Von 10 auf 80 Euro in 17 Tagen

Wenn ein Brief mit dem Siegel eines Inkasso-Unternehmens ins Haus flattert, ahnen die Empfänger meistens, was ihnen blüht. Geschockt sind viele allerdings über die Summen, die mitunter eingefordert werden. So wie im Fall des Partners von Nina Rodenjohann aus Duisburg. Sie räumt Versäumnisse ein, hat aber wenig Verständnis dafür, dass aus einer Bearbeitungsgebühr von anfangs zehn Euro innerhalb von 17 Tagen ein Gesamtbetrag von 80,22 Euro geworden ist – und das alles, weil eine Ticket-1000-Chipkarte nicht fristgerecht bei der DVG abgegeben worden sei.

Allerdings, so Paulina Wleklinski, Beraterin bei der Verbraucherzentrale in Duisburg, sei diese Vorgehensweise gesetzeskonform. Bei den meisten Inkasso-Forderungen macht demnach die sogenannte Geschäftsgebühr den Hauptanteil aus. Diese beinhaltet die gesetzliche Grundlage zur Abrechnung von Gebühren für Rechtsanwälte, so Wleklinski. In so gut wie allen Fällen werden Inkasso-Büros durch Anwälte vertreten, diese formulieren die jeweiligen Forderungen. Bei einem Gegenstandswert bis 500 Euro könne, je nach Aufwand der Bearbeitung, zwischen 15 und 72 Euro allein an Geschäftsgebühren erhoben werden. Die Forderung, über die sich Nina Rodenjohann ärgert, bewegt sich demnach also noch im Rahmen.

Stutzig sollten Betroffene laut Verbraucherzentrale allerdings zum Beispiel bei deutlich höheren Summen oder zu kurzen Einzahlungsfristen werden. Um bei solchen Forderungen sicher zu gehen, sei es grundsätzlich ratsam, von Inkasso-Büros das Original der Vollmacht des Auftraggebers zu verlangen. Ob sich der Gang vor ein Gericht lohnt, könne nur im Einzelfall entschieden werden.

Nina Rodenjohanns Partner hat erst einmal Widerspruch eingelegt. Nach der Aufforderung, zehn Euro Bearbeitungsgebühr zu zahlen, habe man entgegen anderslautender Aussagen der DVG kein Mahnschreiben erhalten. Und damit auch keinen Hinweis, dass bei weiter ausbleibender Zahlung ein Inkassobüro eingeschaltet wird. Die DVG will den Fall nun prüfen.