Von Danzig und Adana nach Duisburg

Foto: FUNKE Foto Services

Deutschland und die Türkei sitzen in Duisburg an einem Tisch. Auf jeden Fall an diesem Morgen im Kultur- und Stadthistorischen Museum, das derzeit seine große Foto-Ausstellung „Heimat für Generationen“ für die Duisburger Akzente vorbereitet. Dem Aufruf, sich und ihre Mehr-Generationen-Familien von der Fotografin Astrid Heups porträtieren zu lassen, folgten auch das Ehepaar Hüseyin und Müserref Savas sowie Jürgen Dorloff, die im Gespräch mit der WAZ über ihre Familiengeschichte, aber vor allem über sich und über ihre aktuelle „Heimat“ sprechen wollen.

Die Wiege der Einen stand im türkischen Adana an der Mittelmeerküste, die Wiege des Anderen im später kriegszerstörten Danzig an der Ostsee. Und doch führte sie ihr Weg in die Stahlstadt Duisburg, die für beide Familien seit vielen Jahren zum festen Zuhause geworden ist. Jürgen Dorloff, 1939 in Danzig geboren und 1944 in den Westen geflohen, kam als junger Mann zunächst nach Gelsenkirchen, wo er als Bergmann arbeitete. 1962 heuerte er dann bei Mannesmann in Duisburg als Techniker an. Später war er unter anderem auch noch Personalleiter.

„Heimat ist, wo du satt wirst“

Mit seiner Frau, den beiden Söhnen und den Enkelkindern lebt der sportliche Rentner nun schon seit vielen Jahren in Großenbaum, wo er sich sehr wohl fühlt und sich seit 37 Jahren im Verein für den Erhalt des Freibades Großenbaum stark macht. Einen großen Erfolg feierte er als Sportler, als er 1957 deutscher Meister im Halbschwergewicht wurde. „Zu einer Begegnung mit Cassius Clay bei den Olympischen Spielen in Rom ist es dann leider nicht gekommen.“

Vor über 40 Jahren kam aus einer ganz anderen Ecke der Welt der junge Hüseyin Savas nach Duisburg, um zunächst im Wehofener Ledigenheim zu wohnen. Doch bald folgte ihm seine Cousine Müserref nach Duisburg, die dann auch seine Ehefrau werden sollte. Die junge Familie vergrößerte sich um Sohn und Tochter und zuletzt auch noch um ein Enkelkind. Das zweite Enkelkind wird in einigen Monaten folgen. Auch wenn die Familie Savas immer noch gerne die türkische Heimat besucht, so fühlt man sich in Walsum schon lange zuhause. Hüseyin Savas, der als Elektromeister bei Thyssen arbeitete, ist mit seinen 67 Jahren inzwischen Rentner.

„Heimat ist nicht da, wo du geboren wurdest, sondern wo du satt wirst“, zitiert Müserref Savas ein altes türkisches Sprichwort. Wenn sie von ihrer ehemaligen Änderungsschneiderei an der Weseler Straße in Marxloh erzählt, wo sie als junge Frau von ihren deutschen Nachbarn sofort akzeptiert und geschätzt worden sei, dann steht die stets bildungshungrige und kommunikative Dame für Integration im allerbesten Sinne. Ansonsten verbindet die Familien, ob aus Adana oder aus Danzig, noch eine wesentliche Gemeinsamkeit: Ohne Tageszeitung schmeckt das Frühstück nicht.

Viele ins Museum locken

Das lebensgroße Bild ihrer Familie und auch das der Familie Dorloff werden mit weiteren Fotos anderer Familien, die sich hier teilweise mit vier Generationen der Fotografin stellten, ab dem 22. März zu sehen sein. Schon jetzt weiß Kornelia Kerth-Jahn als Leiterin des Ausstellungsprojektes, dass man mit dieser Aktion viele Duisburger Bürger erstmalig ins Museum gelockt hat.