Wanderer erleben Natur und Industrie an Duisburgs Rheinufer

Es müssen nicht immer Berge sein: Wandern am Rhein macht Roland Klemann genauso viel Spaß.
Es müssen nicht immer Berge sein: Wandern am Rhein macht Roland Klemann genauso viel Spaß.
Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Auf seiner Homepage stellt Roland Klemann schöne Wanderrouten in NRW vor. Eine Tour führt von Baerl nach Orsoy und am Rhein zurück zum Ausgangspunkt.

Duisburg.. Zum Wandern in die Berge, in dichte Wälder, über weite Felder – oder einfach mal direkt vor die Haustür. Wanderwege gibt es eigentlich überall. Wer die Augen offen hält, entdeckt die kleinen Aufkleber, Schildchen oder aufgepinselten Zeichen hier und da am Wegesrand, an Laternenpfählen, an Bäumen, Bänken oder Wegweisern.

Wandern Auch in Duisburg gibt es solch ausgewiesenen Wanderwege: die weißen Buchstaben DU auf schwarzem Untergrund, ein X, ein A, ein Winkel, das Sonnenzeichen des Jakobsweges. Aus seiner Internetseite stellt Roland Klemann aus Teilstücken solcher markierten Wege eigene Routen zusammen. Einer seiner Vorschläge führt nach Duisburg an den Rhein.

Der 40-jährige Gladbecker ist leidenschaftlicher Wanderer. „Das ist mein großes Hobby, seit bestimmt 20 Jahren“, sagt er. Das zweite große Hobby des Informatikers: Webdesign. Was lag da näher, als irgendwann eine eigene Homepage zu gestalten, die beide Hobbys miteinander verknüpft? Ende 2007 ging wanderwege-nrw.de an den Start. Seither veröffentlicht Klemann dort Vorschläge für Strecken- und Rundwanderungen in ganz NRW.

126 Wandervorschläge in ganz NRW

126 Wandervorschläge sind derzeit auf seiner Seite zu finden. Eine der drei Duisburger Routen führt Wandersleute und Spaziergänger über abwechslungsreiche Pfade von Baerl über die Stadtgrenze Duisburgs nach Orsoy und am Rhein entlang zurück. „Der Rhein ist immer ein schönes Ziel, finde ich“, begründet Roland Klemann seine Wahl.

Los geht es an einem kleinen Parkplatz nicht weit vom Ufer des Flusses entfernt. „Wir folgen zunächst dem Duisburger Rundwanderweg“, sagt Klemann. Insgesamt ist die Rundstrecke, die sich an der Stadtgrenze Duisburgs orientiert, 88 Kilometer lang. Für seine Strecke hat sich der Gladbecker aber nur einen kleinen Teil der mit den Buchstaben DU gekennzeichneten Wege ausgesucht.

In vier Stunden von Baerl nach Orsoy – und zurück

16,2 Kilometer lang ist seine Route. Das entspricht etwa dreieinhalb bis vier Stunden Gehzeit. Rund die Hälfte der Strecke bietet Blick auf den Rhein. Ein Teil des Weges verläuft direkt am Ufer. „Wenn der Rhein Hochwasser führt, kann man das Stückchen dann allerdings leider nicht gehen“, weiß Roland Klemann.

Wandertipp Zunächst aber Kehrt der Wanderer dem Rhein den Rücken, der Weg führt weg vom Strom. Zum Wasser geht es trotzdem. Ein paar Hundert Meter durch ein Wohngebiet, dann weiter durch den Baerler Busch, gelangt man nach wenigen Minuten an den Lohheidesee. Idyllisch ist es dort. Bänke laden zur Rast mit Blick aufs Wasser ein. „Wenn ich mit meinen Freunden unterwegs bin, sagen wir zwar immer: 'Die erste Pause gibt’s erst bei zweistelliger Kilometerzahl', aber das Schöne an dieser Strecke ist ja, dass sie für Jedermann geeignet ist und viele Rastmöglichkeiten bietet.“

Kleiner Helfer: ein GPS-Gerät zeigt den richtigen Weg an

Weiter geht es um den See herum, ein kurzes Stück über asphaltierte Straße und dann an den Bahngleisen entlang Richtung Orsoy. Links der Bahndamm, rechts Weiden, auf denen ein paar Kühe grasen. Ein Reiher schaut – erstarrt vor Schreck – zu den Wanderern herüber. Immer wieder wirft Klemann einen prüfenden Blick auf sein GPS-Gerät.

Die Wanderroute hat er von seiner Internetseite als GPS-Track auf das Gerät geladen. „Das ist schon eine schöne Sache“, sagt er, eine Karte helfe aber genauso gut. „Das allerwichtigste beim Wandern sind sowieso die Schuhe“, betont er.

Bis es eine Route auf auf Klemanns Internetseite schafft, braucht es seine Zeit. „Zwei-, dreimal wander ich die Strecke selbst“, sagt er. Sind alle Wegmarkierungen erkennbar? Gibt es vielleicht einen hübschere Alternativweg? Stimmt die Karte? Ein paar Eindrücke von der Strecke hält er mit dem Fotoapparat fest. Die Arbeit am Rechner dauert dann noch einmal sechs, sieben Stunden.

Neue Fotos für die Website

Weil die Baerl-Orsoy-Route schon relativ lange auf seiner Seite aktiv ist, nutz Klemann die Wanderung, um die Strecke zu überprüfen und neue Fotos zu schießen. „Ich bekomme immer mal wieder Hinweise, dass Wegmarkierungen fehlen oder sich Wege verändert haben“, erzählt er. „So was aktualisiere ich dann bei Gelegenheit.“

Gut die Hälfte der Strecke ist mittlerweile geschafft. An Orsoys historischer Stadtmauer verlässt Klemann den Duisburger Rundwanderweg DU und folgt ein kurzes Stück dem Jakobsweg in verkehrter Richtung. Vorbei am Pulverturm von 1550 eröffnet sich hinter dem Rheintor der Blick aufs Wasser, auf die alte Fähranlage in Walsum.

Vom Deich aus zeigen sich dem Wanderer die typischen Ruhrgebietskontraste: ein Mix aus Natur und Industrie. Links liegen die Rheinauen, das Naturschutzgebiet, das sogar Klapperstörchen eine Heimat bietet. Am gegenüberliegenden Ufer hebt sich der Kühlturm des Walsumer Kraftwerks in den Himmel. Nun heißt es: der Wegmarkierung „Winkel“ folgen.

Rast auf der Rheinbuhne

Nach einem Schlenker durch Binsheim führt der Weg direkt zum Wasser. Eine Bank für eine Rast verschmäht Roland Klemann. Stattdessen läuft er auf eine Rheinbuhne, die Muscheln unter seinen Wanderschuhen knirschen. Meterlange Frachtschiffe ziehen vor Thyssenkrupp-Kulisse vorbei.

Wandertipp „Die Strecke gefällt mir einfach, weil sie so schön abwechslungsreich ist“, sagt Roland Klemann zufrieden. Die letzten zwei, drei Kilometer liegen vor ihm. „Und ich merke gerade, dass die Strecke ja sogar für Kinderwagen geeignet ist.“ Ein Kriterium, dass ihn erst seit kurzem interessiert. Im September ist er Vater geworden. Noch tragen Klemann und seine Frau ihren kleinen Sohn meistens, wenn sie gemeinsam unterwegs sind. Aber in Zukunft kann sich Klemann durchaus Touren mit Kinderwagen oder einem speziellen Kinderrucksack vorstellen. Vielleicht in Duisburg am Rhein?