Vier „Weiße Riesen“ sollen fallen

Sie sollen weg. Schon lange. Doch bisher fehlte das Geld für den Abriss der leerstehenden „Weißen Riesen“ in Hochheide. Jetzt ist es da: Die Bezirksregierung Düsseldorf hat entsprechende Fördermittel bewilligt. 5,8 Millionen Euro stellt das Land aus dem „Stadtumbau“-Topf bereit, ein Fünftel muss die Stadt selbst zu den Projektkosten von 7,25 Millionen Euro beisteuern. Doch auch diese Summe ist nur ein Teil der Gesamtkosten, die der Umbau des Wohngebietes verschlingen wird. Denn die Stadt plant den Abriss von vier der sechs 20-stöckigen Hochhäuser mit insgesamt 1440 Wohnungen. Das Problem: Nur zwei Wohnklötze stehen leer und kein einziges ist im Besitz der Stadt.

Drei Millionen Euro pro Haus

Für die erste Tranche an Fördermitteln will die Stadt den Abriss von zwei Häusern ins Visier nehmen, zwei weitere sollen ab 2018 folgen, falls es weiteres Geld vom Land gibt. Die Kosten für den Abriss schätzen die Planer pro Hochhaus auf rund drei Millionen Euro.

Welche Hochhäuser zuerst fallen sollen, dabei will sich die Stadt nicht in die Karten gucken lassen. Denn die Eigentumsverhältnisse sind ebenso komplex wie die rechtliche Lage. „Wie wir die Häuser erwerben, wird jeweils im Einzelfall geprüft. Aber wir werden dabei das volle Register ziehen, das einen freihändigen Erwerb ebenso vorsieht wie das Vorkaufsrecht, Zwangsversteigerungsverfahren und weitere Instrumentarien des Städtebaurechts“, sagte Planungsamtsleiter Hendrik Trappmann der NRZ.

Seit einem Jahr laufen die vorbereitenden Untersuchungen für den Quartiersumbau, der Abschlussbericht soll in Kürze vorliegen. Doch schon der Zwischenbericht offenbart, wohin die Reise geht: Die Ruine an der Ottostraße 24-30 und das leerstehende Haus an der Friedrich-Ebert Straße 10-16 haben demnach die höchste „Konzentration problematischer Umfelder und sanierungsbedürftiger Bausubstanz“, sei seien „eindeutig als Problemschwerpunkte mit massiver negativer Ausstrahlung zu identifizieren.“

Doch selbst die beiden Leerstände in ihren Besitz zu bringen, wird für die Stadt nicht einfach. Bei der Ruine an der Ottostraße gibt es keinen Eigentümer mehr, dafür aber jede Menge Gläubiger. Bislang galt die Zwangsversteigerung als Königsweg für den Erwerb. Problematisch ist aber auch die unter den Hochhäusern liegende Tiefgarage, die längst wegen Baufälligkeit gesperrt ist, aber zu mehreren Häusern gehört. Und beim zweiten Leerstand muss man sich erst mit dem neuen Besitzer, der Firma Altro Mondo aus Hannover einigen, die den Klotz eigentlich sanieren will.

So wird in diesem Jahr in Hochheide noch kein einziger Stein bewegt. Baudezernent Carsten Tum rechnet ab 2016 mit dem Abriss eines ersten Hauses: „Der gesamte Prozess wird uns mehrere Jahre begleiten.“

Umzugsmanagement und Enteignung

Deutlich komplexer wird die Lage noch einmal, wenn es um die anderen Häuser geht: Sie sind bewohnt, der „Rote Riese“ wurde erst vor wenigen Jahren für elf Millionen Euro kernsaniert. Die Stadt spricht vage von einem dann notwendigen „sozialverträglichen Umzugsmanagement“. Das Mitte 2013 beschlossene Handlungskonzept führt sogar Enteignungen an. Diese kämen aber nur als „ultimo ratio“ in Betracht, da sie der „schärfste Eingriff“ in privates Eigentum seien.

Zumindest was nach dem Millionen-teuren Abriss auf dem Gelände entstehen soll, steht fest: jede Menge Grün statt Beton, eine große offene Fläche, der das Handlungskonzept einen schmucken Namen verleiht — „Hochheide Central Park“.