Viel rennen allein bringt Fußballern keinen Erfolg

Daniel Weimer (30), Wirtschaftswissenschaftler an der Uni Duisburg-Essen, hat mit Dr. Pamela Wicker (Sporthochschule Köln) die Laufwege der Profis in der Fußball-Bundesliga untersucht.
Daniel Weimer (30), Wirtschaftswissenschaftler an der Uni Duisburg-Essen, hat mit Dr. Pamela Wicker (Sporthochschule Köln) die Laufwege der Profis in der Fußball-Bundesliga untersucht.
Foto: Lars Heidrich/Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Fußball-Profis, die viel laufen, erhöhen die Siegchance ihrer Mannschaft, nicht aber den eigenen Marktwert, haben Sportökonomen herausgefunden.

Duisburg.. Die Erfolgsgeschichte der Oakland Athletics hat Dr. Daniel Weimar auf die Idee gebracht. Das finanzschwache Team der US-amerikanischen Baseball-Liga setzte vor 15 Jahren auf günstige Spieler, die in den Lauf-Statistiken aber gute Werte aufweisen und zog von 2000 bis 2003 jeweils in die Play-Offs ein.

„Welche Bedeutung haben zurückgelegte Laufwege und Geschwindigkeit im Fußball?“ haben sich Wirtschaftswissenschaftler der Uni Duisburg und seine Kölner Kollegin Dr. Pamela Wicker gefragt. Das Fazit ihrer Auswertung der vergangenen drei Bundesliga-Spielzeiten, die sie nun im „Journal of Sports Economics“ veröffentlichen, fasst der 30-jährige Wissenschaftler so zusammen: „Eine hohe Laufleistung macht den Sieg wahrscheinlicher. Aber: Viel sprinten ist nicht immer gut.“

Fleiß steigert nicht den Marktwert

Dass die Meter allein nicht entscheiden, ist eine banale Einsicht. „Ein Kreisliga-Kicker kann so viel rennen wie Thomas Müller, dennoch gewinnen am Ende die Bayern“, sagt Weimar. Passgenauigkeit, Zweikampfquote, Erfahrung und vor allem Talent sind beim Fußball weitere entscheidende Erfolgsfaktoren. Das belegen auch die Daten aus den Bundesligastadien. Da waren in der Saison 2012/13 etwa die Profis des FC Nürnberg (12,61 Kilometer pro Spiel) und von Werder Bremen (12.52 Kilometer) Langlaufmeister – aber nur Tabellenmittelmaß.

Hingegen zahlte sich Fleiß für die Dortmunder aus. Sie wurden 2011/12 Meister – jeder Borusse war 1,16 Kilometer mehr gelaufen als die Spieler von Vizemeister Bayern München. „Jede 100 Meter, die ein Spieler mehr rennt als sein Gegner, machen einen Sieg um 3,19 Prozent wahrscheinlicher“, haben Weimar und Wicker berechnet. Underdogs können ihre Erfolgschance gegen klare Favoriten sogar um 4,5 Prozent steigern. Mangelnde Klasse lässt sich also bedingt durch Einsatz ausgleichen.

Auch das ist interessant: Erfolgreicher sind Teams, die viel, aber konstant unter einem Tempo von 20 km/h laufen. „Mit jedem Sprint sinkt statistisch die Siegchance“, so Weimer. Wie konnte dann der Dortmunder Turbo-Fußball so erfolgreich sein? „Stimmt, aber wer viel sprinten muss, läuft vielleicht falsch und deshalb oft hinterher.“

Laufleistung hat einen Einfluss auf das Spiel

Nein, eine isolierte Betrachtung der Laufdaten macht keinen Sinn, sagt Daniel Weimar, dass die Werte aber bei der Auswahl der Spieler gar keine Rolle spielen, sei gleichwohl erstaunlich. „Zweifellos hat die Laufleistung einen Einfluss auf das Spiel. Obwohl es Profis gibt, die fast doppelt so viel laufen wie andere, hat das keinen Einfluss auf ihren Marktwert“, stellt der Wirtschaftswissenschaftler fest.

Bei der Verpflichtung von Spielern müsse die Laufleistung eine größere Rollen spielen, meint Weimar. Ein Anfang: Der FC Barcelona, dem der Sportökonom Bernd Frick die Ergebnisse vorlegte, habe das mit Interesse registriert. Der US-Baseball war da viel flexibler. „Das Konzept der Oakland Athletics haben alle kopiert“, sagt Daniel Weimar.