Vor 30 Jahren schuftete Günter Wallraff als Ali bei Thyssen

Günter Wallraff bei seiner verdeckten Recherche als Ali Sinirlioğlu bei seiner Arbeit bei Thyssen.
Günter Wallraff bei seiner verdeckten Recherche als Ali Sinirlioğlu bei seiner Arbeit bei Thyssen.
Foto: Günter Zint
Was wir bereits wissen
Ungleichbehandlung zwischen Arbeitern, die Günter Wallraff aufdeckte, haben damals viele schockiert. Jetzt kommt Wallraff wieder nach Duisburg.

Duisburg.. Ali Sinirlioğlu hat Journalismus-Geschichte geschrieben: Vor 30 Jahren veröffentlichte Günter Wallraff seine Enthüllungsgeschichten aus dem Arbeitsleben unter dem Titel "Ganz unten".

Was er als "türkischer Gastarbeiter" Ali erlebte, unter anderem bei Thyssen, waren Ausbeutung, Ausgrenzung, Schikanen, Verstöße gegen Arbeitssicherheitsbestimmungen. Das Buch wurde zum Bestseller. Ob es auch etwas bewirkt hat? Am nächsten Samstag (20. Juni) zieht der Enthüllungsautor Bilanz.

Mit Schnauzbart, gefärbten Haaren und dunklen Kontaktlinsen sammelte Ali alias Wallraff überwiegend negative Erfahrungen in der Arbeitswelt, unter anderem als Beschäftigter eines Thyssen-Subunternehmers. Er berichtete von haarsträubenden Missständen in Alis Arbeitsalltag, von mangelnder Schutzkleidung, von Verstößen gegen Arbeitszeit- und Sicherheitsbestimmungen.

Was hat sich seit "Ganz unten" geändert?

Hat sich seitdem etwas geändert? Friedhelm Bierkant, Bezirksvorsitzender der IG BAU Duisburg-Niederrhein, die Wallraff für kommenden Samstag in die Hamborner Abtei eingeladen hat: „Viele unserer Leute haben damals in denselben Betrieben gearbeitet und Ähnliches durchgemacht.

Autoren Wallraff hat als Ali die Drecksarbeit im Werk gemacht – die Reinigung.“ Viele der Beschäftigten dort hätten gesundheitliche Probleme davongetragen. Sie kämpften bis heute um eine Anerkennung ihrer Beschwerden als Berufskrankheit. Bierkant: „Oft ist es ein echtes Problem nachzuweisen, dass der Lungenkrebs tatsächlich vom Asbest kommt. Und dass man sich ihn auf der Baustelle und nicht zuhause geholt hat.“

Bessere Arbeitsbedingungen bei Thyssen-Krupp

Und am Arbeitsplatz im Hüttenwerk, das heute unter Thyssen-Krupp firmiert? „Es hat sich etwas verändert – auf jeden Fall“, sagt Wilhelm Segerath, Betriebsratsvorsitzender am größten Standort des Stahlkonzerns in Hamborn/ Beeckerwerth. Den ganzen Themenkomplex Arbeitnehmerüberlassung und Zeitarbeit habe man seit Alis Zeiten durch Tarifverträge reguliert.

Fernsehpreis Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit habe man durchsetzen können. So gebe es heute für den Mitarbeiter einer Fremdfirma nicht nur den selben Tariflohn wie für den Kollegen aus der Stammbelegschaft, sondern den selben tatsächlichen Werklohn inklusive aller Zulagen.

Nach wie vor im Blick habe die Arbeitnehmervertretung die Werkverträge. Dahinter vermute man „Einiges an prekärer Arbeit“. Mehr Mitbestimmung des Betriebsrates ist erklärtes Ziel.

Auch Thyssen-Krupp sieht heute viel genauer hin, zusammen mit dem Zoll. Bei Missständen droht dem Subunternehmer ein Beschäftigungsverbot.

Autor diskutiert mit Gewerkschaftern und Betriebsräten

Günter Wallraff kommt nach Duisburg „30 Jahre Ganz unten“ – unter diesem Thema diskutiert die IG BAU über die Arbeitsbedingungen in der Industriereinigung damals und heute am Samstag, 20. Juni, 10 Uhr, in der Abtei Hamborn.

Dabei sind: Dietmar Schäfers, Vize-Bundesvorsitzender der IG BAU und zwei Betriebsräte aus der Industriereinigung.Um Anmeldung unter 0203/ 29 88 70 oder duisburg@igbau.de wird gebeten.