesen Tagen, wie immer geht es ums Geld. Aber er stehe „voll im Saft“, sagt Dr. Peter Langner. Und wie immer erledige er seine Aufgabe pflichtgemäß. „Und mit großer Freude“, fügt er hinzu.

Wie das gelingt, dürfte für Außenstehende mitunter schwer nachvollziehbar sein. Der Kämmerer ist für die Finanzen der Stadt verantwortlich. Ein Job, der beim Blick auf die Kassenlage eher wenig Freude vermittelt.

24 Jahre in einer Funktion

Stadt-Haushalt Die Stadt hat mehr Schulden als Vermögen, selbst wenn man jede Straße und jeden Feuerwehrschlauch mitzählt. Ein Sparpaket jagt das nächste, und darüber zu entscheiden, sei gewiss nicht „vergnügungssteuerpflichtig“, formulierte es Langner in seiner letzten Haushaltsrede. Duisburg hat einen Not-Haushalt, ein Haushaltssicherungskonzept und einen Haushaltssanierungsplan hinter sich. Und dennoch rennt der Kämmerer seit seinem Amtsantritt vor 15 Jahren bislang vergeblich einem ausgeglichen Haushalt hinterher. Und damit war Langner auch so etwas wie die Konstante der Geldpolitik im Duisburger Rathaus.

Im Herbst könnte der Rat ihn ein drittes Mal wählen. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler ist 62 Jahre alt. Das Beamtengesetz sieht für den Jahrgang ein Dienstaustrittsalter von 65 Jahren und sieben Monaten vor. Bedeutet: Langner könnte noch mindestens bis Herbst 2018 Kämmerer bleiben, durch Sonderregelungen sogar für drei weitere Jahre. Doch Langner antwortet auf die ursprünglich gestellte Gretchenfrage, ob er denn überhaupt weitermachen werde: „Nein. Ich werde in den Ruhestand gehen.“

Dienstältester Kämmerer

Seine Amtszeit endet am 17. Januar. Dann sei er 24 Jahre lang Kämmerer gewesen, acht Jahre in Gelsenkirchen, 16 Jahre in Duisburg. „Sie werden in der Region keinen Kämmerer finden, der mehr Dienstjahre auf dem Buckel hat. Ich bin Lichtjahre von dem nächsten Dienstältesten entfernt“, sagt Langner. Und sieht damit Grund genug, einen beruflichen Schlussstrich zu ziehen.

Seine Entscheidung und die Beweggründe hat er den Fraktionsspitzen bereits mitgeteilt. Denn die müssen mitspielen. Die Wiederwahl steht durch gesetzliche Vorgaben zwischen Mitte Juli und Mitte Oktober an. Laut der Gemeindeordnung wäre Langner verpflichtet, eine zweite Wiederwahl anzunehmen. Schlägt ihn dafür aber niemand vor, gerät er auch nicht unter Zugzwang. Allerdings beginnt damit die Suche nach einem Nachfolger.

Die Politik hat das Thema eigentlich erst ab der Sommerpause auf der Agenda. Hinter den Kulissen dürften die Fühler aber bereits ausgestreckt sein. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich die Suche nach passgenauen Kandidaten nicht einfach gestaltet. Und dass jemand den Spitzenjob im Rathaus ergattert, der alleine über die übliche Ausschreibung im Bewerber-Topf gelandet ist, hat eher Seltenheitswert. Zudem muss in der Regel das Parteibuch zu den Mehrheitsverhältnissen im Rat passen.

2016 soll Duisburg einen ausgeglichenen Haushalt haben

Zum Anforderungsprofil dürfte auch ein dickes Fell gehören. 2016 wird Duisburg nach derzeitiger Prognose erstmals nach 1992 einen Haushaltsausgleich schaffen. Sprich: Die Stadt gibt in einem Jahr nur so viel Geld aus wie sie einnimmt. Es dürfte Langners größter Erfolg sein. Die Durststrecke hält aber bis 2021 an: Bis dahin wird die Landeshilfe von derzeit 56 Millionen Euro auf Null gefahren. Die Probleme werden aber nicht weniger. Und sollten erst die Zinsen für die Milliarden-schweren Kredite anziehen, drohen neue Millionen-Löcher. Wenn dann jemand neue Sparrunden einläuten oder den Geldhahn zudrehen muss, dann ist das eben der Kämmerer, der dafür öffentlich den Kopf hinhält.

Langner hatte bei seiner ersten Wiederwahl erklärt, kein „emotionsloser Buchhalter“ sein zu wollen. Womöglich ist aber genau davon eine gewisse Portion nötig, um den Job überhaupt unbeschadet überstehen zu können.