Wackeliges Krisenmanagement nach Loveparade
26.07.2010 | 15:40 Uhr 2010-07-26T15:40:00+0200
Duisburg.Verdrängen, vertuschen, verschweigen: Die Krisenbewältigung der Offiziellen nach der Katastrophe auf der Duisburger Loveparade erinnert an jene nach dem Flughafenbrand 1996 in Düsseldorf. Damals hielt die Taktik keine zwei Tage.
Verdrängen, vertuschen, verschweigen; wie bloß kann es zu einer solchen Form von Krisenbewältigung kommen, wie sie die Verantwortlichen seit Samstag demonstrieren? Der Versuch einer Antwort führt nach Düsseldorf und 14 Jahre in die Vergangenheit.
Am 11. April 1996 brannte der Düsseldorfer Flughafen. 17 Menschen starben in einer tödlichen Rauchwolke, 88 erlitten in der Panik zum Teil schwere Verletzungen. Am Tag danach übte sich die Geschäftsführung vor der internationalen Presse in verblüffenden Erklärungen. Flughafenchef Hans-Joachim Peters bestritt eine Panik und verneinte jede Schuld des Flughafens. „Wir wollten das nicht wahrhaben“, sagte später ein Manager, „wir haben nach dem Motto gehandelt: Was nicht sein darf, das nicht sein kann“.
Unverkennbare Parallelen
Die Parellelen zur Loveparade sind unverkennbar. Panik? Wollte Dezernent Rabe so wenig erkannt haben wie der stellvertretende Polizeipräsident. Und Fehler? OB Sauerland wusste schon am Samstag, dass das Sicherheitskonzept stimmig gewesen war.
Verdrängen, vertuschen, verschweigen. In Düsseldorf hielt der Kommunikationsbeton keine zwei Tage. Dann war klar, dass im Gebäude verbaut war, was nicht hätte verbaut sein dürfen und dass Fluchttüren fehlten. Elf Verantwortliche landeten vor dem Strafrichter, Peters warf hin und ging nach Osnabrück. Heute räumt er ein: „Es war nicht gut, was wir da gemacht haben.“
Jemand, der das beurteilen kann, ist DVV-Sprecher Torsten Hiermann. Nach der katastrophalen Krisen-PR und dem Austausch der alten Riege kam der 27-Jährige damals nach Düsseldorf und fuhr als Flughafen-Sprecher den neuen Kurs: Offenheit um jeden Preis. Am Sonntag sah man Hiermann bei der Pressekonferenz nur stumm in der zweiten Reihe stehen.

10:22
Gab es Druck auf die Stadtverwaltung, die Veranstaltung unbedingt stattfinden zu lassen?
Die Frage kann mit „Ja“ beantwortet werden. Politiker und Beauftragte der Kulturhauptstadt wollten unbedingt die Love-Parade und unterstützten dies mit Äußerungen und Erlassen. Schon als nach dem Finanz-Votum des Stadtrats das Event wegen Zahlungsproblemen in Gefahr geriet, mahnte die heutige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), dieses „Stück Jugendkultur“ dürfe nicht gefährdet werden. Vor allem aber setzte die NRW-Staatskanzlei von Jürgen Rüttgers (CDU) ihren Willen durch – gegen haushaltspolitische Bedenken des Innenministeriums. Und jetzt fordert die Ministerpräsidentin Kraft zukünftig in vergleichbare Events mit eingebunden zu werden; also der Bock zum Gärtner .
Wegen der schlechten Duisburger Finanzlage hat die Stadt einen Nothaushalt. Alle Kosten müssen von der Kommunalaufsicht genehmigt werden. Diese wollte zunächst kein grünes Licht geben. In einem Gespräch zwischen Oberbürgermeister Sauerland, dem Düsseldorfer Regierungspräsidenten Büssow, Kulturhauptstadt-Chef Fritz Pleitgen und Kulturstaatssekretär Grosse-Brockhoff wurde darauf hingewiesen, dass Duisburg es sich nicht leisten könne, die Loveparade im Jahr der Kulturhauptstadt ausfallen zu lassen. Notfalls sollte das Land mit Geld einspringen.
