Vom Logport in die Welt hinaus

Anfang 2014 fuhr eine Eskorte aus schwarzen Limousinen, Vans und Polizeimotorrädern über das Gelände Logport I. Grund für diesen Trubel war der Besuch eines der mächtigsten Männer der Welt. Chinas Staatspräsident Xi Jinping empfing in Rheinhausen einen Güterzug. Der Politiker aus der Volksrepublik hatte im Fernseher einen Bericht über die lange Fahrt des sogenannten Yuxinou-Zuges gesehen und wollte sich vor Ort ein Bild von der Ankunft in Duisburg machen.

Der Zug war 16 Tage unterwegs, um von der chinesischen Metropole Chongqing über die Mongolei, Kasachstan, Russland, Weißrussland und Polen bis in den Duisburger Westen zu gelangen. Mit einem Schiff dauert es rund 45 Tage, bis Laptops aus der Volksrepublik China am Logport ankommen oder chinesische Unternehmen Teile aus der deutschen Autoindustrie in Empfang nehmen können.

Der Yuxinou-Zug beschleunigt den Transport. Die Handelspartner sind glücklich, dass dieser Güterzug seit 2012 regelmäßig verkehrt. Mittlerweile ist die Frequenz der Fahrten auch deutlich gestiegen. Vier Mal pro Woche geht es jeweils von Asien nach Europa – und vom Ruhrgebiet ins Reich der Mitte.

Dass die Verbindung in Duisburg endet, unterstreicht die große Bedeutung des Logistikstandortes. „Der Duisburger Hafen hat sich zur führenden Logistikdrehscheibe in Zentraleuropa entwickelt“, betont Julian Böcker von der Duisburger Hafen AG. Die Zahlen sprechen für sich.

Aus der Stadt an Rhein und Ruhr werden mittlerweile 80 Ziele direkt angesteuert. Böcker zeigt eine Karte, auf der Städte wie Turin, Moskau und Istanbul als wichtige Knotenpunkte markiert sind. Auf der rechten Seite deutet ein Pfeil nach China, was zeigt, dass das Netz noch viel größer ist.

3,4 Millionen Standardcontainer werden in Duisburg per Schiff, Bahn und Lkw jährlich umgeschlagen - Tendenz steigend. „Ein Großteil dieser Umschläge findet auf den Logport-Arealen statt, von denen wiederum das Gelände in Rheinhausen das Größte ist“, erklärt Böcker. Insgesamt 21 Containerbrücken gibt es im Hafengebiet, davon stehen acht am Standort Logport I.

50 Firmen auf 265 Hektar

Wer das ganze Areal erkunden will, muss schon viel Zeit mitbringen. Auf insgesamt 265 Hektar haben sich zwischen Rhein und dem Rheinhauser Zentrum rund 50 Unternehmen angesiedelt. Bis in die 90er Jahre hinein standen hier noch die Kruppschen Hüttenwerke, die durch den Niedergang der Stahlindustrie erst geschlossen und später abgerissen wurden. Die alten, unter Denkmalschutz stehenden Villen der leitenden Angestellten zeugen noch von dieser Zeit.

Fünf Jahre nach der letzten Schicht bei Krupp erwarb die Hafengruppe das Gelände. Kurz nach der Erschließung siedelte sich der japanische Logistikriese New Wave Logistics am Logport an. „Die waren die Mutigen, die das Potenzial frühzeitig erkannt haben“, sagt Böcker. Mittlerweile heißt das Unternehmen Husen Yusen Logistics und blickt in Duisburg auf vier Erweiterungen zurück. „Bei der Eröffnung des neuen Logistikzentrums war sogar der Vorstandsvorsitzende aus Tokio vor Ort. Das zeigt schon, welche Bedeutung dieser Standort hat“, sagt Julian Böcker.

Im Logport I gibt es mittlerweile rund 4000 Arbeitsplätze, auch hier zeigt die Kurve seit Jahren nach oben. Das liegt an den großen Logistikunternehmen wie Kühne + Nagel oder DB Schenker, die in der Vergangenheit in Rheinhausen expandiert und investiert haben. Das liegt aber auch am gesteigerten Stellenwert im Ausland. So bezeichnete Xi Jinping die Verbindung von Chongqing nach Rheinhausen als neue Seidenstraße.