Vorwürfe gegen Straßen.NRW nach Kahlschlag in Duisburg

Ein Ergebnis der Rodungsarbeiten an der Ausfahrt Huckingen.
Ein Ergebnis der Rodungsarbeiten an der Ausfahrt Huckingen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Straßen.NRW sieht sich bei Baumfällungen wie für den Ausbau der A 524 mit Vorwürfen konfrontiert, handfeste ökonomische Interessen zu verfolgen.

Duisburg.. Seit einigen Wochen lässt Straßen.NRW entlang des Streckenabschnitts der A 42 zwischen dem Autobahnkreuz Duisburg-Nord (A 42/59) und der Anschlussstelle Duisburg-Baerl die Säge kreisen. Noch bis Ende Februar werden auf einer Fläche von insgesamt 50.000 m² Sträucher entfernt und Bäume gefällt, damit ab Spätsommer 2015 bis Herbst 2017 Fahrbahnen, Entwässerungskanäle, Schutzeinrichtungen, Straßenausstattung und die Lärmschutzwände erneuert sowie die Brückenbauwerke instandgesetzt werden können.

Straßen.NRW: Notwendige Maßnahmen

Auch an der Ausfahrt Huckingen sind für den Ausbau der A 524 etliche Bäume gefällt worden, zusammen mit den Rodungen für Lärmschutzwände in Rahm rund 500. Notwendige Maßnahmen, sagt Straßen.NRW in solchen Fällen. Einige Duisburger Bürger sprechen hingegen von einem erschreckenden Kahlschlag. So auch die Ungelsheimerin Britta Schnaack, die diesbezüglich Bezirksbürgermeister Volker Haasper (SPD) kontaktiert und eine Antwort per E-Mail bekommen hat, die sie entsetzt habe.

Laut Haasper stehen nach Rücksprache mit der städtischen Fachverwaltung bei den Fällmaßnahmen demnach nicht so sehr Verkehrssicherheitsaspekte, sondern überwiegend ökonomische Gründe, um Holz für Heizpeletts zu gewinnen, im Vordergrund. Auf eine artenschutzrechtliche Prüfung werde meist verzichtet. Die Maßnahmen seien zudem nicht mit der Stadt abgestimmt, die das zuständige Land darüber hinaus bislang erfolglos versucht habe, zum Umdenken zu bewegen. „Das ist das, was mir mitgeteilt worden ist“, bestätigt Haasper auf Anfrage.

Handlungsempfehlung für Maßnahmen

Eine Stadtsprecherin drückt es gegenüber unserer Redaktion etwas moderater aus: „Unser Amt für Umwelt und Grün empfiehlt Straßen.NRW, den Baumbestand zu bewirtschaften.“ Auch auf Druck von Duisburg habe das zuständige Landesministerium 2011 eine Handlungsempfehlung für Maßnahmen wie Baumfällungen herausgegeben, die allerdings einige Ausnahmeregelungen beinhalte.

„Das Totschlagargument ist immer die Verkehrssicherheit. Da haben wir keine rechtliche Handhabe“, sagt Kerstin Ciesla, Vorsitzende des BUND in Duisburg und gleichzeitig stellvertretende Landesvorsitzende des Umweltverbandes, der sich seit längerem mit der Thematik beschäftigt und Straßen.NRW ebenfalls vorwirft, mit den Baumfällungen Geld erwirtschaften zu wollen. Dazu sei es üblich, Konzessionen an private Firmen zu vergeben, die offenbar an keinerlei ökologische Auflagen gekoppelt seien. Am Ende werde versucht, so viel Biomasse herauszuholen wie möglich.

Es gibt klare Richtlinien

Ein Vorwurf, dem Bernd A. Löchter, Sprecher von Straßen.NRW, vehement widerspricht. „Es geht uns wirklich nur um die Verkehrssicherheit.“ Es sei zwar richtig, dass häufig private Firmen mit Baumfällungen beauftragt werden. Da gebe es aber klare Richtlinien, Anweisungen und auch Kontrollen, damit kein Baum zu viel gefällt wird. „Und trotzdem kann ich verstehen, dass mancher diesbezüglich eine andere Einschätzung hat als wir“, so Löchter. „Wir sind sicher kein Landschaftspflegebetrieb, klar ist aber auch, dass wir keine ökonomischen Interessen verfolgen.“

Die beauftragten Firmen dürften das Holz zwar später verkaufen. Der zu erwartende Ertrag werde aber bereits im Vorfeld von der Dienstleistung abgezogen. „Es geht hier schließlich um Steuergelder“, so Löchter.

Darüber hinaus verweist Roland Schmidt, Projektleiter für den Ausbau der A 524 und B 8n, dass gleichzeitig etwa 1500 Bäume und 50.000 Sträucher entlang der Bundesstraße neu gepflanzt worden seien. Solche Ersatzpflanzungen sind laut Straßen.NRW zumindest teilweise auch für den Abschnitt der A 42 zwischen dem Kreuz Duisburg-Nord (A 42/59) und der Anschlussstelle Duisburg-Baerl geplant.