Vor 60 Jahren wurde gefragt, nicht gegoogelt

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Wanheimerort..  „Wenn man heute eine 14-Jährige ins Berufsleben schicken würde, dann wüsste die nicht, wo rechts und wo links ist“, glaubt Brigitte Lersch, ehemalige Schülerin der katholischen Volksschule an der Eschenstraße. Doch genau das blühte damals der jetzigen Hombergerin und ihren Schulkameradinnen vor 60 Jahren. Als sie aus der Volksschule entlassen wurden, mussten sie ihren Lebensweg alleine finden. Zwar hätte es die Möglichkeit gegeben, weiterhin eine Schule zu besuchen, doch die Schulgelder waren für Kinder von Arbeiterfamilien in der Nachkriegszeit einfach zu hoch.

Jetzt trafen sich 19 ehemalige Schülerinnen der damals 35-köpfigen Klasse, um ihre 60 Jahre Entlassung zu feiern. Gemeinsam erinnerten sich die Rentnerinnen an ihre Schulzeit und diskutierten über Unterschiede, die sie bei ihren Enkeln beobachten können: Es gab früher weder Taschenrechner noch die Möglichkeit alles zu googeln. Selbst Lexika waren knapp. „Wir mussten mehr selber denken und wenn wir was nicht wussten, dann haben wir halt herumgefragt“, erinnert sich Anneliese Schröer aus Wanheimerort.

1947 wurden die Frauen eingeschult. Kurz nach dem Krieg gab es wenig. Nicht einmal die Sporthalle konnte damals genutzt werden, da Kriegsflüchtlinge dort untergebracht wurden. „Dann mussten wir immer draußen Völkerball spielen“, erinnert sich Brigitte Lersch und verdreht die Augen. „Heute ist Schule viel lockerer geworden“, meint Christel Springborn. Sie hat eine viereinhalbstündige Zugfahrt auf sich genommen, um zu kommen. Denn heute wohnt sie in der Nähe von Basel. „Die Nachkriegsgeneration hatte ein schweres Schicksal“, sagt Buchholzerin Uschi Gehrmann. „Deshalb bin ich froh, dass meine Enkel studieren.“

Gegenüber der katholischen Volksschule war damals die evangelische Volksschule. Die Schüler teilten sich damals nur eine Küche. Am Samstag wurde aber auch das Restaurant geteilt, denn zufällig hatte der Neudorfer Norbert Heckmann das Treffen mit seinen ehemaligen Schulkameraden am gleichen Tag geplant wie Uschi Germann, Hildegard Wilms und Ingrid Uhl das der katholischen Volksschule. Dank des großen Zufalls, konnten die ehemaligen Volksschüler mehr bekannte Gesichter entdecken, als ursprünglich geplant.