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Warum Besucher der Zentralbibliothek Ohrstöpsel ziehen können

13.12.2012 | 12:00 Uhr
Warum Besucher der Zentralbibliothek Ohrstöpsel ziehen können
Inzwischen können die Besucher der Zentralbibliothek auch Ohrstöpsel ziehen.Foto: Sinan Sat / WAZ Fotopool

Duisburg. Seit dem 6. Dezember können Besucher der Zentralbibliothek im Eingangsbereich bunte Ohrstöpsel ziehen. Aber sind die bunten Ruhespender in der eh schon leisen Bibliothek wirklich nötig? Eindrücke eines Selbstversuchs.

Komplette Ruhe für einen Euro

Gleich zwei Grundschul-klassen besuchen an diesem Vormittag die Bücherei . Auch wenn die Lehrerinnen ihre Schüler eindringlich zur Ruhe auffordern: Ganz leise geht der Besuch natürlich nicht vonstatten. Nach ein paar Minuten hört sich das Kindergeflüster dann doch eher an wie ein Bienenschwarm. Da kommt das neue Angebot in der Bibliothek gerade richtig.

Am Treppenaufgang im Erdgeschoss steht ein Automat, der optisch an die alten Kaugummiautomaten erinnert. Jedoch befinden sich in dessen durchsichtigem Behälter praktische Ohrstöpsel. Sie wurden in den USA gefertigt, sind aus weichem Schaumstoff, knallbunt und versprechen für einen Euro komplette Ruhe.

Beschwerden gab es zuvor nicht

Wir haben Glück: Für unseren Euro erhalten wir sogar zwei Kugeln mit Ohrstöpsel . Unser Vorgänger hat da wohl einen Fehler gemacht und seine Ware vergessen. Bislang wurden offensichtlich schon einige Stöpsel gezogen. Der Speicher ist jedenfalls nicht mehr randvoll. „Die Idee kommt aus wissenschaftlichen Bibliotheken. Dort werden sie mit großem Erfolg verwendet. Der Automat steht testweise. Beschwerden über einen zu hohen Lärmpegel gab es hier nie. Es ist ein Zusatzangebot“, verrät Petra Dobler-Wahl von der Stadtbibliothek.

Wir gehen hoch in die zweite Etage. Dort ziehen sich Schüler und Studenten häufig zum Lernen zurück – so wie die angehenden Abiturienten Yesim Memis und Behcet Gedikoglu, die regelmäßig extra aus Meiderich in die Stadtmitte kommen. Von der Betriebsamkeit, die im Erdgeschoss herrscht, ist hier oben rein gar nichts mehr zu spüren. Geschweige denn zu hören. Es ist sehr ruhig. „Unsere Kunden nehmen sehr viel Rücksicht “, lobt Dobler-Wahl.

Wie ein Schalldämpfer

Wir nehmen trotzdem unsere lila-weißen Stöpsel aus der Verpackung und stopfen sie in die Ohren . Sofort wird es mucksmäuschenstill. Selbst Nebengeräusche wie eine zufallende Tür oder Schritte anderer Besucher sind nicht mehr zu hören. Die Stöpsel wirken wie ein Schalldämpfer. Für den, der einfach nur ruhig in einem Buch stöbern möchte, sind sie also ideal.

Der Schaumstoff fühlt sich zudem angenehm an. „Das gleiche Modell wird auch in der amerikanischen Nascar-Rennserie benutzt“, berichtet Dobler-Wahl. Den Praxistest haben die Ohrstöpsel auf jeden Fall bestanden. Ob sie notwendig sind, muss schlussendlich jeder selbst entscheiden.

Manch einer schätzt ja auch ein wenig Leben um sich herum. Nach unserem Büchereibesuch verstauen wir die weichen Schaumstoffstöpsel wieder sorgfältig in der Tasche. Wer weiß, wann man sich das nächste Mal etwas mehr Ruhe wünscht. . .

Von Martin Schroers

Kommentare
13.12.2012
17:54
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2012-12-13 12:00
Duisburg, Bibliothek, Bücherei, Ohrstöpsel, Ruhespender, Lärm
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