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"Asterix vom Niederrhein"

18.08.2011 | 17:48 Uhr

Bei Duisburg-Walsum trotzt das Restaurant der Langhoffs einem Steinkohlekraftwerk.

Wenn man den Kopf ganz weit in den Nacken legt, kann man so eben die Schornsteinspitze des Kohlekraftwerks in Duisburg-Walsum sehen. Matthias Langhoff braucht sich nicht ganz so sehr zu verrenken. Der Gastwirt ist über 1, 90 Meter groß, ein blonder Hüne . Außerdem ist er den Anblick des Gebäude - Kolosses gewöhnt: Er betreibt nebenan ein Restaurant -  das letzte Haus, das dem Steinkohlekraftwerk noch nicht hat weichen müssen.

Einst war das Walsumer Oberdorf, direkt an den Rheinauen gelegen, ein gemütliches Örtchen. „Das war früher eine richtige Dorfgemeinschaft hier“, erinnert sich der 49-jährige Wirt. Das Fischrestaurant seiner Familie, der Walsumer Hof, war seit 1838 der gesellschaftliche Treffpunkt in dem kleinen Ort am Rhein. Damals hat man sich noch gegenseitig geholfen, wenn Not am Mann war: „Der Nachbar hat damals mit seiner Wasserpumpe unseren Saal gelöscht“, erinnert Langhoff. „Die Anekdote hat mein Vater immer wieder erzählt.“

Aber dann kam die Steag und baute einen neuen, riesigen Kraftwerksblock. Dem Kraftwerk musste das Dorf weichen. Anfang der  90er-Jahre verkauften die Anwohner nach und nach ihre Anwesen an das Unternehmen. Das stampfte die Häuser ein und setzte ihr Kohlekraftwerk drauf. Das letzte Haus verschwand 2002. Gegen das Kohlekraftwerk an sich hat Langhoff nichts, er ist schließlich mit der Steinkohleverarbeitung nebenan groß geworden: „Ich war nur böse, dass die einfach das Dorf dafür plattgemacht haben.“

Heute ist vom Walsumer Oberdorf nicht mehr viel übrig. Nur das Restaurant der Langhoffs trotzt der Moderne. Erstmals urkundlich erwähnt, so Langhoff, wurde das Gehöft im Jahr 1485.  Innen und außen scheint die Welt dort stehengeblieben zu sein. In dem verwilderten Garten hinter dem alten Bauernhof suhlen sich zwei Schweine („Die werden auch mal Schnitzel.“) im Schlamm, daneben rupft ein Esel an ein paar Grashalmen. Auch die Gaststube sieht aus wie aus dem vergangenen Jahrhundert: Unter der Decke hängen Fangnetze, mitten im Raum glänzt ein poliertes Steuerrad, über einem Ecktisch schwebt ein präparierter Kugelfisch. Die Sammlung an mehr oder weniger geschmackvollen Fischerreliquien hat Geschichte. „Früher kamen viele Binnenschiffer hier her zum Essen. Die hatten nicht immer Deutsche Mark dabei und haben dann eben mal mit einem Nebelhorn bezahlt“, erzählt Matthias Langhoff.

Langhoff gehört der Hof allerdings nicht mehr. Sein Vater Franz Langhoff  hat das Anwesen ebenso wie alle anderen Leute aus dem Oberdorf an die Steag verkauft. Heute sind die Langhoffs nur noch Pächter ihres Familienbetriebs. Matthias Langhoff ist zwar eine Frohnatur, über die Zukunft seines Restaurants macht er sich dennoch manchmal Sorgen: „Es wäre schon schön zu wissen, wie es mit dem Schmutz und der Lärmbelästigung ist, wenn das Kraftwerk endlich läuft“, meint er. Eigentlich hätte das Kohlekraftwerk schon Anfang 2010 ans Netz gehen müssen . Nach einem kurzen Probebetrieb im Frühjahr 2011 ist der Betreiber momentan wieder mit der Ausbesserung von Mängeln beschäftigt.

Trotz der offenbar misslichen Lage geht es dem Walsumer Hof blendend. Langhoff freut sich jeden Abend über eine volle Hütte. Ob dieser Erfolg jetzt auf die ganzen „Kühlturmtouristen“ (O-Ton Langhoff) zurückzuführen ist, oder ob es an der guten Küche liegt („Das will ich doch hoffen“), dass sich die Gäste allabendlich in seine Schankstube drängen - Matthias Langhoff ist das egal. „Wenn ich das mal wüsste, warum die Leute kommen!“, meint er und lacht dabei schallend. Vielleicht, so mutmaßt der Mann, den man auch den „Asterix vom Niederrhein“ nennt, käme es daher, dass man eben kein Konzept habe.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Wirt mit dem blauen Pütt-Hemd über ausgeprägte Entertainer-Qualitäten verfügt. Seine Gäste begrüßt und verabschiedet er noch persönlich. Probierhäppchen und flotte Sprüche gehen selbstverständlich aufs Haus. Ebenso wie der imposante Anblick des Kraftwerks nebenan.

Wenn Matthias Langhoff zur Schornsteinspitze des Kohlekraftwerks hinauf sieht, ist er nicht verbittert oder wütend. Er hofft nur, dass es nicht noch näher kommt und eines Tages auch sein Restaurant verschlingt. „Es gibt nur den Walsumer Hof für mich“, sagt er. „Sonst gar nix.“'

Pia Mester (Text), Klaus Micke (Video)

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Kommentare
01.09.2011
14:29
Asterix vom Niederrhein
von cschluen | #3

Sollen die Römer nur kommen, Obelix steht hinter Dir!!!

27.08.2011
17:45
Der Asterix vom Niederrhein
von Der_Hiesfelder | #2

Matthes halt blos durch, du und dein Restaurant seit Top!!!

19.08.2011
19:53
Der Asterix vom Niederrhein
von schuluzu | #1

...ich wäre auch so gerne im Oberdorf geblieben.... kann ihn voll und ganz verstehen!

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