Vorwürfe wegen Brandschutz-Mängeln nach Großbrand in Krefeld
07.11.2012 | 11:18 Uhr 2012-11-07T11:18:00+0100
Duisburg. Der Großbrand im Düngerlager von Compo wäre womöglich vermeidbar gewesen. Die Firma Compo hat offensichlich nicht alle Auflagen der Störfallverordnung erfüllt. Der Dünger soll viel zu dicht gelagert worden sein. Der Brand muss viel zu spät entdeckt worden sein. Compo zeigt sich überrascht von Vorwürfen.
Der Großbrand bei Compo Ende September wäre möglicherweise in diesem Ausmaß zu verhindern gewesen. Das bestätigten mehrere Experten unabhängig voneinander gegenüber der Redaktion. So soll der Dünger-Hersteller unter anderem beim Brandschutz nachlässig gewesen sein.
Konkret geht es um die Einhaltung der sogenannten Störfallverordnung. Danach muss ein Betrieb, der besonders gefährliche Stoffe verarbeitet oder lagert, auch besondere Sicherheitsmaßnahmen treffen. Das soll Compo nicht in allen Fällen getan haben. Angeblich waren die Düngermassen viel zu eng gelagert – unüblich für so leicht entzündliche Stoffe. Auch die Jahrzehnte alte Holzhalle sei für die Lagerung nicht geeignet. „Das ist absolut fahrlässig“, sagt ein Brandsachverständiger, der öffentlich nicht namentlich genannt werden will.
Brand offenbar sehr spät entdeckt
Auch der Alarmplan hat wohl nicht so funktioniert wie er funktionieren sollte. Die Experten halten es beispielsweise für ausgeschlossen, dass der Brand direkt nach dem Ausbruch entdeckt wurde. Gerade das wäre aber wichtig gewesen, um Schlimmeres zu verhindern. Unternehmen, die unter die Störfallverordnung fallen, müssen ein Netz an Alarmsystemen nachweisen. Die Rettungskette muss schnell funktionieren. An beidem gibt es im Fall Compo Zweifel.
Der Großbrand in dem Krefelder Düngemittelwerk ist gelöscht und beschäftigt nun auch die Justiz: Der BUND hat Strafanzeige gegen Compo erstattet. Es sei zu befürchten, dass die Tatbestände der Luftverunreinigung und der schweren Gefährdung durch das Freisetzen von Giften erfüllt sein könnten.
„Die Pflichten haben wir erfüllt“, sagt ein Compo-Sprecher auf Nachfrage der Redaktion. Er sei erstaunt über die Kritik. Es gebe keine Ermittlungen gegen Compo. Nach Informationen der Redaktion aber ermitteln die Behörden mittlerweile wegen Verstößen gegen die Störfallverordnung.
Die Bezirksregierung will sich zu Ermittlungen im Moment nicht äußern. Allerdings lägen jetzt die Ergebnisse der Proben aus den Düngerresten auf dem Compo-Gelände vor. „Es hat sich nichts Dramatisches ergeben“, sagt Sprecherin Marielle Erb. Beim Entsorgungskonzept, das Compo bei der Behörde vorgelegt hatte, gebe es aber noch Nachbesserungsbedarf. Die Ergängungen stehen noch aus.
Auch die Staatsanwaltschaft Krefeld ermittelt. Endgültige Ergebnisse liegen noch nicht vor. „Es müssen noch Gutachten eingeholt werden“, sagt Oberstaatsanwalt Klaus Schreiber auf Nachfrage. Es gehe darum, ob möglicherweise jemand für die Folgen des Brandes verantwortlich gemacht werden könne. Mitarbeiter von Compo könnten sich wegen Umweltgefährdung strafbar gemacht haben. Schreiber betont (in diesem Fall) aber auch: „Einen konkreten Tatverdacht haben wir nicht.“

07:59
@ verharmlosende Kommentierer: Ja, is klar. Störfallordnung. Wat is dat denn? Dünger brennt nicht und der Erwin hat sein Kippe doch ausgedrückt, oder? Und ausserdem war Frühstückspause, als es zu Qualmen anfing...
19:21
Nach dem missglückten Verriß des Steinhofs (Lärmbelästigung der Anwohner) schon wieder eine Hetzkampagne, diesmal gegen Compo. Herr Poll hat vom Thema leider keine Ahnung und spannt irgendwelche (Stammtisch-) Experten vor seinen Karren.
Warum will ein Brandschutzsachverständiger nicht genannt werden, wenn er die Wahrheit sagt ? Er spricht von "leicht entzündlichem Dünger", aber Dünger brennt nachweislich nicht. Davon kann sich jeder Kleingärtner in einem kleinen Selbstversuch überzeugen. Aber Vorsicht, der nächste Nachbar wird sie wegen Luftverunreinigung anzeigen. ;-)
Man sollte endlich zu einer sachlichen Diskussion kommen. Die Folgen solcher Hetzkampagnen fallen auf uns alle zurück. Siehe das Loveparade-Unglück mit der Folge: Übertriebene Sicherheitsanforderungen für die Karnevalszüge.
Daran sind solche Zeitungsartikel nicht unschuldig.
"Dünger brennt nachweislich nicht"
Ach nee. Dann hat die Feuerwehr sich bestimmt vertan...
Noch dämlicher hätte man sich kaum äußern können!
15:55
Es gab keine Mängel!
Es hat ja auch nie Gefahr für die Bevölkerung bestanden!
15:42
Wenn - politisch gewollt - Genehmigungs- und Überwachungsbehörden kongruent sind, ist solches Desaster systemimmanent.
Claudia Baitinger, AK techn. Umweltschutz des BUND NRW
13:39
Der Großbrand im Düngerlager von Compo wäre womöglich vermeidbar gewesen………………
Standardspruch aus dem Repertoire der ewigen Klugscheißer.
Möglicherweise sollen jetzt noch die gleichen Leute den Fall untersuchen, die im Vorfeld dahingehend versagt haben, dass seitens der behördlichen Kontrollorgane erforderliche Überprüfungen nicht oder nur unzureichend durchgeführt wurden.