Kam es zu einer formellen Anweisung der Landesregierung, dass Duisburg die Loveparade durchführen kann?
Ja. Darin heißt es: „Ich bitte der Stadt Duisburg mitzuteilen, dass seitens der Kommunalaufsicht haushaltsrechtliche Bedenken hinsichtlich der Durchführung der Veranstaltung nicht erhoben werden“.
Wer hat für die Loveparade 2010 grünes Licht innerhalb der Stadtverwaltung gegeben?
Formal zuständig sind zum Beispiel das Ordnungsamt (das ist das Dezernat von Wolfgang Rabe) oder der verantwortliche Dezernent. Der Rat der Stadt war in Duisburg definitiv nicht in die Entscheidung einbezogen. Die Ratsmitglieder wurden insgesamt nur zweimal !!! mit dem Vorgang beschäftigt: Sie legten fest, dass Duisburg kein eigenes Geld in das Event investieren darf – und erhielten auf eine Anfrage der Linksfraktion eine Kurzauskunft über mögliche Zufahrtswege.
Die Stadt Dortmund, in der die Loveparade 2008 ausgetragen wurde, hat dies in sieben Arbeitsgruppen entwickelt. In Duisburg soll dies nach vorliegenden Informationen allerdings sehr viel oberflächlicher gehandhabt worden sein. Quasi im Alleingang der Verwaltung.
09:13
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06:41
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23:37
Sarah, dein Kommentar ist geschmacklos und dumm.
Wenn die Besucher alle so furchtbar waren warum ist dann bei den vorherigen Love Parades nie was passiert? Die Planung in Duisburg war einfach Mist, ein Nadelöhr als einziger Ein- und Ausgang!!!
Ich war selber da und ja es gab Idioten, aber die Mehrheit war weitestgehend friedlich. Alkohol-/Drogenkonsum eher unterdurchschnittlich für so eine Veranstaltung.
Sieh dir doch mal bitte Videos von Augenzeugen an, da sieht man, dass die Leute sich helfen. Klar, es gibt immer auch Idioten aber die sind nicht für die desaströse Planung verantwortlich, die Verantwortung tragen die Veranstalter!
22:26
Also mal davon agbesehen, dass es mir echt leid tut, was da passiert ist und das die Betroffenen das mit Sicherheit nicht verdient haben, möchte ich sagen, dass ich das Ganze hier nicht nachvollziehen!!!
Ich war selber da und bin kurz vor dem Unglück vom Gelände runter gegangen.Die Zustände waren katatstrophal, aber das lag zum größten Teil an den Besuchern...Die einen waren betrunken ohne Ende, die anderen waren gereizt und Drogen waren bei vielen auch noch im Spiel...Die Leute haben sich selber so eingeengt und das obwohl der Platz oben noch Kapazitäten hatte (und da gab es schon keine Absperrungen mehr)...
und wenn die Leute dann in ihrem Wahn Zäune umwerfen und an nicht vorgesehenen Stellen hochklettern und dann abstürzen muss man ehrlich sagen selber Schuld
Ich hab das Spektakel mit angesehen und die Leute die da gegen die Spielregeln gespielt haben, haben die Panik erst richtig ausgelöst!!!
Ich finde es unfähr jetzt die Schuld nur den Veranstaltern in die Schuhe zu schieben! Klar hätten die Ein- und Ausgänge besser konzipiert sein müssen und eine Mitschuld tragen die dementsprechenden Veranstalter natürlich, aber so ein Vorgehen hat niemand verdient...schließlich sind Fehler menschlich und diese Fehler sind von den Besuchern gemacht worden...
