Das aktuelle Wetter Duisburg 19°C
Handwerk

Von 16 Metzgern blieb nur einer

14.11.2012 | 09:00 Uhr
Von 16 Metzgern blieb nur einer
Fleischermeister Thomas Meinert aus Ruhrort wurde für 25 Meisterjahre geehrt.Foto: Lars Fröhlich

Ruhrort. „Ich wollte nie Metzger werden“, blickt Thomas Meinert auf seine beruflichen Anfänge zurück. Jetzt ehrte ihn die Innung für 25 Meisterjahre, und seine Einstellung ist längst eine grundsätzlich andere: „Der Beruf macht mir Spaß.“

Der Sinneswandel am Anfang der Karriere des Ruhrorter Metzgers hat viel mit seinem Vater Werner zu tun, der sogar für 50 Meisterjahre geehrt wurde: „Mein Vater ist ein unheimlich guter Ausbilder, das hat Spaß gemacht.“ Und so blieb Thomas Meinert in dritter Generation im Unternehmen, das 1936 vom Großvater gegründet wurde.

„Ich mache alles selbst“, sagt er beim Rundgang durch die Wurstküche, erlaubt Einblick in die Räucherkammer und ins Kühlhaus. 60 Sorten Wurst produziert er frisch, nur einige Schinkenspezialitäten und Dauerwürste werden zugekauft. Aber Mett ist aus eigener Herstellung, der Kochschinken wird noch richtig gerollt, und in die Sülzen kommt ein spezieller Essig, den sich Meinert aus Ostdeutschland kommen lässt.

Meinert setzt auf schwere Schweine

Den Wettbewerb mit den Supermärkten stellt er sich selbstbewusst: „Die haben gute durchschnittliche Qualität, aber keine Spitzenqualitäten.“ Wurst vom handwerklich arbeitenden Metzger sei immer frisch, und auf dem Schlachthof gebe es für die Meister auch bessere Ware: „Wir zahlen ja auch mehr.“ Meinert setzt beispielsweise auf schwere Schweine, an denen auch etwas dran ist. Und er hat einen klaren Grundsatz: „Ich verkaufe nichts, was ich nicht auch selber essen würde.“

25 Jahre als Metzgermeister sind aber auch ein viertel Jahrhundert Wandel im Traditionshandwerk gewesen. „Die Schweine sind magerer geworden, fetten Bauch gibt’s nicht mehr“, berichtet Meinert. Und, was für ihn spürbare Folgen hat: „Es wird immer weniger gekocht. Eine Sauce mit Knochen machen – das kann doch keiner mehr.“ Stattdessen komme das Essen aus der Tüte, mit reichlich Salz und Geschmacksverstärker.

Folge für die Branche: 16 Metzger habe es in Ruhrort in besseren Zeiten gegeben, als die Schiffer noch viel Geld hatten und mehr zeit zum Einkaufen. Meinert: „Aber da hat es hier auch noch hundert Kneipen gegeben und einen Puff.“ Der Großvater habe noch haufenweise Aufträge aus den Gaststätten mitgebracht.

Das sehe heute anders aus, beklagt Meinert. Nachmittags hat er sein Geschäft geschlossen, außer freitags. „Es rechnet sich einfach nicht.“ Was sich rechne, sind belegte Brötchen und kalte Platten für Unternehmen: „Ich lebe von den Firmen“, sagt der Metzger. Und: „Meine Söhne werden das nicht weitermachen.“

Willi Mohrs



Kommentare
17.11.2012
10:06
Von 16 Metzgern blieb nur einer
von Harry.Hirsch | #1

Ääääähhmmmm, zu der Zeit hatten wir nicht einem Puff, sondern ein Puff-Viertel!

Schöner Artikel!

Aus dem Ressort
Duisburg hat auch Potenzial für zwei große Warenhäuser
Einkaufen
Nach der Fusions-Ankündigung des neuen Kartstadt-Eigners gibt es auch in Duisburg Spekulationen, was die Zukunft von Karstadt und Kaufhof in der Innenstadt angeht. Der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Niederrhein fürchtet hingegen nicht um die Filialen von in der City.
Neue Brücke wird über Duisburger Kanalbecken gezogen
Baustelle
Am Sonntag wird in Duisburg die neue Brücke über den Vincke-Kanal gezogen. Ein Tauziehen der besonderen Art: 1300 Tonnen werden im Schneckentempo bewegt. Das Schauspiel braucht Zeit: Es dauert wohl von 6 bis 21 Uhr.
"Totlast"-Absage des Duisburger OB hat Nachspiel im Stadtrat
Ruhrtriennale
Die Grünen in Duisburg wollen die Sören Links Absage des Ruhrtriennale-Projekts auf die Tagesordnung des Kulturausschusses bringen. Bereits im Juli hatte die FDP eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt, weil die Duisburger SPD-Landtagsabgeordneten mit Drohungen reagiert hatten.
Freibäder - Keine spritzigen Zahlen
Sommer
„Oh sole mio...“ Diesen Gesang haben die Freibadbetreiber in Duisburg in diesem Sommer bestimmt häufiger angestimmt, um die Sonne zu locken. Denn so richtig Sommer, wie er früher einmal war, war das nicht, was uns dieses Jahr geboten hat. Entweder schwülwarm mit Unwetterwarnung, oder schlicht und...
Tollkühne Mannen in rappelnden Kisten
Seifenkistenrennen
Für die Neuauflage des Duisburger Seifenkisten-Derbys nach 21 rennfreien Jahren griff Duisburgs bekannter Comic-Zeichner Martin Tazl sofort zum Stift und schuf ein witziges Werbeplakat.