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Warum Ärzte und Aufklärer den Aids-Song anprangern

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Aids- und Nazi-Songs der Bandbreite spalten Homosexuelle vor dem CSD
Am 28. Juli soll die Band „Die Bandbreite“ beim Christopher Street Day in Duisburg auftreten. Kritiker werfen den Musikern Schwulenfeindlichkeit vor. Deren Song „AIDS“ beschuldigt zudem die US-Regierung, HIV verbreitet zu haben.

Zu dem Schweizer, der bei einem „Anti-Zensur-Koalitions-Kongress“ 2009 mit dem eidgenössischen Präsidenten der Scientology-Kirche und Holocaustleugner Bernhard Schaub auftrat, erklärte Wojnarowicz 2011 im Gespräch mit DerWesten: „Man kann auch politisch gemeinsam mit Leuten für eine Sache eintreten, deren Standpunkte zu bestimmten Themen man nicht 100-prozentig teilt.“

Nun also Wolfgang Eggert. Als Kenner etlicher Verschwörungs-Bausätze versteht es Wojnarowicz, reale Bezugspunkte zu diesem Buch als Indizien anzuführen. Eggert bereite lediglich die Thesen Jakob Segals auf. Der war in der DDR Professor an der Humboldt-Universität. Der Biologe äußerte im Kalten Krieg den Verdacht, HIV sei möglicherweise das Ergebnis militärischer Experimente in den USA. Unklar ist, inwieweit diese These Teil einer KGB-Kampagne war, mit der der sowjetische Geheimdienst die USA der HIV-Verbreitung beschuldigen sollte.

Aspirin hat „nachgewiesen keine Wirkung bei HIV-Infizierten“

Kritisiert den AIDS-Song der Bandbreite und bittet die Gruppe darum, das Lied beim CSD nicht zu spielen: Dietmar Heyde, Geschäftsführer der Aidshilfe Duisburg/Kreis Wesel. Foto: Hayrettin Özcan / WAZ FotoPool

Die nun von der Bandbreite vertonte Theorie zu HIV-Entstehung und blockierter ASS-Forschung entsetzt und verärgert auch Duisburger Experten. „Es sollte bedacht werden, dass wir nach und nicht vor der Zeit der Aufklärung leben“, kommentiert zum Beispiel Dr. Ingulf Becker-Boost das Lied. Der Arzt aus dem Gesundheitszentrum am Sittardsberg ist der einzige Infektiologe in der Stadt. Er behandelte in den 80ern den ersten HIV-Patienten in den Wedau-Kliniken und betreut zurzeit mehr als 200 Infizierte. Er verweist zum Ursprung des Virus und zur ASS-Therapie auf die wissenschaftlichen Standards beziehungsweise die wirksame antiretrovirale Therapie (ART). Aspirin habe bei HIV „nachgewiesen gar keine Wirkung – außer Nebenwirkungen“.

Dem Duisburger Medizinier und den Ergebnissen der seriösen Forschung widerspricht Detlef Rohm nichtsdestotrotz. Er ist der Vorsitzende des Vereins „Neue Wege in der HIV-Therapie“ und bestreitet nicht, dass die Vereinigung der Bandbreite „auch ein wenig Geld“ für den Rap auf ihre unerforschten Thesen zahlte. Nach eigenen Angaben entwickelt Rohm als Biologe „für die Pharmaindustrie Medikamente im plasmatischen Bereich“. Er behauptet allen Ernstes, was niemand je beweisen konnte: Das spottbillige und daher für die Pharmaindustrie uninteressante ASS könne die Latenzzeit von der Infektion bis zum Ausbruch von Aids verlängern. Dass die scientific community diesen Ansatz als widerlegt beziehungsweise unsinnig einstuft, ficht ihn nicht an.

Thabo Mbeki
Knoblauch für Aidskranke

Thabo Mvuyelwa Mbeki war von 1999 bis 2008 Staatspräsident Südafrikas. Mbeki bestritt den Zusammenhang zwischen HIV und Aids und behauptete, Armut sei die Hauptursache von Aids. Zur Behandlung empfahl das südafrikanische Gesundheitsministerium etwa Knoblauch und Olivenöl. Untersuchungen kommen zum Ergebnis, die Ablehnung der gängigen Therapien während Mbekis Amtszeit habe über 300.000 Aids-Kranke das Leben gekostet und „etwa 171.000 vermeidbare neue Infektionen mit HIV“ (Wikipedia: Thabo Mbeki, 27. Juni 2012) zur Folge gehabt. (pw)

Dr. Ingulf Becker-Boost verurteilt im Gegenzug schon die „Suggestion, mit hochdosierter und ziemlich toxischer Acetylsalicylsäure könne HIV bekämpft werden“. Dadurch könnten schlimmstenfalls Patienten vor der Inanspruchnahme wirksamer Medikamente abgehalten werden, befürchtet der Arzt. Er verweist zur Verdeutlichung auf das „unselige Wirken“ des ehemaligen südafrikanischen Staatspräsidenten Thabo Mbeki (siehe Infobox). Darum sei es auch „gut“, so Becker-Boost, dass kein Mitglied des Vereins „Neue Wege…“ zur Behandlung von HIV-Patienten zugelassen ist.

„Lieber seriös, differenziert und unideologisch aufklären“

Dietmar Heyde, Geschäftsführer der Aidshilfe Duisburg/Kreis Wesel, kennt den Förderverein „Neue Wege …“ ebenfalls. Der Aidshilfe habe der Verein immer mal wieder Geld gespendet. An Heydes Urteil ändert das nichts: Dass der Verein und die Bandbreite „billige Therapien als Heilmittel vorgaukeln“, helfe bei der Bekämpfung der Seuche in Entwicklungsländern nicht. Im Gegenteil, so Heyde: „Das spielt Aids-Leugnern dort doch in die Karten.“ Eine kritische Auseinandersetzung mit der Entwicklungspolitik der USA und der Pharmaindustrie sei zwar „nachvollziehbar und angebracht“. Die Aidshilfe aber wolle „anders als die Bandbreite lieber weiter seriös, differenziert und unideologisch aufklären“.

Darum werde der Verein „als letztes Mittel“, so Heye, auch die eigene Beteiligung am CSD in Duisburg überprüfen, sollte die Bandbreite dort auftreten. Der Band hat er deswegen auch eine Mail geschrieben: „Ich habe sie darin gebeten, den Aids-Song nicht auf dem CSD zu spielen.“ Eine Antwort hat Dietmar Heyde noch nicht erhalten.

Der Link zum Video "Aids" von Bandbreite auf YouTube

Philipp Wahl

Kommentare
29.06.2012
09:51
Aids- und Nazi-Songs der Bandbreite spalten Homosexuelle vor dem CSD
von Syndikus | #21

Soweit mir bekannt ist, waren weite Teile der SA-Führung schwul. Beim "Röhm-Putsch" wurden mehere SA-Führer im Bett getötet - neben ihren jeweiligen...
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Aids- und Nazi-Songs der Bandbreite spalten Homosexuelle vor dem CSD
Aids- und Nazi-Songs der Bandbreite spalten Homosexuelle vor dem CSD
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http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/aids-und-nazi-songs-der-bandbreite-spalten-homosexuelle-vor-dem-csd-id6817083.html
2012-06-27 23:00
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