Viel Verkehr und wenig Ärger beim Still-Leben
18.07.2010 | 19:44 Uhr 2010-07-18T19:44:00+0200
Duisburg.Wann gab es das schon mal – mehr Räder als Autos im Umfeld der A40 in Duisburg. Die Ruhr.2010-Aktion „Still-Leben Ruhrschnellweg“ lockte Zehntausende auf die Autobahn. Die Polizei spricht von viel Verkehr und wenig Ärger.
Wie? Sie waren am Sonntag nicht auf der A 40? Dann haben Sie wirklich was verpasst. Der Ruhrschnellweg ist dafür bekannt, dass manchmal nichts mehr geht. Gestern fuhren dort keine Autos, und trotzdem ging nichts. „Still-Leben“ sei dank.
Es war eine Nervenprobe, Einige hatten sie schon um kurz nach 11 Uhr verloren. An der Anschlusssstelle Häfen, dort, wo das A40-Volkskulturfestival am Morgen eröffnet wurde, drehten die ersten ab. Weil es einfach nicht mehr weiter ging. Am Unkelstein, wo ein Behelfszugang zur A40 zusammengeschraubt worden war, bildeten sich Schlangen wie in den Zeiten schlimmster Not vor den Lebensmittelgeschäften. Doch die meisten waren geduldig, ja sogar gut gelaunt. Ihr Ziel lag über ihnen. Und er war nicht zu übersehen: der Menschen-Stau auf allen vier Fahrspuren.
Tanz auf dem Asphalt
Die Mobilitätsspur wurde vor allem in der Mittagszeit zur Schiebespur. Der Duisburger Abschnitt vermeldete den größten Stau entlang der A 40. Die DVG-Shuttlebusse fuhren auf Wunsch der Polizei zwischen 12.15 Uhr und 14 Uhr den Kaiserberg nicht mehr an, weil einfach zu viele Menschen unterwegs waren. Trotzdem sprachen Polizei und Feuerwehr von einem ruhigen Tag. Die Polizei musste nur drei vermisste Kinder wieder zu ihren Eltern bringen, die Feuerwehr fuhr 15 Rettungseinsätze, meist wegen der Hitze.
Dass es an manchen Stellen nicht so recht weiter ging, lag aber auch an den Protagonisten. So schnappte sich eine Folklore-Gruppe aus Koblenz und Heidelberg einige der Marxloher Bräute und legte erst einmal einen Sirtaki auf den Asphalt. Sehr zur Freude der Zuschauer. In Zuckungen gerieten die Besucher beim Salsa-Workshop mitten auf der Autobahn. Leichtes Fußwippen dagegen beim Blues-Stammtisch und den Crazy Skiffle Tramps, deren Mitgliedern der Spaß ins Gesicht geschrieben stand. Oder, wie Sam Mühleib es kurz und knapp formulierte: „Ein außerordentliches Event.“ So außergewöhnlich, dass die Mitglieder von Frau und Kultur in Mode aus der Jahrhundertwende schlüpften, um aufzufallen. Mit Erfolg. „Wir wurden mit Handküssen gesegnet, die Männer lagen uns zu Füßen“, scherzte Eva Schön. Dass die Bräute aus Marxloh echte Hingucker waren, merkten auch Elisabeth Gekse und Jasmin Becker: „Später erzählen wir unseren Enkeln, was Oma für ‘ne coole Braut war.“

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