Rheinoper
Von Lehár bis Henze
06.09.2010 | 18:33 Uhr 2010-09-06T18:33:00+0200
Duisburg.Die Deutsche Oper am Rhein ist bekannt für ihre große Tradition finnischer Ensemblemitglieder, die über Ulla Sippola bis zu Laura Nykänen und Sami Luttinen führt.
Seit einem Jahr gehört auch Jussi Myllys der Rheinoper an und blickt nun auf seine erste Spielzeit am Rhein zurück.
Von der Oper Frankfurt kommend, wo er in den Jahren von 2006 bis 2009 engagiert war, kam Myllys vor einem Jahr an die Rheinoper. Trotz seiner Frankfurter Erfolge mit Partien wie dem Tamino in der „Zauberflöte“, Don Ottavio in „Don Giovanni“ und Pedrillio in der „Entführung aus dem Serail“ kam er gerne zur rheinischen Theatergemeinschaft: „Der Wechsel vom ersten Engagement an ein neues Haus bietet viele Möglichkeiten der Entwicklung.“
In 26 Vorstellungen stand der Sänger in der vergangenen Spielzeit in Duisburg und Düsseldorf auf der Bühne, sang hier den jungen Seemann in „Tristan und Isolde“ und den „Narraboth“ in der „Salome“. Eine ganz neue Erfahrung war für ihn der Camille de Rosillon in der „Lustigen Witwe“: „In der Operette gibt es ein großes Orchester, die Rolle ist technisch schwierig zu singen und trotzdem muss man immer locker bleiben!“
Jussi Myllys stammt aus Helsinki, als seine zweite Heimat betrachtet er aber Ostfinnland, wo seine Familie herstammt. Eine besonders emotionale Verbindung fühlt Myllys zu den Opernfestspielen von Savonlinna. Als Zwölfjähriger verkaufte er dort Programmhefte, und mit 18 Jahren sang er im Chor der Festspiele. 2008 gab er dann mit 29 Jahren sein Gesangs-Debüt, nämlich als Steuermann in Wagners „Der fliegende Holländer“ unter dem Dirigat des Essener Generalintendanten Stefan Soltesz.
Vor dem Beginn seines Gesangstudiums an der Sibelius Akademie in Helsinki absolvierte Myllys auch eine Tanzausbildung, tanzte moderne Choreographien und in einer Showgruppe: „Meine Stimme war damals noch nicht reif genug, und ich wusste, dass mir dieses Körpergefühl auf der Bühne helfen würde.“ Als tanzender Sänger ist er seitdem zwar nicht zum Einsatz gekommen, in einer Frankfurter Aufführung von Mozarts „Die Gärtnerin aus Liebe“ sang er aber an einer Schwebevorrichtung über der Bühne hängend: „Da war ein bisschen Akrobatik gefragt!“
Zum Beginn dieser Saison wird Jussi Myllys gleich in zwei verschiedenen Rollen in Duisburg zu erleben sein: Erst wechselt er in Mozarts „Entführung“ vom Pedrillo zum Belmonte. Danach wird er in der Duisburger Erstaufführung von Hans Werner Henzes „Phaedra“ den Hippolyt singen: „Bei vielen anderen modernen Opern muss man sehr genau mitzählen, bei Henze kann ich die Musik aber mitfühlen. Man merkt dieser Musik die große Erfahrung des Komponisten mit Singstimmen an.“
Außerdem gastiert Myllys in der nächsten Saison an der Bayerischen Staatsoper München in einer Neuinszenierung von Beethovens „Fidelio“ als Jaquino an der Seite von Anja Kampe und Jonas Kaufmann. Regie wird der Katalane Calixto Bieito führen, der für seine von Sex und Gewalt geprägten Inszenierungen bekannt ist. Jussi Myllys betont: „Ich war auf der Bühne zwar schon leicht bekleidet, aber ich werde mich auch in Zukunft nicht ausziehen!“

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