Schon weit vor dem Eingang waren die Leute mit den Absperrungen nicht einverstanden (obwohl sie zum Schutz dienten) und haben dort randaliert ohne Ende!!!
Sorry Leute aber das ist die Wahrheit und von mir aus soll Sauerland belieben!!! Der hat die Leute nicht persönlich umgebracht und Ihn dann persönlich anzugreifen, wenn er sein Beileid zeigen will...Armseelig...in was für einer Welt lebt ihr eigentlich???
Wenn sich auf anderen Loverparades Menschen durch zu hohen Alkoholkonsum umbringen spricht da keiner mehr von!!!
20:53
mesh0815 - es fehlen ja auch die Zahlen der Menschen, die vielleicht schon freitags angereist sind usw..
19:52
Das ist jetzt ein wenig offtopic. Seit ich am Sonntag die Pressekonferenz gesehen habe, beschäftigt mich die Frage, wie man auf Zahl von 105.000 Menschen kommt die mit der Bahn angereist sein sollen. Das erscheint mir relativ wenig. Die Zahl selber stammt von der Deutschen Bahn AG. Was jedoch offensichtlich aus Unkenntnis versäumt worden ist, ist die Tatsache, dass offensichtlich die Zahlen der Regionalbahnen und S-Bahnen nicht angefragt worden sind. Da ein Großteil der Besucher aus dem Ruhrgebiet und dem Umland stammen, werden nur die wenigsten mit dem IC- oder dem ICE angereist sein, sondern mit dem RE-Express oder den S-Bahnen. Diese Zahlen werden jedoch von der Deutschen Bahn nicht nachgehalten. Somit wäre eine Zahl von 105.000 stimmig, würde jedoch nicht den Tatsachen entsprechen, da der überwiegende Großteil halt im Regionalverkehr angreißt ist und diese Zahlen werden von Tochtergesellschaften bzw. den Verkehrsverbünden nachgehalten. Zitiert wurden durch Herrn Schaller jedoch nur die DB-Zahlen. Viele unterstellen Ihm er hätte die Zahlen bewusst so niedrig gehalten, oder runtergerechnet. Es wäre zumindest ein Erklärungsansatz, das schlichtweg nicht bedacht wurde die Nahverkehrszahlen zu erfragen.
19:43
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18:52
Hier waren es 3200 Polizisten insgesamt (2000 Landes-, 1200 Bundespolizisten)
http://www.focus.de/fotos/2000-landes-und-1200-bundespolizisten-sollten-urspruenglich-fuer-die_mid_702613.html
Hier waren es sogar nur 1200 statt 2000 Landespolizisten vor Ort:
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,708349,00.html
Bei der Loveparade 2008 waren rund 1150 Polizisten zu Höchstzeiten aktiv und rund 1050 weitere Rettungskräfte, aber hier wurde ja auch keine Alarmbereitschaft ausgerufen.
http://loveparade.dortmund.de/content/downloads/bilanz.pdf
Demnach stimmt zwar, dass doppelt so viele Polizeikräfte eingesetzt waren, aber eben nicht die über 4100 Polizisten... sondern ca. 2400 - zumindest zum Zeitpunkt der Massenpanik!
Und es gab in Dortmund 1,6 Mio. polizeilich bestätigte Besucher, hingegen hatte Duisburg plötzlich nur 400tsd.?
18:38
In jeder Pommesbud hast du einen Notausgang, in Kinos, Theater mehrere, bei Besuchern zw 10 und 1000.
Hier hast du Hunderttausende...und als Notausgang eine 50 cm breite Treppe und einen Containerwagen, auf den man draufklettern muss um sein Leben zu retten.
Es wurde von Anfang an alles falsch gemacht was falsch zu machen war.
Warum wurde nicht schneller reagiert, die Absperrzäune niedergerissen, wo Leute auch noch um ihr Leben zu retten drüber klettern mussten?
Ich hoffe man lernt daraus, meine Hoffnung ist allerdings gering...